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Ein Containerschiff passiert das bei St. Goarshausen gekenterte Schwefelsäure-Tankschiff "Waldhof".

Tanker-Unglück an der Loreley

Kräne für Schiffsbergung erreichen Unglücksort

Die Schifffahrt bei St. Goarshausen ist teilweise wieder freigegeben. Ausgewählte Schiffe werden stromaufwärts an der Unfallstelle vorbei geleitet. Die zwei Kräne des niederländischen Bergungsunternehmens Mammoet sind am Unglücksort angekommen. Der Schwimmkran und die Kranpontons werden noch erwartet.

Früher als erwartet sind die ersten beiden Kräne für die Bergung des im Rhein gekenterten Säuretankers bei St. Goarshausen eingetroffen. Wie ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen sagte, war mit der Ankunft des Schwimmkrans „Grizzly“ und des Kranpontons „Atlas“ erst am Freitag gerechnet worden. Derweil hätten nach der ersten Testfahrt am Mittwoch fünf weitere Binnenschiffe die Unglücksstelle passiert. „Es ist alles problemlos gelaufen“, sagte der Sprecher. Ein weiterer Schwimmkran des niederländischen Bergungsunternehmens Mammoet wird in den kommenden Tagen erwartet. Die gesamte Bergung soll Wochen dauern.

Innenminister Bruch warnt Schaulustige

Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) hat vor den am Wochenende auf dem Rhein beginnenden Bergungsarbeiten am gekenterten Säuretanker „Waldhof“ eindringlich vor den Gefahren für Schaulustige gewarnt. Er rief die Menschen an der Unglücksstelle nahe St. Goarshausen (Rhein-Lahn-Kreis) dazu auf, sich von dem Tanker fernzuhalten. Die Sicherheit gehe vor, es dürfe nicht sein, dass sich Katastrophentouristen in Gefahr bringen. „Der Tanker steht unter Druck und hat eine hoch konzentrierte Chemikalie an Bord“, sagte Bruch. Es sei mit Sperrungen und Verkehrsbehinderungen auf beiden Uferseiten während der Arbeiten zu rechnen. Auch der Bahnverkehr könnte beeinträchtigt werden. Der Rhein wurde laut Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) am frühen Nachmittag eingeschränkt freigegeben. Derweil ist der Bergekran „Grizzly“ an der Unfallstelle eingetroffen.


Kräne werden im Rhein verankert

Laut Innenministerium kann mit den Arbeiten an der „Waldhof“ aber nicht sofort mit dem Eintreffen der Kräne begonnen werden. Diese müssten zunächst in der Strömung des Rheins verankert werden, sagte Innenstaatssekretär Roger Lewentz (SPD) der Nachrichtenagentur dapd. Ein leeres Tankschiff stehe in St. Goarshausen zur Verfügung, um die Schwefelsäure aus dem Havaristen gegebenenfalls aufnehmen zu können. Diese könne vermutlich aber erst abgepumpt werden, wenn der Kahn gedreht wurde. Den Bergungsexperten zufolge kann das Vorhaben gelingen, ohne dass das Schiff auseinanderbricht. Droht diese Gefahr, müsse die Schwefelsäure kontrolliert in den Fluss eingeleitet werden. Durch die Verdünnung sei dies für das Ökosystem ungefährlich. „Alle Wasserwerke bis nach Holland wurden aber informiert“, sagte Lewentz.


Einige Schiffe dürfen fahren

Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) hat unterdessen eine teilweise Freigabe des Rheins am gekenterten Tanker entschieden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit würden ausgewählte Schiffe stromaufwärts an der Unfallstelle vorbei geleitet. Dabei werde die Position der auf der Seite liegenden „Waldhof“ permanent überwacht, sagte ein Sprecher. „Talabwärts bleibt der Rhein aber gesperrt“, fügte er hinzu. Mittlerweile stauten sich 273 Schiffe zwischen Mainz und Burgbrohl (Kreis Ahrweiler).
Die 110 Meter lange „Waldhof“ war mit knapp 2.400 Tonnen Schwefelsäure an Bord am Morgen des 13. Januar nahe des Loreleyfelsens gekentert. Zwei Mitglieder der Besatzung werden nach wie vor vermisst. Es bestehe kaum noch Hoffnung, sie lebend zu finden, sagte Lewentz.

BASF muss wegen Rheinsperrung Produktion drosseln

Die Sperrung des Rheins infolge des Tankerunglücks an der Loreley wirkt sich mittlerweile auch auf die Produktion beim Ludwigshafener Chemie-Konzern BASF aus. Da die Rohstoffversorgung des Standorts Ludwigshafen zu einem „Großteil“ über den Rhein laufe, komme es derzeit bei bestimmten Einsatzstoffen zu Versorgungsengpässen, teilte eine Unternehmenssprecherin auf dapd-Anfrage mit. Dadurch habe man vor allem in den vorderen Verarbeitungsstufen der Herstellungsprozesse teilweise die Produktion drosseln müssen. In manchen Fällen könne dies aber innerhalb des „flexiblen Produktionverbundes“ wieder aufgefangen werden.
Die Versorgungsengpässe beträfen im Übrigen auch nur einen Teil der Rohstoffe, betonte die Sprecherin. Andere wichtige Einsatzstoffe seien noch ausreichend bevorratet, oder man weiche für den Transport auf Straße und Schiene aus. Dies gelte im übrigen auch für die Versorgung der Kunden, wo es bei einzelnen Produktlinien derzeit zu Lieferschwierigkeiten komme. Man habe die Kunden aber frühzeitig informiert und erarbeite gemeinsam flexible Lösungen, sagte die Sprecherin. (dpa/dapd)

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