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„Hardcore-Ultimatum“ bei Twitter: Elon Musk wird auf einen Streich Hunderte Mitarbeiter los

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Von: Patrick Freiwah

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Extremer Arbeitseifer oder Kündigung? Hunderte von Twitter-Angestellten haben sich bei dieser Frage für den letzteren Weg entschieden. Im EU-Parlament herrscht Alarmstimmung.

San Francisco/München – Seitdem Elon Musk die Social-Media-Plattform Twitter übernommen hat, befindet sich der Messengerdienst im wohl größten Umbruch seines bisherigen Bestehens. Aufgrund der Geschäftsübernahme durch den in Südafrika geborenen Unternehmer haben viele Menschen die Befürchtung, dass sich das Gesicht der Plattform nicht zum Positiven verändert. Es geht um die Definition von Meinungsfreiheit und wie bei Twitter künftig mit vermeintlich ideologischen Sichtweisen umgegangen wird.

Dass die Umwälzungen auch die Arbeitsstruktur innerhalb des US-Konzerns aufwirbeln, zeigen die Entwicklungen der vergangenen Wochen. Nach dem „Hardcore“-Ultimatum des neuen Twitter-Chefs hat sich der Exodus zahlreicher Angestellter fortgesetzt - und genau darauf könnte es Elon Musk angelegt haben. Schließlich geht es dem neuen Eigentümer auch darum, Kosten einzusparen.

Elon Musk: Ultimatum bewegt Hunderte Twitter-Angestellte zum Weggehen

Mehrere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich laut US-Medien entschieden, das Unternehmen zu verlassen, nachdem sie intern aufgefordert wurden, extremeren Arbeitseifer an den Tag zu legen - oder aber gefeuert zu werden. „Ich bin vielleicht außergewöhnlich, aber verdammt - ich bin einfach nicht hardcore“ ließ zum Beispiel eine Twitter-Angestellte per Posting wissen. Sie spielte damit auf Musks Ankündigung an, wonach das Unternehmen „extrem hardcore“ sein müsse, um im Wettbewerb zu bestehen.

Multimilliardär Elon Musk löste mit der Übernahme des Netzwerks Twitter ein digitales Beben aus
Multimilliardär Elon Musk löste mit der Übernahme des Netzwerks Twitter ein digitales Beben aus. © IMAGO/STR

Stunden zuvor hatte Elon Musk in einer Botschaft an die Twitter-Angestellten erklärt, die Mitarbeiter sollten sich auf „lange Arbeitstage mit hoher Intensität“ einstellen. „Nur außergewöhnliche Leistung“ würde als ausreichend bewertet, dazu ist den Adressaten eine Frist gesetzt worden: Bis Donnerstagnachmittag (kalifornische Ortszeit) sollte online das entsprechende Arbeitsbekenntnis abgelegt werden. Wer das nicht tue, werde mit einer Abfindung in Höhe von drei Monatsgehältern aus dem Unternehmen entlassen.

Auch politisch sorgte der Tesla- und SpaceX-Chef kürzlich für Aufsehen - und machte mit einem Soldaten der Wehrmacht Witze über die Entwicklungen des Fortschritts.

Twitter-Chef Musk postet über Beerdigung von Twitter - und erntet Kritik aus dem EU-Parlament

Nach Ablauf des Ultimatums setzte Musk schließlich per Twitter eine Totenkopfflagge ab - und postete ein aussagekräftiges Bild, wie ein Mann mit blauem Twitter-Logo vor dem Kopf an einem Grab sitzt, auf dessen Grabstein ebenfalls ein Twitter-Logo prangt - so als würde es sich um die eigene Beerdigung handeln.

Musk hatte Twitter Ende Oktober für umgerechnet rund 43 Milliarden Euro Twitter übernommen und umgehend die Führungsetage gefeuert. Eine Woche später musste auch etwa die Hälfte der 7500 Mitarbeiter dran glauben.

Derweil erntet Musk Kritik von Vera Jourouva, Vizepräsidentin der EU-Kommission. Die „rechte Hand“ von Präsidentin Ursula von der Leyen warnt vor einem „digitalen wilden Westen“ und drohte dem polarisierenden Multimilliardär bereits mit drakonischen Strafen. Die Tschechin kritisierte gegenüber dem ZDF, Musk habe „sehr erfahrene Mitarbeiter gefeuert, die über Jahre der Beratungen verstanden haben, was wir in Europa wollen“. Sie fügte hinzu: „Wir wollen soziale Medien, die den Menschen dienen und keine schädlichen Inhalte verbreiten.“ (PF)

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