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Kostenlose Kondome

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Von: Stefan Brändle

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„Verhütungs-Revolution“ in Frankreich.

Paris gibt Pariser ab: Man könnte schmunzelnd aufnehmen, was Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag eine „kleine Verhütungs-Revolution“ genannt hat: Gemäß seiner Ankündigung können Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren ab 1. Januar in den französischen Apotheken unentgeltlich und rezeptfrei Kondome beziehen. Was den Staat nach ersten Schätzungen 21 Millionen Euro kosten dürfte, ist dem Staatschef aber politisch wichtig. An einer Jugendtagung rechtfertigte er sie mit der Aussage, die sexuelle Gesundheit sei ein „echtes Thema“. Die Nutzung des Präservativs stagniere, der Anteil von Geschlechtskrankheiten nehme dagegen unter Jugendlichen zu. Deshalb plädierte Macron auch für die Impfung Jugendlicher gegen das Papillomvirus HPV, das Geschlechtskrankheiten überträgt.

Frankreich debattiert seit langem darüber, wie weit sich der Staat um bessere Verhütung bei jüngeren Bürgerinnen und Bürger kümmern soll. Seit 2018 werden ärztlich verschriebene Präservative durch die Sozialversicherung vergütet. Seit einem Jahr erstattet die Regierung die Anti-Baby-Pille und Verhütungsmittel wie Spiralen für junge Frauen. Seit September können Unter-25-Jährige die „Pille danach“ kostenlos erhalten.

Die Fachwelt begrüßt den unangekündigten Entscheid Macrons. Laut Pascal Pugliese, Arzt und Mitglied des nationalen Aids-Rates, nimmt der Anteil von Sexualkrankheiten vor allem unter Jugendlichen zu. Einzelne können oder wollen sich aber oft nicht einmal den Preis von einem Euro pro Kondom leisten. Pugliese ist daher dafür, dass auch 16- und 17-Jährige Gratispräservative erhalten sollen.

Der Zeitpunkt von Macrons Ankündigung dürfte auch mit der global wieder aufkommenden Abtreibungsdebatte zu tun haben. In Frankreich sind alle – selbst konservative – Rechtsparteien dafür, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch in die Verfassung aufzunehmen. Damit wollen sie Vorstößen von Abtreibungsgegner:innen zuvorkommen. Die Annahme liegt nahe, dass Macron mit Gratis-Präservativen auch unerwünschte Schwangerschaften verringern will.

In sozialen Medien gibt es vereinzelt Kritik: Macron wird vorgehalten, er übersehe die desolate Lage der Staatsfinanzen. Die Mehrheit der Jugendlichen vertritt jedoch die Meinung, die Kondom-Abgabe in Apotheken sei so wichtig wie die Rückerstattung der „Pille“.

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