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Mord an Studentin Meredith Kercher

Letzter Akt im Fall Meredith Kercher

  • VonDominik Straub
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Rudy Guede, der einzige Verurteilte nach dem Mord in Perugia ist wieder frei.

Zur vorzeitigen Haftentlassung von Rudy Guede schreibt der „Corriere della Sera“ am Mittwoch, dass es sich um „einen Fall exemplarischer Läuterung“ handle. Es ist nicht ganz klar, ob das ernst oder ironisch gemeint war. Jedenfalls führt der heute 34-jährige ein vorbildliches Leben: Seit Dezember leistet er in Viterbo nahe Rom Sozialdienst bei der Caritas. Er hilft dem Pfarrer bei Messen, verteilt Essen während der Armenspeisung, katalogisiert Bücher in der Bibliothek. Zuvor hatte Guede im Gefängnis ein Fernstudium in Geschichte und internationaler Kooperation abgeschlossen – mit Bestnote. Dank guter Führung wurde ihm am Dienstag die Reststrafe von 45 Tagen erlassen – er ist frei.

Kein Alibi, kein Motiv

Guedes vorzeitige Haftentlassung ist der letzte Akt eines Justizdramas, das jahrelang weit über die Grenzen Italiens hinaus für Schlagzeilen gesorgt hatte. Es begann mit einem brutalen Mord in der Halloween-Nacht 2007: Die 21-jährige britische Austauschstudentin Meredith Kercher aus Leeds wurde halbnackt und tot in ihrer Studentenwohnung in Perugia aufgefunden. Zuvor war sie vergewaltigt worden. Der Tatverdacht fiel schnell auf Merediths Mitbewohnerin und Kommilitonin Amanda Knox aus Seattle, deren damaligen Freund Raffaele Sollecito sowie den Hilfsarbeiter Rudy Guede. Die Ermittler:innen vermuteten, dass es in der Wohnung zu Gruppensex gekommen sei, der im Drogenrausch außer Kontrolle geriet.

Guede war nach dem Mord nach Deutschland geflüchtet, wo er verhaftet wurde. Er wurde wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes und wegen Vergewaltigung zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt. Wegen eines Teilgeständnisses hatte er Strafrabatt erhalten: Da seine DNA auf Kerchers Körper gefunden wurde, hatte er das Sexualverbrechen gestanden, bestritt aber, den Mord begangen zu haben. Stattdessen beschuldigte er Amanda Knox und Raffaele Sollecito, Kercher erstochen zu haben. Dabei bleibt er bis heute. Das frühere amerikanisch-italienische Liebespaar erklärte, mit dem Mord nichts zu tun zu haben.

Aufgrund zahlreicher Ungereimtheiten in ihren Aussagen glaubten ihnen die Ermittler:innen nicht – so begann für den „Engel mit den Eisaugen“, wie Knox in den Medien genannt wurde, und für ihren Freund eine Gerichtsodyssee. 2009 wurden sie zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt, zwei Jahre später freigesprochen. Wegen Formfehlern wurde der Freispruch prompt annulliert, in einem neuen Prozess wurden Knox und Sollecito zu 28 und 25 Jahren verurteilt. 2015 hatte der Albtraum ein Ende: Beide wurden vom höchsten italienischen Gericht definitiv freigesprochen – nach vier Jahren im Gefängnis. Es handelte sich um einen Freispruch „mangels Beweisen“ in einem reinen Indizienprozess.

Amanda Knox noch wütend

Die Eltern von Meredith Kercher wissen bis heute nicht, was sich in jener Nacht 2007 abgespielt und wer ihre Tochter getötet hat. Es gibt kein Geständnis, kein Alibi, kein Motiv. Laut dem Römer Kassationshof war es während des Verfahrens zu „eklatanten Schlampereien und Fehlern“ gekommen. Die einzige, bittere Gewissheit der Eltern besteht nun darin, dass für den Mord an ihrer Tochter nun niemand mehr im Gefängnis sitzt. Die vorzeitige Freilassung Guedes kommentierte der Anwalt der Familie Kercher: „Angesichts der Tragik des Vorgefallenen und bezüglich einer konkreten und effektiven Gerechtigkeit muss man aber sagen, dass die Strafe, die Guede verbüßt hat, sehr kurz war.“

Amanda Knox, heute selbst Mutter, erklärte am Dienstag in einem Interview mit der „Times“, dass sie trotz des Freispruchs immer noch um ihren Ruf kämpfen müsse. „Der Mordprozess war zu einer Unterhaltungsshow geworden, die weitergehen musste, auch ohne Beweise.“ Sie sei immer noch wütend und warte auf eine Entschuldigung.

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