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Weil anliegende Flüsse zu warm sind, mussten in Deutschland mehrere Kraftwerke ihre Leistung zurückfahren.

Hitze

Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen machen schlapp

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Kraftwerke in Deutschland müssen ihre Leistung drosseln.

Wetter ist unberechenbar. Aus diesem Grund halten Kritiker die erneuerbaren Energien für problematisch, weil Wind und Sonne nicht regelmäßig abrufbar sind. Doch auch das vermeintliche Bollwerk der Versorgungssicherheit – Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen – ist anfälliger als oft behauptet. So mussten in dieser Woche mehrere Steinkohle- und Atomkraftwerke in Deutschland ihre Leistung zurückfahren, weil die anliegenden Flüsse zu warm sind. Gleich mehrere Betreiber, darunter Steag und Uniper, meldeten das Herunterfahren von Kraftwerken. Wegen niedriger Pegelstände am Rhein können laut RWE die Kohlefrachter derzeit nicht voll beladen werden. Seit dieser Woche müssen nun auch Atomkraftwerke ihre Leistung herunterfahren, darunter das Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg.

Ein Versorgungsengpass sei aber unwahrscheinlich, sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Insgesamt liege man noch im „grünen Bereich“. Dank des deutschen Strommixes aus Gas und einem wachsenden Anteil von erneuerbaren Energien könnten diese Ausfälle abgefedert werden.

Grund für die Ausfälle ist das fehlende Kühlwasser: Die Flüsse, aus denen die Kraftwerke ihr Kühlwasser pumpen, sind einfach zu warm. Durch den Kühlprozess im Kraftwerk heizt sich das genutzte Wasser weiter auf und wird entsprechend wärmer wieder in den Fluss eingeleitet. Das wiederum schadet dem Ökosystem, wenn die Flüsse und das Leben darin durch die Hitzewelle ohnehin schon überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen verkraften müssen.

Deshalb schreiten Wasserschutzbehörden ein, wenn kritische Temperaturen erreicht sind. „Durch die hohen Temperaturen verringert sich der Sauerstoffgehalt“, sagte ein Sprecher des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. „Bei weniger als drei bis vier Milligramm pro Liter Wasser beginnen Gewässer zu kippen.“ Dann seien beispielsweise Fische gefährdet.

In der vergangenen Woche schränkte die Behörde bereits den Betrieb des Uniper-Kraftwerks in Wilhelmshaven ein, da die Temperatur des Kühlwassers 30 Grad nicht überschreiten darf. Dieser Grenzwert variiert aber je nach Kraftwerk, so der Behördensprecher. In Wilhelmshaven sei er besonders hoch, da sich im Jadebusen, an dem das Kraftwerk liegt, das zufließende Wasser mit kühlerem Meerwasser mischt.

Für andere Kraftwerke wie das Steinkohlekraftwerk in Karlsruhe liegen die kritischen Temperaturen unter 30 Grad, doch auch hier schritt die Wasserschutzbehörde bereits ein. Das Großkraftwerk Mannheim beantragte eine Ausnahmegenehmigung bei den Behörden, um weiterlaufen zu können. Unter bestimmten Umständen sei das möglich, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums Baden-Württemberg.

Weniger akute Probleme haben ausgerechnet die klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke, die ihr Kühlwasser aus den Tagebauen holen. „Das Grubenwasser ist von Natur aus kühl, weil es aus dem Untergrund entnommen wird“, sagte Leag-Sprecherin Kathi Gerstner. Die Leag betreibt in der Lausitz vier der größten Braunkohlekraftwerke Deutschlands. Auch bei einer lang anhaltenden Hitzewelle könnten die Kraftwerke stabil laufen.

Ein Kühlwasserproblem haben ebenso Atomkraftwerke. Auch sie entnehmen Wasser aus Flüssen, um die Reaktoren zu kühlen. So musste das Schweizer AKW Mühleberg bei Bern am Freitag seine Leistung um zehn Prozent zurückfahren. Grund sind Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad in der Aare, aus der das Kraftwerk sein Kühlwasser bezieht. Seit dieser Woche sind auch deutsche Reaktoren betroffen, die Leistungen werden derzeit aber maximal um zehn Prozent zurückgefahren.

Der Wassermangel macht auch dem Atomkraftland Frankreich regelmäßig zu schaffen. Bei Hitzewellen ist das Nachbarland auf Stromimporte etwa aus Deutschland angewiesen, da es nur über einen geringen Anteil an Gaskraftwerken oder erneuerbaren Energien verfügt, um die Ausfälle auszugleichen. Nach derzeitigem Stand musste der Betreiber EDF die Leistung von drei Atomreaktoren temporär herunterfahren.

„Die Abschaltungen zeigen, dass die oft gepriesene Versorgungssicherheit konventioneller Kraftwerke gerade in Zeiten großer Hitzewellen nicht gegeben ist“, kritisierte die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin. „Auch diese Kraftwerke sind anfällig für Wetterschwankungen, obwohl das ja immer nur den erneuerbaren Energien zugeschoben wird.“ Um mögliche Versorgungsengpässe wegen Hitzewellen künftig zu vermeiden, sollten die Wind- und Solarenergie sowie Speichersysteme ausgebaut werden.

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