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Kontroverser Freispruch

Nach Prozess: Waffenrechtsgruppe will Rittenhouse Sturmgewehr schenken – Trump Jr. unterstützt Aktion

  • Daniel Dillmann
    VonDaniel Dillmann
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  • Christian Stör
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Eine Jury spricht Kyle Rittenhouse im Mord-Prozess frei. Donald Trump Jr. unterstützt eine Aktion, bei der dem 18-Jährigen ein Gewehr geschenkt werden soll.

+++14.35 Uhr: Nach dem Freispruch von Kyle Rittenhouse in den USA wirbt Donald Trump Jr. dafür dem 18-Jährigen ein Sturmgewehr zu schenken. Rittenhouse hatte während Ausschreitungen in Kenosha um die Black Lives Matter-Bewegung zwei Menschen erschossen und einen verletzt. In dem viel beachteten Gerichtsurteil plädierte er auf Selbstverteidigung.

Die Waffenrechtsorganisation Gun Owners of America hat im Zuge des Freispruchs vor, Rittenhaus ein AR-15 Sturmgewehr zu schenken. Auf Twitter bietet die Gruppe Nutzern an, dem 18-Jährigen zusätzlich Nachrichten der Unterstützung mitzusenden. Donald Trump Jr. hat seine Zustimmung für die Aktion mit den Worten „Amerikaner haben ein fundamentales Recht, sich zu verteidigen und Waffen zu tragen“ ausgedrückt. Der 43-Jährige sieht in dem Urteil eine Bestätigung von Waffenrechten, während viele demokratische Beobachter den Prozess kritisieren.

Donald Trump Jr. unterstützt eine Aktion, bei der Kyle RIttenhouse ein Sturmgewehr geschenkt werden soll. Der 18-Jährige wurde zuvor in einem Mord-Prozess freigesprochen. (Archivbild)

Rittenhouse: Rechte bejubeln Freispruch und wollen jetzt „Leichen wie Holz stapeln“

+++ 09.28 Uhr: Der Freispruch von Kyle Rittenhouse hat Jubelstürme unter rechtsextremen Gruppierungen ausgelöst. Ein Mitglied der rechtsextremen Proud Boys forderte in einem Telegram-Chat der Gruppe, die Gewalt auf der Straße müsse fortgesetzt werden. „Die Linken hören erst auf, wenn ihre Leichen wie Feuerholz (cord wood) gestapelt werden“, so das ungenannte Mitglied laut dem US-Radiosender National Public Radio (NPR).

+++ Update, 20.11.2021, 06.58 Uhr: Es war einer der meistbeachteten Prozesse des Jahres. Für den angeklagten Kyle Rittenhouse endete er mit einem Freispruch. Dieses Urteil löst bei Fachleuten in den USA nun Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen in Kenosha, Wisonsin, und andernorts aus.

Zahlreiche rechtsextreme Gruppierungen in den USA feierten den Freispruch im Rittenhouse-Prozess als Sieg für ihre Sache. Die nationalistische Website Vdare bezeichnete den Schützen von Kenosha als „den Helden, auf den wir lange gewartet haben“. Auch Vertreter der rechtsnationalen Gruppierung „Proud Boys“ sowie Anhänger:innen des Verschwörungskuts QAnon jubelten nach Verkündung des Urteils in zahllosen Social Media Kanälen. „Unsere Geduld hat ihre Grenzen“, stand laut Recherchen von Buzzfeed USA in einer der Nachrichten über einem Bild von Rittenhouse mit seinem Gewehr in der Hand.

Die Lage in Kenosha ist nach dem Freispruch von Kyle Rittenhouse angespannt.

Freispruch von Kyle Rittenhouse: Rechte Gruppierungen fühlen sich bestärkt

Laut Alex Newhouse ist die Gefahr für rechtsradikale Gewaltakte durch das Urteil im Rittenhouse-Prozess deutlich angestiegen. „Diese Gruppen sind da eindeutig und sagen: Ladet Eure Waffen und seid bereit zum Schießen“, so der stellvertretende Direktor des Zentrums für Terrorismus, Extremismus und Terrorismusbekämpfung am Middlebury Institute of International Studies in Monterey gegenüber Buzzfeed. Schon vor dem Urteil hatten das Justizministerium und das FBI die Gefahr durch rechtsradikale Gruppierungen als höchste Bedrohung innerhalb der USA eingestuft.

In Kenosha bereitete sich die Polizei außerdem auch auf Ausschreitungen linker Demonstranten vor. Das berichtete kurz nach Verkündung des Urteils im Prozess gegen Kyle Rittenhous der Nachrichtensender Fox News.

Kyle Rittenhouse: Schütze von Kenosha in allen Anklagepunkten freigesprochen

+++ 19.30 Uhr: Im viel beachteten Prozess um den gewaltsamen Tod von zwei Menschen bei Anti-Rassismus-Protesten im vergangenen Jahr in der Stadt Kenosha ist der Angeklagte freigesprochen worden. Die zwölf Geschworenen befanden den Schützen Kyle Rittenhouse am Freitag in allen fünf Anklagepunkten für nicht schuldig. Der inzwischen 18-Jährige Rittenhouse hatte die tödlichen Schüsse mit einem Sturmgewehr bei dem Protest im US-Bundesstaat Wisconsin nie bestritten, berief sich aber auf sein Recht zur Selbstverteidigung. 

In Kenosha waren im Sommer 2020 schwere Proteste ausgebrochen, nachdem dem Afroamerikaner Jacob Blake bei einem Polizeieinsatz mehrfach in den Rücken geschossen worden war. Der Fall ereignete sich in einem aufgeheizten politischen Klima, denn nur etwa drei Monate vorher war in Minneapolis der Afroamerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet worden. 

Kyle R. sagt während eines Kreuzverhörs in seinem Prozess im Kenosha County Courthouse in Kenosha, Wisconsin aus.

Republikaner erklärt Rittenhouse zum Helden - und Fauci zum „Massenmörder“

Update vom Freitag, 19.11.2021, 12.18 Uhr: Muss Kyle Rittenhouse ins Gefängnis? Im Prozess gegen den Schützen von Kenosha hat sich die Jury zur Beratung über das Urteil zurückgezogen. Sollte das Gericht den 18-jährigen Angeklagten schuldig sprechen, die Welt stünde für den Republikaner Jackson Lahmeyer „auf dem Kopf“.

Der Pastor kandidiert in den Vorwahlen seiner Partei für einen der Senatssitze des Bundesstaates Oklahoma. In einem Facebook-Post solidarisiert sich Lahmeyer offen mit dem wegen dreifachen Mordes angeklagten Rittenhouse. Er sei ein „amerikanischer Held“, der sich gegen „verurteilte pädophile Straftäter verteidigt“ hätte.

Doch während der heldenhafte Rittenhouse vor Gericht steht, würden die USA lieber „einem Massenmörder huldigen“. Lahmeyer meint dabei niemand anderen als Dr. Anhtony Fauci. „Er gehört ins Gefängnis“, lautet die klare Meinung des Republikaners zu dem hochdekorierten Top-Virologen des Landes, der jeden Präsidenten seit Ronald Reagan beraten hat. In der Welt des Pastors Lahmeyer kämpft Dr. Fauci aber nicht gegen das Corona-Virus, sondern ist Teil einer Kabale, die den Erreger in China als Biowaffe erschaffen habe.

USA: Richter im Rittenhouse-Prozess sorgt erneut für Aufregung

Update vom Donnerstag, 18.11.2021, 9.25 Uhr: Noch immer warten die USA auf das Urteil im Mordprozess gegen Kyle Rittenhouse. Auch am zweiten Tag ihrer Beratungen konnte sich die Jury nicht einigen. Sie überprüfte allerdings mehrere wichtige Videobeweise, die die Erschießungen in Kenosha am 25. August 2020 darstellten. Am heutigen Donnerstag wir die Jury dann ihre Beratungen wieder aufnehmen.

Derweil sorgt der Richter, der dem Prozess gegen Kyle Rittenhouse vorsteht, wieder einmal für erstaunliche Schlagzeilen. Als er seine Entscheidung erklärte, weshalb er es Rittenhouse erlaubt hatte, die Namen der sechs Geschworenen auszuwählen, die nicht der endgültigen Jury von zwölf Personen angehören würden.

Richter Bruce Schroeder holte weit aus, um seine Gründe darzulegen. Das letzte Mal, dass er einem Gerichtsschreiber erlaubt habe, Namen auszuwählen, so Schroeder, sei vor etwa zwei Jahrzehnten in einem Prozess mit einem Schwarzen Angeklagten gewesen. Das habe damals sehr schlecht ausgesehen, sagte Schroeder, und zwar aus folgendem Grund: Der Schreiber habe nämlich „einen Schwarzen, den Schwarzen, den einzigen Schwarzen“, aus einem Jurypool von 13 Personen eliminiert. „Die Leute fühlen sich doch einfach besser, wenn sie selbst die Kontrolle haben, also verfolge ich seit damals die Politik, dass die Angeklagten die Auswahl treffen.“

Rittenhouse-Prozess spaltet USA: Rassistische Beschimpfungen von Trump-Fans

Update vom Mittwoch, 17.11.2021, 10.45 Uhr: Der Prozess gegen Kyle Rittenhouse spaltet weiter die USA. Ein Urteil ist noch nicht gefallen, doch vor dem Gerichtsgebäude in Kenosha standen sich jetzt erneut zwei Fraktionen mehr oder weniger unversöhnlich gegenüber. Ganz eindeutig macht sich vor dem Urteil gegen Rittenhouse ein Gefühl des Unbehagens in der Stadt breit.

„Black Lives Matter“, rief eine der beiden Gruppen. „Selbstverteidigung ist kein Verbrechen“, gab die andere Gruppe zurück. Doch wie der Journalist Sergio Olmos in einem Twitter-Thread zeigte, blieb es nicht immer bei diesen noch eher harmlosen verbalen Scharmützeln. An einer Stelle wäre die Situation um ein Haar eskaliert, als ein Weißer, der aufgrund seiner Mütze als Fan des ehemaligen Präsidenten Donald Trump zu erkennen war, sich beinahe einen Kampf mit einem Schwarzen geliefert hätte. Am Ende blieb es bei einer Schubserei und dem rassistischen Ausruf, er solle sich doch endlich mit seinem „schwarzen Hintern vom Acker machen“.

Die Proteste der beiden Seiten zeigen deutlich, was der Prozess für die Millionen von Menschen bedeutet, die den Fall im US-Bundesstaat Wisconsin und in den ganzen USA verfolgen. Für manche handelt es sich bei Rittenhouse um einen waffenverrückten Teenager, der die Justiz einfach selbst in die Hand genommen und drei Menschen auf einer Anti-Rassismus-Demo einfach niedergeschossen habe – zwei Männer verloren dabei ihr Leben. Andere wiederum sehen in Rittenhouse einen Unschuldigen, der bei der Demo am 25. August 2020 von einem gewalttätigen Mob attackiert worden sei und seine Waffe in Notwehr eingesetzt habe.

Rittenhouse wird wegen fahrlässiger Tötung, vorsätzlicher Tötung und versuchter vorsätzlicher Tötung angeklagt. Er hat sich in allen Punkten auf nicht schuldig bekannt.

Rittenhouse spaltet USA: Jetzt entscheidet die Jury über sein Schicksal

Erstmeldung vom 16.11.2021: Kenosha - Er ist noch ein Teenager. Am 25. August 2020 machte sich der damals 17 Jahre alte Kyle Rittenhouse mit einem halbautomatischen Gewehr auf den Weg nach Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin. Dort schloss er sich bewaffneten Männern an, die nach eigenen Angaben Geschäfte vor Plünderungen schützen wollten.

Denn die Stadt war zu jener Zeit in Aufruhr. Nachdem ein Polizist den Schwarzen Jacob Blake mit mehreren Schüssen in den Rücken schwer verletzt hatte, versammelten sich zahlreiche Menschen, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu protestieren. Nicht immer liefen die Demos, teils unter dem Banner der „Black Lives Matter“-Bewegung, ganz friedlich ab.

Und dann waren auf einmal zwei Menschen tot, der 36-jährige Joseph Rosenbaum und der 26-jährige Anthony Huber, erschossen von Kyle Rittenhouse. Ein dritter Mann, Gaige Grosskreutz (26), wurde schwer verletzt.

Kenosha: Trump stellt sich hinter den Schützen

Der Fall schien klar. Doch so einfach stellte sich die Situation nicht dar. Das Verfahren ist politisch aufgeladen und sorgt landesweit für Aufsehen, da es im Zusammenhang mit den Black-Lives-Matter-Protesten steht. Also machten die Rechten in den USA mobil. Für sie wurde der Teenager zu einem wahren Volkshelden, der von vielen fast schon hymnisch verehrt wurde. Als Beispiel sei hier nur die rechtskonservative Autorin Ann Coulter genannt, die am 27. August 2020 twitterte, dass sie den Schützen von Kenosha gerne als Präsidenten sehen würde.

Und auch der damalige Präsident Donald Trump stellte sich voll und ganz hinter den Teenager: Dieser habe „in großen Schwierigkeiten“ gesteckt, weil Demonstranten ihn „gewaltsam angegriffen“ hätten, sagte Trump damals. „Er wäre vermutlich getötet worden.“ Ohnehin machte Trump für die Ausschreitungen am Rande der Proteste der Bewegung Black Lives Matter immer wieder linke Gruppen wie die Antifa verantwortlich.

Kenosha-Prozess: Urteil steht bevor

Nun steht das Urteil kurz bevor. Am heutigen Dienstag (16.11.2021) nimmt eine Geschworenen-Jury ihre Arbeit auf. Die Anwälte des Teenagers hoffen auf einen Freispruch. Sie argumentieren, der damals 17-Jährige habe in Notwehr gehandelt, die Männer hätten ihn angegriffen. Die Anklage wies dies zurück und sagte, es sei Kyle Rittenhouse gewesen, der die Situation „provoziert“ habe. Er sei „in allen Punkten für schuldig zu befinden“. Der Teenager selbst hatte vor Gericht gesagt, er „habe nichts falsch gemacht“, sondern sich „selbst verteidigt“.

Die Anklage lautet unter anderem auf Mord. Der nicht unumstrittene Richter Bruce Schroeder forderte die Jury auf, sich nicht „von Sympathien, Leidenschaft, Vorurteilen oder politischen Einstellungen“ leiten zu lassen. Auch die Meinung „des Präsidenten der Vereinigten Staaten oder die seines Vorgängers“ dürfe keine Rolle spielen, sagte Schroeder mit Blick auf Joe Biden und dessen Amtsvorgänger Donald Trump.

Kenosha: Angst vor neuen Unruhen

Doch so einfach ist das alles nicht. Denn das Land ist nach der Präsidentschaft von Donald Trump so gespalten wie nie zuvor. Und im Prozess von Kenosha geht es eben auch darum, auf welcher Seite die Menschen in den USA stehen. Für die einen ist Kyle Rittenhouse ein Held, für die anderen ist er einfach nur ein Mörder. Es ist kaum davon auszugehen, dass das Urteil von beiden Seiten gleichermaßen akzeptiert wird. Schon jetzt herrscht große Angst vor neuerlichen Ausschreitungen.

Wisconsins Gouverneur Tony Evers hat jedenfalls schon mal vorsorglich 500 Mitglieder der Nationalgarde des Bundesstaats in Bereitschaft versetzt, sollte es nach einem Urteil zu Unruhen kommen. (cs)

Rubriklistenbild: © John Minchillo/dpa

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