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Kusel: Fassungslosigkeit über Motiv - Zwei Morde, um Wilderei zu verdecken?

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Von: Sarah Neumeyer

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In Kusel in Rheinland-Pfalz werden zwei Polizisten erschossen. Das Motiv erschüttert auch Polizei und Staatsanwaltschaft.

Kusel - „Diese Morde machen uns fassungslos.“ Polizeipräsident Michael Denne ist auf der Pressekonferenz zu dem schrecklichen Vorfall im Kreis Kusel in Rheinland-Pfalz am Dienstag (01.02.2022) sichtlich bewegt. Für das Polizeipräsidium habe mit der Tat eine neue Zeitrechnung begonnen, sagt Denne. Eine Polizistin und ein Polizist wurden am Montag (31.01.2022) bei einer Polizeikontrolle durch Schüsse in den Kopf getötet. Das mutmaßliche Motiv: Die Verdächtigen wollten Wilderei verdeckten.

Zwei Morde, um Wilderei zu verdecken. „Das reicht doch eigentlich nicht aus, um einfach zwei Polizisten jetzt totzuschießen?“, sagt ein Journalist bei der Pressekonferenz ungläubig. Es seien zwar Faktoren genannt worden, wie brüchige soziale Verhältnisse und eine schwierige wirtschaftliche Lage, doch das gehe ihm nicht in den Kopf.

Mutmaßliches Motiv macht auch Ermittelnde fassungslos: Tat ist „nicht erklärbar“

„Gibt es Erkenntnisse über weitere Faktoren, die vielleicht dazu geführt haben, zu dieser monströsen Tat?“, will er wissen und fragt, ob die Tatverdächtigen – der 38-jährige Andreas S. und sein 32-jähriger Bekannter – unter Drogen- oder Alkoholeinfluss standen oder es andere externe Faktoren gab.

Doch die Tat lässt auch die Ermittlerinnen und Ermittler im Fall ratlos zurück. Die Tatverdächtigen würden psychiatrisch begutachtet, erklärt Oberstaatsanwalt Stefan Orthen. Erfahrungsgemäß würden sich daraus Ergebnisse ergeben. „Im Moment kann ich ihnen noch nichts dazu sagen, außer dass man fassungslos davor steht, ist das nicht erklärbar.“

„Es ist ja so: Es gibt ja wohl kaum ein vernünftiges Motiv für einen Mord. Jeder Mord ist unvernünftig“, sagt der leitende Staatsanwalt Uwe Gehring und fügt um Worte ringend hinzu: „Aber es fällt schon auf, dass die Kapitaldelikte in letzter Zeit, dass es da ein Defizit an Erklärung gibt.“

Eine Polizistin und ein Polizist wurden in Kusel in Rheinland-Pfalz bei einer Verkehrskontrolle erschossen.
Eine Polizistin und ein Polizist wurden in Kusel in Rheinland-Pfalz bei einer Verkehrskontrolle erschossen. © Harald Tittel/dpa

Bluttat in Kusel: Polizist wurde von vier Schüssen getroffen

Zum genauen Ablauf der Tat gibt es derzeit noch keine abschließenden Ergebnisse. Derzeit gehen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass beide Tatverdächtigen geschossen haben. Es seien mindestens zwei verschiedene Schusswaffen zum Einsatz gekommen. Die 24-jährige Polizistin wurde dabei mit einem Schuss in den Kopf getötet. Der 29-jährige Oberkommissar wurde laut Erklärung der Ermittlerinnen und Ermittler von vier Schüssen getroffen. Der Polizist selbst habe 14 Schüsse abgegeben.

Der 38-jährige Haupttatverdächtige war bereits wegen Wilderei und Unfallflucht bekannt, heißt es vonseiten der Ermittelnden. Sein 32-jähriger Bekannter sei wegen Betrugsdelikten bekannt. Vorstrafen gebe es jedoch nicht. Seit Dienstag sitzen die Tatverdächtigen wegen Verdachts auf gemeinschaftlichen Mord und Wilderei in Untersuchungshaft.

Die Tat hat die Polizei tief getroffen und auch Fragen zur Sicherheit aufgeworfen, sagt Polizeiseelsorger Hubertus Kesselheim. „Es ist das erste Mal seit langem, dass in Rheinland-Pfalz Polizeibeamte im ganz normalen Streifendienst auf eine solche Art zu Tode kommen“, sagte Kesselheim am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Einige Polizeieinheiten hätten nach der Tat in ihren Gruppen besprochen, wie man sich im Einsatz besser schützen könne. „Das ist eine Konsequenz, die zeigt, wie tief die Erschütterung ist.“ (sne)

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