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Marieke Vervoort.

Marieke Vervoort

Ein letztes Glas Sekt

Sterbehilfe für Paralympicssiegerin Marieke Vervoort.

Genauso sollten die letzten Momente ihres Lebens aussehen. Mit einem Glas Sekt, noch einmal anstoßen mit Familie und Freunden, dann der Abschied. Marieke Vervoort hatte ihren Tod seit 2008 geplant, am Dienstag war es soweit. Die belgische Paralympicsgewinnerin trat mittels Sterbehilfe aus dem Leben. Mit 40 Jahren, die letzten geprägt durch extreme Schmerzen, verursacht durch eine degenerative Muskelkrankheit.

„Bis zu ihrer letzten Minute führte sie Regie über ihr Leben“, sagte ihr Leibarzt Wim Distelmans der Tageszeitung „De Standaard“. Der Bürgermeister ihres Heimatortes Diest hatte den Tod Vervoorts verkündet. Die Bestürzung war landesweit, jeder Belgier kannte die Geschichte der tapferen Marieke. Doch diese Frau konnte und wollte die Qualen nicht mehr ertragen, zuletzt waren epileptische Anfälle hinzugekommen.

Der Zeitpunkt des Ausstiegs war für sie gekommen. Lange hatte sie das Szenario geplant. Vor elf Jahren schon besorgte sie die erforderlichen Papiere für die in ihrer Heimat erlaubte, in Deutschland aber verbotene Sterbehilfe. Das Wissen, ihren Todeszeitpunkt selbst bestimmen zu können, gab ihr ein „Stück Ruhe und Würde. So weiß ich, wenn es für mich genug ist, dann habe ich die Papiere“, sagte sie damals.

Doch zunächst hatte die Sportlerin noch einiges vor. Bei den Paralympics in London 2012 gewann sie als Handbikerin Gold über 100 Meter und Bronze über 200 Meter, 2016 in Rio de Janeiro Silber über 400 Meter und Bronze über 100 Meter. In dem Jahr landete sie bei der Wahl zum Sportler des Jahres in Belgien auf Platz zwei hinter Fußballstar Kevin de Bruyne.

Ende 2017 verschlechterte sich Vervoorts Zustand. „Ich werde immer depressiver, diese Gefühle hatte ich vorher nie. Ich weine sehr oft“, sagte sie dem Londoner „Telegraph“, „jetzt schwindet auch mein Sehvermögen immer mehr. Bei einem Auge liegt die Sehkraft nur noch bei 20 Prozent, beim anderen bei zehn Prozent. Mein Arzt sagt, er könne nichts machen.“

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch einen Teil ihrer Wunschliste abgearbeitet. So war sie im September 2017 Bungeejumpen und in einem Lamborghini über die Rennstrecke von Zolder gerast. Zudem schrieb sie zwei Bücher. Vervoort hatte auch klare Vorstellungen über ihre Beerdigung. Es soll keinen Gottesdienst geben und keinen Kuchen. „Ich möchte, dass alle mit einem Glas Champagner dastehen und an mich denken.“ (sid)

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