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Liebesgrüße aus der Konsole

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Daniel Craig als James Bond in "Casino Royale".
Daniel Craig als James Bond in "Casino Royale". © dpa

Während der dritte James Bond-Film mit Daniel Craig in der Hauptrolle erst 2012 in die Kinos kommt, können eingefleischte Fans „Blood Stone“ schon als Videospiel erleben.

Von Marin Majica

Schnelle Autos mit Raketenwerfern, schöne, mitunter gefährliche Frauen und ebenso brillante wie gerissene Schurken – das ist das Alltagsgeschäft von James Bond. Mit so etwas Schnödem wie einer Insolvenz musste sich der Agent Ihrer Majestät nie herumschlagen. Wie ernüchternd war es da, dass ausgerechnet Finanzschwierigkeiten des Bond-Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) der Grund dafür waren, dass Daniel Craig nach „Casino Royale“ und „Ein Quantum Trost“ jahrelang auf sein drittes Bond- Abenteuer warten musste.

Die Lizenz zum Töten ist nun wieder erteilt worden: MGM hat bekannt gegeben, dass im November 2012, zum 50-jährigen Jubiläum von „James Bond jagt Dr. No“, der nächste Teil der Serie in die Kinos kommen soll. Daniel Craig soll wieder die Hauptrolle übernehmen, Sam Mendes („American Beauty“, „Zeiten des Aufruhrs“) die Regie. Aufatmen allerorten, von den Bösewichten in aller Welt freilich einmal abgesehen.

Die Mehrzahl der Kommentatoren scheint im Überschwang der Vorfreude übersehen zu haben, dass das dritte Bond-Abenteuer mit Daniel Craig längst läuft. Es heißt „Blood Stone“ und ist vor Kurzem erschienen – erstmals ohne dazugehörigen Kinofilm, sondern nur als Videospiel auf Konsolen wie der Playstation und Xbox. Nicht nur brüllt im Vorspann der traditionelle MGM-Löwe und sehen Bond und seine Chefin M darin Daniel Craig und Judi Dench verblüffend ähnlich. „Blood Stone“ hat auch ein veritables Bond -Girl zu bieten. Den Part der Agenten-Gefährtin Nicole spielt die Soul-Sängerin Joss Stone, die zudem den Titelsong „I'll take it all“ beisteuerte.

Alles wie im Kino

Nur ein digitales Surrogat zur Überbrückung der Wartezeit für jene Fans, die die Bond-Wiederholungen im Fernsehen schon etliche Male gesehen haben? Mitnichten. Das Spiel erfüllt alle Erwartungen, die der Zuschauer an einen Bond-Film stellt. Der Agent reist nach Athen, Istanbul, Monaco, Sibirien, Thailand und Birma, er muss Verfolgungsjagden bewältigen, sich in stark gesicherte Gebäude rein- und wieder rausschleichen, mit seinem Supersmartphone Safeschlösser, Computersysteme und Giftgasanlagen hacken, und zwischendrin gilt es immer wieder, sich den Weg frei zu schießen oder die Gegner auch eleganter aus dem Weg zu räumen.

Die Steuerung, mit der Bond aus der sicheren Deckung heraus feuern kann, ist ausgeklügelt, das Spielgeschehen solide, aber rasant, Explosionen und Szenerien sind meist ausgesprochen illuster – also alles wie im Kino. Und es unterstreicht humorvoll das Selbstbewusstsein der Videospiel-Macher, wenn James Bond in einer Zwischenszene seinem Girl mit der Original-Synchronstimme von Daniel Craig zuraunt: „Das ist kein Spiel!“

Tatsächlich ließ sich noch nie derart gut am eigenen Leib erfahren, dass das Leben eines Doppel-Null-Agenten doch eine ziemliche Plackerei ist. Diese verfluchte Stelle im vierten Level, bei der von einem Luftkissenboot aus mit einem Luftabwehrgeschütz gleichzeitig Raketen abzuwehren und das Schwebeboot des Ober-Halunken mit Biowaffen an Bord lahmzulegen sind – für Bond wäre das wohl eine Sache von Minuten. Der Spieler plagt sich damit mitunter Stunden. Sehr viel länger zumindest, als er 2012 mit Bond im Kino verbringen wird.

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