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70 Millionen Euro will die Stadt Dresden ausgeben – die Bürger sollen mitbestimmen können.

Kulturhauptstadt Europas 2025

Ländlicher Charme gegen Weltgewandtheit

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Acht deutsche Städte wollen „Kulturhauptstadt Europas 2025“ werden. Fünf Bewerber kommen aus dem Osten.

Acht Städte bewerben sich um den Titel „Kulturhauptstadt Europas 2025“. Neben den drei westdeutschen Städten Hannover, Hildesheim und Nürnberg sind dabei mit Magdeburg, Zittau, Chemnitz, Dresden und Gera gleich fünf ostdeutsche Bewerber offiziell im Rennen. Die Vertreter der Städte präsentierten sich am Dienstag in Berlin, in der Nacht zuvor war die Bewerbungsfrist abgelaufen. Neben Deutschland ist Slowenien berechtigt, 2025 eine Kulturhauptstadt zu küren.

Seit 1985 vergibt die Europäische Union den Titel Kulturhauptstadt Europas, um das Zugehörigkeitsgefühl zum gemeinsamen Kulturraum sowie eine nachhaltige kulturelle Entwicklungen in den jeweiligen Städten zu fördern. Aktuell tragen die italienische Stadt Matera sowie Plowdiw in Bulgarien den Titel.

Drei Minuten hatten die jeweiligen Vertreter Zeit, ihre Idee einer europäischen Kulturhauptstadt vorzustellen. Für Dresden trat Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller in ihrer Arbeitskleidung als Bäckerin vors Pult. Pegida, verlorenes Welterbe und die letzten Wahlergebnisse – gerade weil die Stadt um ihre eigene Geschichte ringe und das friedliche Zusammenleben so zerbrechlich erscheine, wolle man eine neue Kultur des Miteinanders, erklärte die Rednerin im Namen der sächsischen Landeshauptstadt. 70 Millionen Euro will die Stadt ausgeben – über die Hälfte der Summe sollen Stadtteilparlamente mittels Bürgerbeteiligung über den Ausgabezweck entscheiden.

Kitschig: die Abendsonne hinter dem Magdeburger Dom.

Auch Barbara Ludwig, Oberbürgermeisterin von Chemnitz, machte aus den Negativ-Schlagzeilen der Vergangenheit keinen Hehl. Und gerade wegen der zweifachen Umbenennung von Chemnitz in Karl-Marx-Stadt und zurück sei es eine Stadt des Umbruchs und Aufbruchs. Mit der Bewerbung wolle Chemnitz zu einer selbstbewussten Stadt werden. Mit Zittau gibt es noch einen dritten Bewerber aus Sachsen. Wie auch im Falle des thüringischen Gera steht dort der Wandel nach der Wende in der Bewerbung im Vordergrund – und vor allem das Zusammenwirken von Stadt und Land.

Mit ländlichem Charme – in Form einer mitgebrachten Zuckerrübe – versuchte dann auch der Hildesheimer Vertreter Thomas Harling zu überzeugen: Das Ganze sei eine Bewerbung aus der Provinz – und die Zuckerrübe in der Region eben „weißes Gold“. Die Niedersachsen wollten mit ihrer Bewerbung zeigen, dass es so etwas wie eine progressive Provinz gebe, wo man das Städtische und Ländliche zusammendenke, so Harling.

Die Metropolen-Vertreter aus Niedersachsen setzten dagegen auf Weltläufigkeit: Eine britische Schauspielerin repräsentierte Hannover – und hielt als einzige ihren Vortrag in englischer Sprache. In ihrer flammenden Rede für Europa stellte sie heraus, dass das Überleben der Union gerade in Frage stehe.

Auch Zittau schickt eine Bewerbung ins Rennen.

Am Ende werden die Auftritte in Berlin kaum einen Einfluss auf das Ergebnis haben. Vielmehr werden die Bewerber von einer europäischen Jury anhand der eingereichten Bewerbungsbücher und ihrer Präsentation bei einer Auswahlsitzung im Dezember bewertet. Danach wird eine Shortlist mit den Städten veröffentlicht, die es in die zweite Runde geschafft haben. Im Herbst 2020 soll die Jury dann nach Besuchen bei den Kandidaten eine Stadt zur Ernennung als Kulturhauptstadt vorschlagen. Erfüllt die ausgewählte Stadt bis zum Frühjahr 2025 alle in der Bewerbung angekündigten Verpflichtungen, erhält sie das Preisgeld in Höhe von 1,5 Millionen Euro.

„Es ist ein Wettbewerb, der zur richtigen Zeit kommt, weil kulturelle Fragen an Bedeutung zunehmen“, sagte Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien sowie Vorsitzender der federführenden Kultusministerkonferenz der Länder. Brosda machte auch den Städten Hoffnung, die am Ende des Verfahrens leer ausgehen. Alle würden ganz viel mitnehmen – auch ohne Titel.

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