Wissenschaft

Kunstfälschungen mit C14-Methode entlarven

Wissenschaftler stellen ein Verfahren vor, das mit früheren Atomtests zu tun hat.

Fälschungen von Gemälden lassen sich durch die sogenannte Radiocarbon-Methode – auch C14-Datierung genannt – entlarven. Das demonstrieren Forscher aus der Schweiz, Deutschland und den USA anhand eines vermeintlich von 1866 stammenden Bildes, das tatsächlich aber über 100 Jahre jünger ist. Möglich wird die Prüfung durch technische Neuerungen, wie das Team um Laura Hendriks von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („PNAS“) erläutert.

„Kunstfälschungen gibt es seit der Antike“, schreiben die Forscher. „Aber mit der zuletzt rapide zunehmenden Kommerzialisierung von Kunst erfordert die Authentifizierung immer ausgeklügeltere Nachweisverfahren.“ Bislang sei das klarste Kriterium der Nachweis eines Anachronismus von Material – etwa wenn eine bestimmte Farbe oder ein anderes Material jünger ist als das angebliche Alter des Bildes.

Aufsehen erregte in der Vergangenheit etwa der niederländische Kunstfälscher Han van Meegeren, der Bilder insbesondere von Jan Vermeer (1632-1675) nachahmte. Vor allem in Deutschland wurde Wolfgang Beltracchi (geboren 1951) berühmt, der jahrelang Bilder im Stil bekannter Maler verschiedener Richtungen malte und damit auch Experten überzeugte. Beltracchi wurde überführt, weil er für einen Farbton verwendet hatte, den es zur angeblichen Entstehungszeit des Gemäldes noch nicht gab.

Hendriks und Kollegen stellen nun ein anderes Verfahren vor: die in den 1940er Jahren entwickelte Radiocarbon-Datierung. Die Methode bestimmt das Alter Kohlenstoff-haltiger Materialien durch den Gehalt an C14-Atomen. C14 ist ein besonders schweres Isotop (Sorte) von Kohlenstoff, das mit der Zeit zerfällt. Für die Technik habe man früher einige Gramm Kohlenstoff gebraucht, inzwischen genügten schon 10 Mikrogramm – also millionstel Gramm, schreiben die Forscher. Damit reichten winzige Farbproben von Gemälden aus.

Das Team demonstrierte die Technik an einem Bild des US-Fälschers Robert Lawrence Trotter (geboren 1954). Der hatte das Ölgemälde im Stil der Folk Art des 19. Jahrhunderts gemalt und mit dem Namen Sarah Honn und dem Datum 5. Mai 1866 signiert. Die Forscher nahmen zwei Proben – eine von der Leinwand und eine von einer hellen Farbschicht. Die Datierung der Leinwand ergab einen Zeitraum zwischen dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts und der Mitte des 20. Jahrhunderts – war also in diesem Fall keine Hilfe.

Anders die Analyse der Farbprobe: Zwar waren die verwendeten Farben anorganisch, als Kohlenstoff-haltiges Bindemittel wurde jedoch unter anderem Öl verwendet. Insgesamt wog die Farbprobe 160 Mikrogramm, davon analysierten die Forscher 19 Mikrogramm Kohlenstoff per Beschleuniger-Massenspektrometrie (AMS). Die Werte glichen sie mit den C14-Gehalten in der Atmosphäre ab. Die Resultate sind eindeutig: Die für das Öl verwendeten Samen wurden entweder zwischen 1958 und 1961 geerntet oder zwischen 1983 und 1989. Die Erklärung: Die Atomtests von 1954 bis 1963 ließen den Gehalt von C14 in der Atmosphäre deutlich ansteigen. Danach sank der Anteil wieder, obwohl es einige weitere Atomtests gab. In den beiden genannten Zeiträumen deckt sich der gemessene C14-Wert mit dem Atmosphärengehalt mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent.

„Der klare Widerspruch zwischen Leinwand und Bindemittel bezüglich des C14-Alters enthüllt den Modus Operandi von Trotter“, erläutern die Forscher. Um seinen Kunden ein hohes Alter vorzugaukeln, habe er alte Leinwände gekauft und übermalt. Vor Gericht gestand der Fälscher, das Bild 1985 gemalt zu haben – und damit in einem der per C14 eingegrenzten Zeiträume. Die Methode habe das Potenzial, in ungeklärten Fällen den entscheidenden Hinweis auf die Urheberschaft eines Bildes zu geben, betonen die Autoren. (dpa)

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