Fall Wedel

Kritik an langen Ermittlungen

Im Verfahren gegen den Regisseur Dieter Wedel macht der Anwalt eines mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers Druck auf die Staatsanwaltschaft.

Der Rechtsanwalt Alexander Stevens hat die Münchner Staatsanwaltschaft für ihre langwierigen Ermittlungen gegen den Regisseur Dieter Wedel („Der große Bellheim“) kritisiert. „In jedem komplizierten Wirtschaftsverfahren geht es schneller“, sagte er. „Das hat mit einem fairen Verfahren nichts mehr zu tun.“

Stevens vertritt das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer, die Schauspielerin Jany Tempel – sie hatte Anfang 2018 in der „Zeit“ gesagt, Wedel habe sie 1996 in einem Münchner Luxushotel zum Sex gezwungen. Daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft München I Ermittlungen auf, die nun zweieinhalb Jahre laufen. „Aus meiner Sicht lässt sich überhaupt nicht erklären, was da so lange dauert“, so Stevens. Wedel hatte seinen Rücktritt als Intendant der Bad Hersfelder erklärt, nachdem die Vorwürfe bekannt geworden waren. Der 77-Jährige weist den Vorwurf der Vergewaltigung zurück.

Die Staatsanwaltschaft München I hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass „nicht vor Spätherbst“ mit einer Entscheidung darüber zu rechnen sei, ob sie Wedel anklagt oder nicht. „Wie viel Zeit Ermittlungen in Anspruch nehmen, hängt natürlich vom Einzelfall ab“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Aufwändige Rekonstruktion

Die Staatsanwaltschaft sei „verpflichtet, alle Umstände sorgfältig zu ermitteln“. Je länger eine mutmaßliche Tat zurückliege, „um so aufwendiger kann sich die Rekonstruktion der damaligen Abläufe darstellen“. Gerade wenn Aussage gegen Aussage stehe, „müssen die Angaben natürlich besonders sorgfältig geprüft werden“.

Im konkreten Fall hätten „Ermittlungen im Rechtshilfeweg Zeit in Anspruch genommen“, sagte der Sprecher. Schon zuvor hatte die Behörde wiederholt betont, dass Zeugenvernehmungen im Ausland die Ermittlungen verzögerten. Nach Angaben von Anwalt Stevens sei ein Zeuge aus den USA aber schon vor langer Zeit befragt worden. „Das kann kein Grund sein.“ Er rechne jetzt damit, dass die Ermittlungen bis Ende September abgeschlossen werden. „Wir haben sonst irgendwann auch den Punkt für eine offizielle Beschwerde erreicht.“ dpa

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