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Marken wie Sportalm?

Mode

Und was kommt jetzt?

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In dieser Saison stellte sich die Modewoche nicht nur den Fragen nach der eigenen Zukunft ? und das ist auch gut so.

Von Seiten der Kunden gibt es schon mal erfreuliche Signale. Als am Dienstag in Berlin der Report „The State of Fashion 2019“ vorgestellt wird, ist es der Konsument, der mit brillanten Ideen glänzt: Von Modefirmen und Onlineshops fordert er künftig eine „radikale Transparenz“ in Bezug auf Daten und Informationen, prognostizieren die Unternehmensberater von McKinsey, mit dem Erstarken von Second-Hand-Formaten, Recycling- und Miet-Konzepten sei zudem ein „Ende des Eigentums“ in Sicht. Digitale Sicherheit, Nachhaltigkeit und Gemeinschaft sind also gefragt –   glänzende Aussichten!

Ohne Frage war der Dienstagvormittag, zu dem neben McKinsey auch das Branchenblatt „The Business of Fashion“ und der „Fashion Council Germany“ (FCG) geladen hatten, einer der produktiveren Termine der Modewoche. Die Dringlichkeit des Themas Mode – einer globalen 2,5-Billionen-Dollar-Industrie (2017) – will zumindest an diesem Vormittag niemand infrage stellen. „Manche Kollegen setzen sich lieber mit der Atomlobby zusammen, weil das in der öffentlichen Wahrnehmung weniger verfänglich ist“, sagt denn auch die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär (CSU) in einer Ansprache und zitiert wie zur Abwehr gleich noch EU-Präsidenten Jean-Claude Juncker: „Kreativunternehmen sind die Kronjuwelen der EU.“

Der Vorstoß der Veranstaltung ist klar: Neben einem kompetenten Einblick in die Branchenzukunft sollte die Beziehung zur Politik gefestigt werden, die mit dem vermeintlich seichten Thema noch immer hadert. Genau darum ist der FCG bemüht, Deutschlands 2015 gegründeter Moderat. Im Publikum am Dienstag saßen neben Bär denn auch Vertreter aus dem Wirtschaftsministerium. Und einen Abend vorher hatte der FCG Ergebnisse seines auf Nachhaltigkeit ausgelegten Förderungsprogramms „German Sustain Concept“ vorgestellt, dessen Schirmherrschaft das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) übernimmt.

Ohne die Hilfe der Politik – und kommt sie auch aus noch so modefremden Ministerien – geht es nicht, so der O-Ton der Woche. Denn Deutschlands Nachwuchs hat es schwer. Während die modischen Ideen und kreativen Lösungen der jungen Marken im Ausland durchaus Anklang finden, will der deutsche Markt, die deutsche Gesellschaft Mode und Design noch immer nicht als Kulturgut begreifen. 

Das wird auch auf der Fashion Week in Berlin sichtbar. Die Verheißungen der ersten, noch deutlich größeren Modewochen vor zehn, zwölf Jahren – sie sind nicht wahr geworden. Noch immer arbeiten viele Jungdesigner in Berlin prekär, andere sind wenn nicht in Gänze dann doch zumindest mit ihren Schauen abgewandert. Das ist schade und der deutschen Kulturlandschaft so gar nicht zuträglich – da sind sich auf den Messen und Modeschauen, auf den Panels und Präsentationen der vergangenen Tage alle einig. Aber es wäre nicht die Berliner Fashion Week, hätte nicht auch die Hoffnung eine tragende Rolle gespielt. Es sind die vielschichtigen Kollektionen der deutschen Labels, die immer wieder Anlass zur Zuversicht geben. Ihre geistreichen Kollektionen halten den Modemotor des Landes dann irgendwie doch immer am Laufen. Nur bringen all die guten Ideen nichts, wenn sie nicht gesehen werden.

Welche Rolle dabei die Politik spielen kann, beweist etwa Lou de Bètoly: Die gerade erst 2017 von der Designerin Odély Teboul gegründete Marke veranstaltete ihre erste eigene Schau, unterstützt von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Das Ergebnis? Teboul präsentierte eine der besten Kollektionen der gesamten Woche, die durch Recyclingaspekte neben einer zukunftsfähigen Ästhetik auch noch nachhaltige Ansätze einschließt. Ähnlich arbeitet auch das Label Rianna + Nina, das neue Unikate aus alten Stoffen fertigt. Generell produzieren die kleineren Labels unter fairen Verhältnissen, viele im europäischen Ausland, einige bleiben gleich ganz im eigenen Land. Auf der neu vorgestellten Messe Neonyt zum Beispiel sind nur Marken präsent, die ausschließlich fair und ökologisch arbeiten. Das zeigt: Zumindest im Kleinen werden auch auf der Berliner Modewoche Antworten auf die ganz großen Fragen unserer Zeit gefunden.

Damit das sichtbar wird, ist neben der politischen Unterstützung auch die Präsenz der etablierteren deutschen Marken entscheidend. Labels wie Laurél oder Marc Cain, die der Fashion Week treu geblieben sind und auch die Einkäufer der großen Kaufhäuser in die Hauptstadt locken, Marken wie Bogner, die ihre Wintersportwurzeln in dieser Saison hypermodern adaptierten oder Sportalm aus Kitzbühel, die ihre Kundin mit einem beachtlichen Sortiment durch den ganzen Tag begleitet. Sie verdeutlichen die Relevanz des Modestandorts Deutschland auf eine ganz andere Weise, als es die jüngeren Labels können – die für die großen Namen aber wiederum einen progressiven Rahmen bieten, um die erwachseneren Kollektionen zu präsentieren. Am Ende der Berliner Modewoche kann und muss man sich also wieder darauf einigen: Es geht nur zusammen.

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