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Die 32-jährige Angeklagte soll ihren 36-jährigen Liebhaber brutal ermordet haben. Sie muss dafür lebenslang ins Gefängnis, urteilt das Landgericht Bochum.

Urteil in Bochum

Lebenslang für Gift-Mord an Liebhaber

Es beginnt als leidenschaftliche Affäre und endete mit einer tödlichen Tragödie: In Bochum wird eine Arzt-Ehefrau zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie hat ihren Liebhaber in eine Todesfalle gelockt - aus Angst vor dem Verlust ihrer bürgerlichen Existenz.

Nicole S. kam ganz in Schwarz, klammerte ihre Hände an ein Paket Papiertaschentücher. Neun Monate ist es her, dass die Bochumer Arzt-Ehefrau ihren Liebhaber vergiftet und erstochen hat. Ihr Motiv: Ihr Ehemann sollte nicht erfahren, dass er der Vater ihres Kindes ist. Das Urteil traf die 32-Jährige am Mittwoch mit voller Härte: lebenslange Haft wegen Mordes, Entlassung frühestens nach 15 Jahren.

„Sie war derart verzweifelt, dass ihr Liebhaber ihre kleine Familienwelt zerstören könnte“, sagte Richter Hans-Joachim Mankel. „Sie sah nur den Ausweg, ihn durch Tod dauerhaft daran zu hindern.“ Die Angeklagte habe unter allen Umständen ihre Ehe und ihre bürgerliche Existenz aufrechterhalten wollen. „Sie verspürte große Angst, alles zu verlieren.“

Die Eltern des Opfers - eines Bankers - hielten sich während der Urteilsverkündung an den Händen. Der Vater des 36-jährigen Börsenmaklers hatte zuvor auf dem Gerichtsflur erklärt: „Wir hassen die Angeklagte nicht, wir verachten sie.“ Verzeihen könne man die Tat wohl nie. Die Angeklagte hatte im Prozess unter Tränen gesagt: „Es ist mir selbst unbegreiflich, was ich getan habe. Ich schäme mich so sehr.“

Gift im Amaretto und Messer im Herz

Es war der 2. September 2011, als der Bochumer Banker sterben musste. Kurz vor der Tat hatte Nicole S. ihrem Liebhaber noch eine perfide SMS geschickt: „Ich habe eine Überraschung für Dich, Schnute.“ Dann reichte sie ihm einen Thermobecher Kakao mit Amaretto, eines seiner Lieblingsgetränke.

Kurz darauf brach der 36-Jährige bewusstlos zusammen. Das Getränk war mit einer Überdosis Beruhigungsmitteln versetzt. Um ganz sicher zu gehen, dass ihr Liebhaber auch wirklich stirbt, setzte ihm die Arzt-Ehefrau und gelernte Krankenschwester noch eine Morphiumspritze und stach dann 14 mal mit einem Messer auf ihr Opfer ein. Zwei Stiche trafen direkt ins Herz.

Als die Polizei am nächsten Tag in ihre Wohnung kam, sah eine Beamtin gerade noch, wie Nicole S. einen Müllsack mit der blutigen Tatwaffe aus dem Dachfenster warf. Nach ihrer Festnahme legte die 32-Jährige ein Geständnis ab. Die Angeklagte hatte ihr späteres Opfer als Patienten in der Arztpraxis ihres Ehemannes kennengelernt.

Liebhaber wollte Affäre öffentlich machen

Der Banker war fasziniert und stolz auf seine attraktive, neue Freundin. Den Ehebruch der Angeklagten verdrängte er. „Sie war für ihn seine große Liebe“, hieß es in der Urteilsbegründung. Als die Angeklagte schließlich schwanger wurde, wollte der 36-Jährige die Verantwortung für das Kind übernehmen und drohte, den Ehebruch der Angeklagten öffentlich zu machen. Als der Banker ermordet wurde, war der gemeinsame Sohn gerade geboren.

Ihren inzwischen neun Monate alten Sohn bekommt Nicole S. nun nur noch alle zwei Wochen zu sehen. Ihre Mutter bringt den Jungen mit ins Gefängnis. Die Bochumer Richter haben für die Mutter-Kind-Treffen extra verlängerte Besuchszeiten genehmigt.

Richter Hans-Joachim Mankel: „Am Ende dieses Prozesses gibt es nur Verlierer.“ Dazu gehöre vor allem auch das Kind. Die Angeklagte müsse sich überlegen, was sie ihrem Sohn später antworten wolle, wenn er sie nach seinem leiblichen Vater frage. (Jörn Hartwich, dpa)

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