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Nach Polizistenmord in Kusel: Mordanklage gegen 38-Jährigen erhoben - Erschütternde Details zum Tathergang

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Von: Michelle Brey

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Eine junge Polizistin und ihr Kollege wurden bei einer Verkehrskontrolle in Kusel erschossen. Nun wurde gegen den mutmaßlichen Schützen Anklage erhoben.

Kusel / München - Die tödlichen Schüsse auf zwei Polizisten in Kusel in Rheinland-Pfalz sorgten bundesweit für Entsetzen. Nun soll der mutmaßliche Schütze vor Gericht gestellt werden. Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern erhebt Anklage wegen Mordes gegen einen 38-jährigen Mann. Er soll am 31. Januar 2022 eine 24-jährige Polizistin und ihren 29-jährigen Kollegen mit mehreren Gewehrschüssen getötet haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Anhand der Ermittlungsergebnisse zeichnet die Anklagebehörde das Bild einer brutalen Tat.

Bluttat in Kusel: Zwei Polizisten durch Schüsse getötet - „Aus kurzer Entfernung auf den Kopf“

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte zusammen mit einem 33-Jährigen in der Tatnacht zur Jagdwilderei in der Westpfalz unterwegs war. Die beiden Polizisten machte das größere Fahrzeug am Rand einer Kreisstraße stutzig und sie stiegen zur Kontrolle aus. Im Kofferraum des Fahrzeuges hatten Ermittler hinterher zahlreiche tote Tiere gefunden.

Überraschend, so die Justiz, habe der Angeklagte dann einen Schuss aus der Schrotflinte „aus kurzer Entfernung auf den Kopf“ der Polizistin abgegeben. Die Frau stürzte schwer verletzt und bewusstlos auf die Straße. Anschließend soll der 38-Jährige zunächst mit der Schrotflinte, dann mit einem Jagdgewehr auf den Polizisten geschossen haben. Der 29-Jährige schoss zurück, ohne jedoch den Angreifer zu treffen. Er setze noch einen Notruf ab, forderte mit den Worten „Die schießen“ Verstärkung an.

Der Angeklagte habe den Polizisten schließlich mit mehreren Schüssen schwer verletzt und letztlich tödlich am Kopf getroffen. Als der 38-jährige Deutsche gemerkt habe, dass die junge Polizistin noch lebt, habe er mit der Schrotflinte einen weiteren Schuss auf den Kopf der jungen Frau abgegeben, hieß es. Die beiden Männer ergriffen die Flucht. Am nächsten Tag (1. Februar 2022) konnten sie im Saarland festgenommen werden.

Zwei Polizisten in Kusel erschossen: Anklage wegen zweifachen Mordes gegen 38-Jährigen erhoben

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-Jährigen unter anderem zwei Morde vor. Dem 33-Jährigen - der ursprünglich ebenfalls verdächtigt wurde, auf die Polizisten geschossen zu haben - wird unter anderem versuchte Strafvereitelung vorgeworfen. Er habe beim Verwischen der Spuren geholfen. Psychiatrische Gutachten ergaben keine Anhaltspunkte für eine eingeschränkte Schuldfähigkeit.

Polizistenmord in Kusel: 38-Jähriger im Fokus der Ermittlungen - Lebensunterhalt durch Jagdwilderei

Die Vergangenheit des 38-Jährigen war schon früh in den Fokus der Ermittlungen geraten. Er war der Polizei bereits unter anderem wegen Jagdwilderei aufgefallen. Zudem hat der Angeklagte schon einmal auf einen Menschen geschossen.

Die Staatsanwaltschaft stellte am Dienstag (10. Mai 2022) fest: Zum Zeitpunkt der Tat erzielte der 38-Jährige seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen durch Jagdwilderei und dem Verkauf der Beute. Doch seit April 2020 durfte er Waffen weder besitzen noch kaufen oder leihen, hatten die Behörden mitgeteilt. Auch einen Jagdschein habe der Tatverdächtige nur bis Ende März 2020 besessen.

Den Ermittlungen zufolge könnte die Ehefrau dem 38-Jährigen geholfen haben, an die Waffen zu gelangen. Mitte 2021 soll sie die Schrotflinte gekauft, sowie kurz zuvor das Jagdgewehr in einem Waffengeschäft im Saarland erworben haben. Sie soll die Waffen legal besessen haben. Die mutmaßlichen Tatwaffen waren im Saarland sichergestellt worden.

 Die näheren Umstände, wie der 38-Jährige in den Besitz der Tatwaffen kam, sind Gegenstand eines laufenden Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern gegen die Ehefrau wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Staatsanwaltschaft Kaiserslautern

Welle der Solidarität nach Bluttat in Kusel

Bundesweit hatte die grausame Tat eine Welle der Solidarität ausgelöst. Hunderte Beileidsschreiben gingen bei der Polizei in der Pfalz ein. Bundeskanzler Olaf Scholz drückte sein Beileid erst via Twitter aus („Was in Kusel passiert ist, bedrückt mich sehr. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der beiden jungen Opfer. Und ich denke an die vielen Polizist*innen, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um uns Bürger*innen zu schützen. Wir müssen die Hintergründe der Tat schnell aufklären.“) und besuchte Kollegen der beiden Opfer schließlich in Kaiserslautern. Der „schlimme Mord“ bedrücke alle, sagte Scholz danach.

Doch es gab auch hämische Kommentare und sogar Zustimmung zu der Tat im Internet. Die Justiz ermittelt. „Wir erleben im Netz gerade widerwärtige Dinge, dass diese Tat von manchen bejubelt wird“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). „Das ist einfach nur menschenverachtend und schlimm.“

In Bezug auf die Anklage wegen Mordes muss nun das Gericht über einen Prozess entscheiden. Dieser könnte dem Vernehmen nach Ende Juni beginnen. (mbr mit Material der dpa)

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