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Da bricht er noch lächelnd das Brot im Namen des Herrn – derzeit ist Xavier Novell abgetaucht. imago images
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Da bricht er noch lächelnd das Brot im Namen des Herrn – derzeit ist Xavier Novell abgetaucht. imago images

Verliebter Bischof

Liebe, Gott und Teufel

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Xavier Novell war einst der jüngste Bischof Spaniens und sehr beliebt. Jetzt hat der charismatische Geistliche, der auch als Exorzist arbeitete, die Kirche verlassen – für eine Frau, die erotische Bücher schreibt

Xavier Novell ist ein cooler Typ. Als er die Starreporterin von El País, Luz Sánchez-Mellado, zum Interview empfängt, bittet er sie als erstes, ihm die Manschettenknöpfe zu schließen. „Das ist eines dieser vielen Dinge, die man nicht allein machen kann“, sagt er. Dann drückt er der Journalistin energisch die Hand, „nicht wie diese Kleriker, die dem Gesprächspartner ihre weiche und flüchtige Rechte hinhalten“, schreibt Sánchez-Mellado. Sie findet Novell „gesprächig, ironisch, amüsant“. Und weil die Chemie stimmt, fragt sie ihn, ob er sich vorstellen könne, sich zu verlieben.

Das Gespräch fand um den Jahreswechsel von 2010 auf 2011 statt. Novell war gerade von Papst Benedikt XVI. zum damals jüngsten Bischof Spaniens ernannt worden, zum Bischof der kleinen katalanischen Diözese Solsona. Er war ein junger gutaussehender Mann mit klaren Meinungen, der keine Mikrofone scheute. Ein Mann zum Verlieben. Und, ja, auch er könne sich vorstellen, sich zu verlieben, antwortete er der Reporterin. „Ich glaube, wenn ich einmal eine Frau treffen sollte, die mich anzieht wegen ihrer Art zu sein, zu denken oder zu handeln, die in mir ein Gefühl der ehelichen Zuneigung erweckte, ein Gefühl der Verliebtheit – was ich tun muss und was ich täte, wäre, sie nicht wiederzusehen.“

So kam es aber nicht.

Der mit heute 52 Jahren immer noch recht junge Geistliche hat sich verliebt, und statt der Frau hat er seine Diözese verlassen. Das geschieht in der katholischen Kirche nicht so oft. Eher selten sind auch die Fälle, in denen ein Bischof zugleich das Amt des Exorzisten in seinem Kirchenbezirk ausübt, was Novell seit dem 3. November 2015 getan hat, berichtet die sehr katholische, sehr konservative und sehr alte Tageszeitung ABC. Es wird also stimmen.

Dieselbe Zeitung schreibt, dass seine Verliebtheit „laut Quellen der katalanischen Kirche“ ein Werk des Teufels gewesen sei. Ein Arbeitsunfall, möchte man sagen. „Es ist weder die Schuld der Kirche, noch Gottes noch des Zölibats, sondern des Teufels und seiner bösen Tat.“

Der Gedanke liegt nahe. Die Frau, in die sich der Bischof verliebte, hat einen Hang zum Dämonischen. Sie heißt Silvia Caballol, ist 38 Jahre alt, Psychologin, und hat zwei erotische – nach einem Blick in einige veröffentlichte Auszüge eher: pornografische – Romane geschrieben. Der zweite heißt „Die Hölle in Gabriels Wollust“. Darin geht es laut Verlagswerbung um „den rohen Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und Satan und zwischen Engeln und Dämonen“. Die Autorin stelle „wieder einmal, mit einer klaren und direkten Sprache und einer ungewöhnlichen Handlung, unser Moralsystem, unsere Werte und unsere religiösen Überzeugungen in Frage“.

Der 230-Seiten-Roman aus dem Jahr 2016 ist zurzeit nur aus zweiter Hand zu haben. Auf dem wichtigsten Portal für antiquarische Bücher, Iberlibro, finden sich zwei Angebote: für 179 und für 349 Euro, zuzüglich Versandkosten. Caballol ist plötzlich eine gefragte Literatin.

Wer Näheres über das Liebespaar erfahren will, muss sich vorerst mit Spekulationen begnügen. Der früher so gesprächige Bischof hat seine Telefonnummer und seine Mailadresse geändert, und seine verlassene Diözese will nicht in seinem Namen reden. Novell war ein Bischof, wie ein Bischof sein soll, ein getreuer Verkünder der katholischen Lehre, entschiedener Gegner der Abtreibung, der Euthanasie und der Ehe unter Homosexuellen. Dass er ein ausnehmend konservativer Geistlicher in der grundsätzlich konservativen katholischen Kirche gewesen sein soll, lässt sich aus seinen öffentlichen Aussagen nicht herauslesen. Gerüchteweise hat er mit Kreisen zu schaffen gehabt, die Homo- zu Heterosexuellen umdrehen wollen, doch eine gute Quelle für diese Behauptung gibt es nicht.

Was nun? Silvia Caballol, Mutter zweier Kinder eines marokkanischen Vaters, schrieb in ihrem „Höllen“-Roman Sätze, die an sie selbst und ihren heutigen Geliebten gerichtet zu sein scheinen: „Niemand besitzt das Monopol auf Delirien. Unsere einzige Hoffnung ist es, alle nötige Zeit der Frage zu widmen, wer wir wirklich sind, um dann zu entscheiden, ob es eine Wirklichkeit ist, mit der wir beide leben können.“

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