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Luxus, wenn man nur will: Ramen mit Wurm und Grille.

Ernährung

Lifestyle? Lecker!

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Und wieder belegt eine Studie: Menschen essen alles, man muss es ihnen nur gut verkaufen.

Der Umwelt zuliebe ist der Mensch zu allerlei Verhaltensänderungen bereit. Aber Insekten essen, um das Klima zu schonen? Da scheinen – zumindest hierzulande – bei vielen die Grenzen des guten Geschmacks eher eng gesteckt.

Dass sich der äußerst wirkungsvolle Abwehrreflex namens Ekel dann doch relativ einfach ausschalten lässt, haben nun Wissenschaftler der Hochschule Fresenius in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bern und Köln im Verlauf einer Laborstudie herausgearbeitet. Die Ergebnisse dieser Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Frontiers in Nutrition“ (www.frontiersin.org) veröffentlicht.

Luxus schluckt Ekel

Ausgehend von der These, Insekten seien das Nahrungsmittel der Zukunft, weil sie nicht nur nahrhaft sind, sondern ihre Aufzucht auch deutlich weniger CO2 produziert als die Mast von Rind und Schwein, haben die Forscher die 180 beteiligten Probanden in zwei Gruppen unterteilt. Beiden Gruppen wurden eigens für das Experiment gefertigte Flyer von neu gegründeten Firmen vorgelegt, die sich mit der Vermarktung von Insekten als Nahrungsmittel befassen. Während aber die eine Gruppe Werbematerial aufgetischt bekam, das mit Slogans arbeitete, die vor allem die „gesundheitsförderlichen und umweltfreundlichen Aspekte von Insekten“ als Nahrungsmittel betonten, bekamen die anderen Damen und Herren fiktives PR-Material von Firmen kredenzt, die Mehlwurm und Heuschrecke „als Luxusprodukte“ und wesentliche Zutaten eines „trendigen Lifestyles“ anpriesen.

Und dann? Bekamen alle Teilnehmer feinste Schokopralinen angeboten, gefüllt mit Mehlwürmern. Erstaunlicherweise langten von jenen Probanden, die auf die klima- und ressourcenschonenden Aspekte der Krabbel- und Kriechtierknabberei hingewiesen worden waren, genau 61,3 Prozent zu. Also deutlich mehr als die Hälfte war bereit, den Ekel der Umwelt zuliebe zu überwinden. Respekt!

„Insekten sind Superfood und schmecken supergut!“

Dass aber der Mensch – stellt man ihn vor die Wahl – dann doch lieber edel ist als gut (und daher wohl auch lieber edel isst als bloß gut), offenbart der Blick auf das Verhalten der übrigen Probanden: Denn aus der auf Trend getrimmten Luxusfood-Fraktion trauten sich satte 76,2 Prozent der Teilnehmer, einen Bissen von der Praline mit dem gewissen Etwas zu nehmen. Für Professor Fabian Christandl von der Hochschule Fresenius ist das Ergebnis der Laborstudie ein klarer Beleg dafür, „dass die Werbung Insekten eher als Genussmittel anpreisen sollte“.

Klar ist auch: Der Slogan „Insekten sind Superfood und schmecken supergut!“ klingt natürlich sexier und trendiger als der Hinweis, Heuschrecke, Mehlwurm & Co. sind „eine gesunde und nachhaltige Alternative“, um den kleinen Hunger zu stillen.

Wirklich neu ist das alles nicht. Aber es dürfte die auf Essen spezialisierten Werber freuen, dass sie auch bei der Vermarktung „insektenbasierter Lebensmittel“ auf jenes bewährte Prinzip setzen können, das da lautet: Wichtig ist nicht, was drin ist, wichtig ist, was drauf steht.

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