Hoffen weiter: Kate und Gerry McCann, hier im Jahr 2012. dpa(2)
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Hoffen weiter: Kate und Gerry McCann, hier im Jahr 2012. 

Fall Maddie

Ein langer, schmerzlicher Weg

  • vonKatrin Pribyl
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13 Jahre nach dem Verschwinden von Madeleine McCann scheint der Fall vor der Aufklärung zu stehen. Den Ermittlern fehlen offenbar nur noch wenige Indizien, um den Verdächtigen zu überführen.

Die Hoffnung haben sie nie aufgegeben. Und auch jetzt klammern sich Kate und Gerry McCann noch immer an die Aussicht, dass ihre Tochter Madeleine zurückkehren könnte. Das Mädchen, das vor 13 Jahren während eines Urlaubs an der portugiesischen Algarve aus einer Ferienanlage verschwand – und nie wieder auftauchen sollte. Trotz Medienkampagnen der verzweifelten Eltern. Trotz Ermittlungen in Portugal, Großbritannien, Deutschland. Trotz unzähliger Hinweise.

Doch nun scheint der Fall Maddie eine Wendung zu nehmen. Es handele sich um die bedeutendsten Entwicklungen in all den Jahren, sagte ein Sprecher der Familie gestern. Auch wenn die Nachrichten keineswegs Mut machen. Die Ermittler nämlich gehen davon aus, dass der heute 43-jährige Deutsche Christian B. das englische Mädchen an jenem Abend des 3. Mai 2007 verschleppte und tötete.

Ein undatiertes Kinderfoto von Madeleine McCann. 

Man ermittle wegen Mordverdachts gegen den Beschuldigten, sagte Staatsanwalt Hans Christian Wolters gestern in Braunschweig. Der verurteilte Sexualverbrecher ist offenbar bereits seit drei Jahren im Fokus der Behörden, erst am Mittwochabend aber wandten diese sich über das ZDF-Magazin „Aktenzeichen XY“ mit ungewöhnlich vielen Details an die Öffentlichkeit. Warum jetzt? Es fehle noch ein entscheidender Beweis, auch wenn zahlreiche Indizien den Verdächtigen belasten, hieß es von den deutschen Ermittlern, die in dem Fall mit den britischen Behörden und der Kriminalpolizei in Portugal zusammenarbeiten.

Kommt es mit Hilfe der Bevölkerung zum Durchbruch in einem der aufsehenerregendsten und mysteriösesten Fälle der britischen Kriminalgeschichte? „Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber wie auch immer das Ergebnis ausfallen mag, wir müssen es wissen, damit wir Frieden schließen können“, ließen die Eltern in einem Statement wissen. Freunden zufolge weigere sich das Paar, vom Tod der Tochter auszugehen „bis eine Leiche gefunden“ werde. Und so hat sich auch im Kinderzimmer von Madeleine im Haus der Familie im mittelenglischen Rothley nichts verändert bis auf die vielen ungeöffneten Geburtstagsgeschenke und Weihnachtspräsente, die sich im Raum stapeln und darauf warten, endlich von einem inzwischen 17 Jahre alten Teenager aufgemacht zu werden.

Sie sind das Symbol für den unerschütterlichen Kampf von Kate und Gerry McCann, eines Tages eben doch zu erfahren, was geschehen ist. Obwohl die Staatsanwaltschaft Braunschweig Mordermittlungen gegen den Deutschen eingeleitet hat. Dieser verbüßt derzeit eine längere Haftstrafe, wie das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft mitteilten. Der mehrfach vorbestrafte Sexualstraftäter sei „unter anderem auch wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden“.

In diesem Camping-Bus soll der Verdächtige Christian B. zeitweise gelebt haben.  

Der Polizei zufolge lebte der Mann zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve, unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz und damit jenem Ort, an dem die McCanns ihren Urlaub verbrachten. Ein Jahr vor Madeleines Verschwinden gab der Verdächtige dieses Haus offenbar auf und soll dann zeitweise in einem Campingbus mit portugiesischem Nummernschild gewohnt haben.

Dem britischen Sender Sky News berichtete eine frühere Nachbarin, Christian B. sei „immer ein bisschen wütend“ gewesen und „die Straße schnell hoch und runter gefahren und eines Tages, so um 2006, verschwand er ohne ein Wort“. Sie half demnach beim Aufräumen der verlassenen Unterkunft. „Es war eklig“, sagte die Frau. Überall hätten kaputte Sachen wie Computer herumgelegen. In einem Müllbeutel seien Perücken und seltsame Kleidungsstücke gewesen.

Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass B. seinen Lebensunterhalt mit Einbruchdiebstählen in Hotelanlagen und Ferienwohnungen sowie mit Drogenhandel bestritten habe. Möglicherweise habe der damals 30-Jährige zunächst nur in das Appartement der Familie McCann einbrechen wollen und dann beim Anblick des Mädchens seinen Tatplan spontan geändert, wie der leitende BKA-Ermittler Christian Hoppe sagte. Die Eltern waren an diesem Abend in einer benachbarten Tapas-Bar essen. Ebenfalls bekannt wurde, dass der Beschuldigte einen Jaguar, Model XJR 6, mit deutschem Kennzeichen besaß. Am Tag nach Maddies Verschwinden sei der Wagen auf einen neuen Halter umgemeldet worden, hieß es von der Polizei.

Scotland Yard zufolge hat der Beschuldigte – damals trug der etwa 1,80 große Mann kurzes, blondes Haar – an dem Abend, als das britische Mädchen verschwand, einen Anruf erhalten. Eine halbe Stunde dauerte das Telefonat. Offenbar war er zu diesem Zeitpunkt in der Hotelanlage, doch mit wem der Verdächtige zwischen 19.30 und 20 Uhr, also rund eine Stunde vor Madeleines Verschwinden, sprach, ist nicht bekannt, weshalb die Ermittler nun zwei Telefonnummern veröffentlicht haben.

13 Jahre nach dem rätselhaften Verschwinden hoffen sie, endlich vor der Aufklärung zu stehen.

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