Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

WAS SOLL DAS?

Kunst ja. Werk nein.

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
    schließen

Perfekt getötet: Ein Spanischer Torero will das Copyright auf seinen Kampf.

Publikum und Kritik waren begeistert, wie fach- und kunstgerecht Miguel Ángel Perera am 22. Juni 2014 in Badajoz den sieben Jahre alten und 539 Kilo schweren Stier Curioso erlegte. Als Trophäen durfte sich der Matador die beiden Ohren des schönen Tiers abschneiden. Wenn es nach dem jubelnden Publikum gegangen wäre, hätte er auch noch den Schwanz mitnehmen dürfen.

Der erfahrene Torero fand, es sei der richtige Moment für eine weitere Würdigung seiner Arbeit gekommen: Er wollte sich die Faena jenes Nachmittags – die Summe seiner Schritte und Bewegungen – als geistiges Eigentum eintragen lassen. Doch daraus wurde nichts. Spaniens Oberster Gerichtshof hat dieser Tage in letzter Instanz beschlossen, dass die Tauromaquia zwar eine Kunst sei, deren konkrete Ausführung aber kein vor unrechtmäßigen Nachahmungen zu schützendes Kunstwerk.

Was im Deutschen „Stierkampf“ genannt wird, ist kein Kampf, sondern eine rituelle Tötung. Der Oberste Gerichtshof definiert dieses Ritual so: „Der Torero stellt sich einem Kampfstier entgegen, den er versucht zu beherrschen und schließlich zu töten, allerdings mit der Absicht, dies auf kunstvolle Weise zu tun.“ Also nicht per Bolzenschuss, wie im Schlachthof, sondern mit einem hoffentlich gut gesetzten Degenstoß.

Zum Beleg, dass die Tauromaquia als Kunst gelte, führt das Gericht nicht nur die betreffenden spanischen Gesetze an, sondern auch „eine ausgiebige Literatur“, welche „den Torero ohne Umschweife als Schöpfer von Schönheit zum Künstler erklärt“. Die Schönheit zeige sich „in der Körpersprache, der Ästhetik, der Schaffung von Figuren, über die der Torero seine Emotionen aufs Publikum überträgt“. Als Zeug:innen benennt das Gericht andere Kunstschaffende wie Federico García Lorca oder Pablo Picasso.

Aber nicht jede:r Künstler:in schafft Werke, für die er oder sie den Schutz seines geistigen Eigentums beanspruchen darf. „Der Torero schafft und führt sein Werk zugleich aus“, erklärt Spaniens Oberster Gerichtshof. „Da er sich dem Stier nur einmal entgegenstellen kann, ist eine Kopie unmöglich. Niemand kann dieselbe Faena noch einmal ausführen.“

Insofern gleicht ein Nachmittag in der Arena eher einem Fußballspiel als einem Ballettabend. Beide sind ephemere Spektakel. Doch das eine folgt einem im Detail entwickelten Plan, das andere nicht. Eine „präzise und objektive Identifikation“ des künstlerischen Beitrags des Toreros sei unmöglich, findet das Gericht. Der Matador Perera sieht das immer noch anders. Aber immerhin darf er sich weiter als Künstler fühlen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare