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Nil-Krokodile  fressen gerne Enten und andere Wasservögel.
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Nil-Krokodile fressen gerne Enten und andere Wasservögel.

Jagdfieber

Das Krokodil von Kreta

  • VonGerd Höhler
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In einem Stausee nahe der Stadt Rethymnon lebt eine Echse, die auch für Profi-Jäger nicht zu fassen ist. Auf Facebook hat das Tier seine eigene Fan-Gemeinde.

Fast hätte Olivier Behra das Krokodil erwischt. Er hielt die Echse schon mit beiden Händen gepackt. Aber das Tier entwischte ihm – zum Glück ohne zuzubeißen. Seit Anfang Juli im Stausee Limni Potamon bei der kretischen Stadt Rethymnon ein Krokodil gesichtet wurde, ist die griechische Insel in Aufregung.

Die Existenz des Tieres steht inzwischen zweifelsfrei fest. Es gibt Videobilder und Fotos von „Sifis“. So haben die Kreter ihr Krokodil inzwischen genannt, eine Koseform des auf der Insel häufigen Vornamens Josef. Vermutlich handelt es sich um ein „Haustier“, das von seinem Besitzer ausgesetzt wurde, als es ihm zu groß wurde. Aber alle Versuche, die Panzerechse einzufangen, sind bisher gescheitert. Jetzt musste sogar der Franzose Olivier Behra, ein berühmter Krokodilfänger, unverrichteter Dinge wieder aus Kreta abreisen.

Anfangs hatten örtliche Experten rund um den Stausee Käfigfallen aufgestellt, in die sie das Tier zu locken versuchten. Aber wo ist Sifis? Der See, für den inzwischen ein Badeverbot erlassen wurde, hat eine Küstenlänge von zwölf Kilometern und ist bis zu 50 Meter tief. Außerdem scheint Sifis die in den Fallen für ihn ausgelegten Köder, tote Hühner, zu verschmähen. Er schnappt sich lieber Enten oder andere Wasservögel, die es an dem Stausee in großer Zahl gibt. Das ist doch viel spannender, als einen Kadaver zu fressen.

Das Krokodil mache jedenfalls keinen ausgehungerten Eindruck, im Gegenteil, es wirke gut genährt, stellten Experten durchs Fernglas fest. Während die Fallensteller vergeblich auf Sifis warteten, machten Gerüchte die Runde, es sei ein zweites, kleineres Krokodil im Stausee gesichtet worden. Damit wuchs der Druck auf die Behörden. Wenn das Tier nicht in die Falle gehe, werde man den Krokodilfänger Olivier Behra anfordern, kündigte Anfang August Vangelis Mamangakis an, der für den Stausee verantwortliche Verwaltungsbeamte. Für Behra werde es „ein Leichtes sein, Sifis zu fangen“, glaubte Mamangakis.

Behra, der auf Madagaskar lebt, kam nach Kreta. Er und seine Assistentin Martine Velitch entschieden, es sei am erfolgversprechendsten, dem Tier bei Dunkelheit aufzulauern, sich mit einem Boot anzunähern und es mit einer Schlinge zu fangen. Die Operation begann am Abend des 26. August. Mit einem kleinen Schlauchboot stachen Behra und seine Helfer kurz nach 20 Uhr in See. Am Ufer wartete unterdessen ein größeres Boot mit erfahrenen Rettungsschwimmern – für alle Fälle. Aber Sifis ließ sich nicht blicken.

Am nächsten Abend: der zweite Versuch. Doch diesmal störte ein Anwohner das Vorhaben. Er fuhr am Ufer mit einem Geländewagen vor, blendete die Scheinwerfer auf und ließ sein Autoradio aufdröhnen – offenbar um Sifis vor den Häschern zu warnen. Dennoch gelang es Behra mit seinem Boot, das Krokodil aufzuspüren. Für einen kurzen Moment bekam er die Echse sogar mit den Händen zu fassen. Dann entwischte ihm das Tier.

Am dritten Abend änderte Behra die Taktik. Nun wollte er das Krokodil mit einer starken Taschenlampe blenden und ihm eine Schlinge um den Hals werfen. Sifis sah die Taschenlampe – und tauchte einfach unter. Tags darauf reist Behra ab. Er hat einen Auftrag in Mexiko. Damit sind die Kreter wieder auf sich selbst gestellt.

Immerhin weiß man nun: Es handelt sich bei Sifis um ein ägyptisches Nil-Krokodil der Spezies Crocodylos niloticus im Alter von vermutlich vier oder fünf Jahren. Ob Sifis ein Josef oder eine Josefina ist, weiß man noch nicht. Was mit dem Krokodil passieren soll, sofern es gefangen wird, ist ebenfalls unklar.

Inzwischen hat es sogar seine eigene Seite bei Facebook: „Sifis und seine Freunde“. Viele Kreter haben die Echse offenbar in ihr Herz geschlossen. „Sogar den Franzosen Behra hast Du überlistet, Du bist ihm wie ein Aal entglitten!“ freut sich ein Fan von Sifis. Manche Facebook-Nutzer und Sifis-Fans widmen dem Krokodil sogar selbst verfasste Gedichte. Und immer mehr Stimmen fordern: Lasst Sifis doch einfach in Ruhe!

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