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Peljesac-Brücke in Kroatien – Ein Umweg als Abkürzung

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Von: Thomas Roser

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55 Meter ist die Peljesac-Brücke hoch, damit große Schiffe den bosnischen Hafen Neum erreichen können.
55 Meter ist die Peljesac-Brücke hoch, damit große Schiffe den bosnischen Hafen Neum erreichen können. © Imago

Die Namensschilder an Kroatiens größter Meeresbrücke sind bereits montiert. Nur an den Zufahrtsstraßen zur neuen Peljesac-Brücke werden noch letzte Arbeiten verrichtet.

Peljesac - Die für den 26. Juli geplante Eröffnung des 2404 Meter langen Brückenschlags vom kroatischen Festland auf die Peljesac-Halbinsel ist nicht nur für Reisende auf dem Weg nach Dubrovnik eine touristische Zeitenwende: Die Bewohnerinnen und Bewohner Süddalmatiens können sich zeitraubende Grenzkontrollen bei der Fahrt durch Bosniens neun Kilometer breiten Meereszugang bei Neum künftig ersparen.

Ein Adria-Umweg als Abkürzung: Die Umfahrung des Neum-Korridors plus gut 30 neue Autobahnkilometer werden nicht nur die Reisezeiten ordentlich verkürzen und Süddalmatien besser mit dem Rest des Landes verbinden. Von dem Brückenschlag verspricht sich der Adria-Staat auch eine wirtschaftliche Neubelebung der Region Dubrovnik sowie der von Abwanderung geplagten süddalmatinischen Inseln Korcula, Lastovo und Mljet.

Eine leichte Geburt war die Überbrückung der Bucht von Mali Ston keineswegs. Wegen finanzieller Probleme, aber auch wegen Widerständen in Bosnien und Herzegowina, das um seinen freien Meereszugang fürchtete, wurden die 2007 begonnenen Bauarbeiten an dem ersten Brückenprojekt erst verzögert – und 2010 gestoppt. Kroatiens EU-Beitritt 2013 brachte neue Bewegung in die Brückenpläne.

Peljesac-Brücke in Kroatien: Von Europa bezahlt, aber von China gebaut

Der Neum-Korridor mit dem zweimaligen Passieren einer EU-Außengrenze erwies sich als einer der größten Hindernisse für Kroatiens geplanten Zutritt zur Schengenzone. Über alternative Optionen wie der Bau eines Meerestunnels, neue Fährdienste oder Überlegungen, einen exterritorialen EU-Korridor durch Bosnien anzulegen, wurden diskutiert, sie wurden aber alle verworfen.

Stattdessen ließ Zagreb in Absprache mit den bosnischen Nachbarn vom slowenischen Ingenieur Marjan Pipenbaher ein Brückenkonzept entwerfen, dessen Verwirklichung vor allem Brüssel zu verdanken ist. 2018 sagte die EU zu, 85 Prozent der auf 418 Millionen Euro veranschlagten Kosten zu übernehmen. Neben der U-Bahn von Porto zählt die Peljesac-Brücke damit zu den kostspieligsten Infrastrukturprojekten, die die EU je finanziert hat.

Die Brücke wurde zwar weitgehend von Europa bezahlt, aber von China gebaut. Wegen des günstigsten Angebots und der kürzesten Baudauer erhielt bei der Ausschreibung der chinesische Staatskonzern CRBC den Zuschlag zum Bau der Spannbetonbrücke. Mit dem wegen nötiger Tunnel und Viadukte aufwendigen Bau der Zufahrtsstraßen wurde die österreichische Strabag sowie der griechische Avax-Konzern beauftragt.

Die Brückenbauer hatten zahlreiche Tücken zu beachten. Einerseits durfte die Brücke nur über kroatisches Gewässer führen und musste auf Drängen Sarajevos hoch genug sein, damit größere Schiffe das bosnische Neum ansteuern können. Andererseits wurde die Brücke in einem Erdbebengebiet mit regelmäßigen Stürmen errichtet. Zudem durfte deren Bau keineswegs die auf klares Wasser angewiesene Austernzucht in der Bucht von Mali Ston gefährden.

Bosnien: Alternativen zum Transittourismus

Hohe Windschutzwände an den Fahrbahnen sollen die Passage auch an stürmischen Tagen ermöglichen. Die ersten unfreiwilligen Erdbebentests mit kleineren Beben in Bosnien hat die Brücke bereits unbeschadet überstanden. Jüngst hat auch das erste Kreuzfahrtschiff auf dem Weg nach Neum die 55 Meter hohe Brücke problemlos unterfahren. Dennoch werden bei den Nachbarn in Bosnien auch Sorgen laut. Der Wegfall des Transittourismus dürfte der Gastronomie in Neum Einnahmeverluste bescheren.

Doch die lange Vorlaufzeit hat es Sarajevo ermöglicht, negative Folgen des Brückenbaus abzufedern. Mittels günstiger Kredite der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Weltbank wurde in den vergangenen Jahren eine Fernstraße von Stolac nach Neum gebaut – und so die Anbindung ans bosnische Hinterland und nach Mostar verbessert.

Bereits in den vergangenen Corona-Sommern erlebte der verschlafene Küstenort wegen des vermehrten Andrangs heimischer, aber auch serbischer Reisender einen ungekannten Boom. Kroat:innen wiederum steuern das schmucklose Neum schon seit Jahren wegen der geringeren Kosten vermehrt für die Ausrichtung von Familienfesten an. Allein der blühende „Hochzeitstourismus“ dürfte einen Teil der Einnahmeausfälle des Transittourismus kompensieren.

Peljesac-Brücke
Offizieller NamePelješki most
Gesamtlänge2404 Meter
Höhe55 Meter
Breite22,5 Meter
Eröffnung26. Juli 2022
PlanerMarjan Pipenbaher

2029 soll die neue Brücke Teil der geplanten Autobahn nach Dubrovnik werden

Die bessere Anbindung ans Hinterland macht Bosniens Küstenstrich derweil auch für die Kreuzfahrtriesen interessant. Von Neum lassen sich dank der neuen Straße Tagesausflüge nach Mostar, zu den Wasserfällen von Kravica oder in den Wallfahrtsort Medjugorje organisieren.

Obwohl die Peljesac-Brücke rechtzeitig fertiggestellt wurde, hatte die Pandemie bei den Zufahrtsstraßen für Bauverzögerungen gesorgt – und die eigentlich noch vor Beginn der Sommersaison geplante Eröffnung verhindert. Auch die Folgen des Ukraine-Kriegs sind an den Arbeiten nicht spurlos vorübergegangenen. Wegen gestiegener Preise für Strom und Baumaterialien wird sich die ursprüngliche Kostenkalkulation kaum halten lassen.

Wie die bald über die Brücke donnernden Reisenden müssen sich auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Ston mit der Fertigstellung der neuen, acht Kilometer langen Umgehungstrasse gedulden. Bis zum Jahresende wird sich der Transitverkehr durch die mittelalterliche Kleinstadt quälen. 2029 soll die neue Brücke Teil der geplanten Autobahn nach Dubrovnik werden. „Wir verbinden unser Territorium“, freut sich Verkehrsminister Oleg Butkovic. (Thomas Roser)

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