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Ob sie’s wusste? Beim Fensterputzen werden in einer Stunde im Schnitt 320 Kilokalorien verbrannt.

Frühjahrsputz

Mit dem Lappen in Richtung Bikinifigur

Aktuell gibt’s keine Ausreden: Mehr Zeit zu Hause bedeutet auch mehr Zeit für den Frühjahrsputz. Chemische Keulen sind überflüssig. Und richtig gut für die Figur ist das Großreinemachen auch noch.

Restaurants und Kinos zu, keine Verabredungen und viel Zeit zu Hause: In Corona-Zeiten bleibt reichlich Gelegenheit für den Frühjahrsputz – Ausreden gibt es kaum noch. Das Umweltbundesamt, Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer raten dabei von allzu viel Chemie ab. Denn ein übertriebener Feldzug gegen Dreck und Keime gefährdet die eigene Gesundheit und belastet die Umwelt. Gut, dass es auch ganz sanft und natürlich geht!

Was brauche ich?

Nach Meinung von Umweltexpertinnen und -experten reichen vier Mittel völlig aus: Allzweckreiniger, Handspülmittel, Scheuermilch und Sanitärreiniger mit Zitronensäure. Spezielle Textilien aus Mikrofaser wirken wie eine feine Bürste und unterstützen die Reinigung. Grundsätzlich gilt: Kräftiges Scheuern kann einiges an Chemie einsparen. Aber auch die Putzlappen sollten häufiger gewechselt oder ausgekocht werden.

Was ist mit Säuren und Laugen?

Die braucht es zur ordentlichen Grundreinigung gar nicht, denn viel Chemie heißt nicht automatisch mehr Hygiene. „Kraftvolle“ und damit vergleichsweise aggressive Reiniger wie stark saure oder alkalische Produkte können die Haut und empfindliche Oberflächen sogar schädigen. Oft tragen sie das Zeichen „ätzend“ oder „reizend“. Auch Desinfektionreiniger können die Atemwege schädigen und Allergien auslösen, das sollte gerade in der Corona-Krise bedacht werden. Für die Umwelt können Desinfektionsmittel schädlich sein, weil sie Wasserorganismen abtöten und die Funktion von Kläranlagen stören können. Auch antibakterielle Reiniger können die Gesundheit gefährden. Solche Mittel greifen die Abwehrkräfte an und ebnen somit erst recht Krankheiten den Weg.

Wie gehe ich Fenster und Fliesen an?

Gegen Schlieren und Streifen helfen etwas Essig, Spiritus, Natron oder Zitronensaft im Putzwasser. Die Scheiben dann mit Zeitungspapier oder einem Tuch trocknen. Ausrangierte Nylonstrümpfe entfernen hartnäckigen Schmutz. Verkalkte Fliesen und Armaturen im Bad lassen sich mit einem Schuss Essigessenz im Wasser im Verhältnis von eins zu zwei oder Zitronensäure – bis zu zwei Teelöffel auf einen Liter Wasser – reinigen. Essig entfernt auch Schimmel in der Dusche.

Warum ist Essigsäure gefährlich?

Das Umweltbundesamt hält selbst Essigsäure für nicht unproblematisch. Das selbe gilt auch für Spiritus, der zum Putzen angewendet wird. Sie können die Innenraumluft mit flüchtigen Dämpfen belasten. Zusätzlich kann Essigsäure Chromteile etwa am Wasserhahn schädigen.

Welche Siegel sind beachtenswert?

Besonders empfehlenswert sind Reinigungsmittel mit dem EU-Umweltzeichen Euroblume oder mit dem Blauen Engel. Produkte mit diesen Siegeln unterliegen im Vergleich zu konventionellen Reinigungsmitteln und -produkten strengen Auflagen bei der Verträglichkeit für Umwelt und Gesundheit, die waschaktiven Substanzen müssen biologisch abbaubar sein. Produkte mit Blauem Engel sollen darüber hinaus nachwachsende Rohstoffe aus nachhaltigem Anbau verwenden und den Verpackungsabfall reduzieren.

Wie anstrengend wird das Ganze?

Verbraucherexpertinnen und -experten rechneten vor einigen Jahren aus, dass ein Mensch mit 70 Kilogramm Körpergewicht bei zwei Stunden Frühjahrsputz immerhin rund 600 Kilokalorien verbraucht – das ist mit dem Energieverbrauch von einer Stunde Ausdauersport vergleichbar. Beim Fensterputzen werden zum Beispiel in einer Stunde im Schnitt 320 Kilokalorien verbrannt. Kommen noch eine halbe Stunde Staubsaugen und 15 Minuten Wischen hinzu, steigt der Energieverbrauch um weitere 200 Kilokalorien. Andrea HENTSCHEL, afp

Zur Sache: Wer hat’s erfunden?

Die Traditiondes Frühjahrsputzes hat sich im Mittelalter entwickelt. Da im Winter die Türen geschlossen blieben, um die Wärme im Wohnraum zu halten, sammelte sich der Ruß der Feuerstelle an. Mit dem Frühjahrsputz wurde eine Grundreinigung erledigt, die im Verlauf des Jahres immer mal wieder nachgebessert wurde. Daher rührt übrigens auch der Name „Februar“, der sich von dem lateinischen Wort „februare“ für „reinigen“ ableitet. Geputzt werden darf aber auch im März noch. mav

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