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Lag es am Zug oder am Gleis?

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Die Waggons sind per Kran geborgen worden. Uwe Lein/dpa
Die Waggons sind per Kran geborgen worden. © dpa

Auf diese Fragen konzentriert sich die Suche nach der Ursache des Bahnunglücks mit fünf Toten

Soko Zug – diesen Namen hat sich die Sonderkommission der Polizei unter Leitung der Kripo Weilheim gegeben. Zusammen mit Fachleuten von der staatlichen Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (EBU) soll sie im Auftrag der Münchner Staatsanwaltschaft Hinweise zusammentragen, um die Unfallursache zu ermitteln. Anders als bei den Zugunglücken von Bad Aibling oder Schäftlarn gibt es keine Kollision zweier Züge. Eisenbahn-Expert:innen rätseln, was den Zug aus der Spur gebracht haben könnte. Im Fachforum drehscheibe-online.de etwa wird der Unfall rege diskutiert – es gab schon mehr als 100 000 Zugriffe und mehrere Hundert Beiträge zum Unglück von Burgrain.

Als unwahrscheinlich gilt, dass der Zug zu schnell unterwegs war. In der lang gezogenen Linkskurve ist Tempo 100 erlaubt, nach der Kurve sogar 110. Sollte der Zug wirklich wesentlich zu schnell gewesen sein, ließe sich das über Aufzeichnungen sehr schnell ermitteln. Doch es gibt, auch nach Befragung des leicht verletzten Lokführers, offenbar keinen Hinweis darauf. „Lokführer sind in dieser Hinsicht auch sehr diszipliniert“, sagt Heino Seeger, ehemaliger Chef der Bayerischen Oberlandbahn, den der Unfall fassungslos macht. „Da tue ich mich mit Erklärungen sehr schwer.“

Nicht auszuschließen sind Probleme mit den Drehgestellen eines Waggons. Auf Luftbildern ist zu sehen, dass der sogenannte Steuerwagen an der Spitze des Zuges nach dem Unfall noch auf dem Bahndamm stand. Doch die Waggons zwei und drei flogen aus dem Gleis, rasierten einen Strommast und kippten um, Waggon vier drehte sich im 90-Grad-Winkel. Auf diese Waggons dürfte sich jetzt vieles konzentrieren. Hauptuntersuchung, Zwischenrevisionen – alles muss da auf den Tisch.

Das Hauptaugenmerk wird auf den Drehgestellen liegen, die abmontiert und wie der ganze Zug von der Staatsanwaltschaft München II sichergestellt wurden. Funktionierten die Drehgestelle oder lief ein Achslager heiß? Wie alt sind die Radsätze und waren die Spurkränze, die ein Rad im Gleis halten, in Ordnung? Das sind technische Fragen, denen die Fachleute nachgehen werden.

Erste Spuren sind gesichert

Eine andere Frage ist, ob das Gleis in Ordnung war. Heino Seeger hat Fotos angesehen. Er sagt: „Das Gleis macht von außen betrachtet einen guten Eindruck.“ Die Bauweise sei modern, Betonschwellen, Spannbügel, die die Schiene auf den Schwellen fixieren – das ist „state of the art“. Freilich: Die Bahn muss sich fortlaufend um ihre Gleise kümmern. Und eine Schienenerneuerung kleinerer Art war laut DB Netz für die Nachtstunden des 1. Juli just zwischen Farchant und Garmisch-Partenkirchen angesetzt. Jetzt ist durch den Unfall alles verbogen – die Frage ist, ob es eine Gleisverwerfung oder gar einen Schienenbruch schon vor dem Unfall gegeben hat und ob das jetzt noch feststellbar ist.

68 Einsatzkräfte der Soko Zug machten sich schon an die Spurensuche. Ihre Aufgabe war es auch, in den Waggons zurückgelassene Taschen und Rucksäcke zu sichern und die Besitzer festzustellen. Auch Fahrgäste sollen befragt werden – die Polizei konnte 140 Namen ermitteln, weitere werden gebeten, sich an die Polizei zu wenden.

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