Über 2300 Meter lang und 185 Meter hoch – und trotzdem scheint die Talsperre ihren Zweck nicht ausreichend zu erfüllen.
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Über 2300 Meter lang und 185 Meter hoch – und trotzdem scheint die Talsperre ihren Zweck nicht ausreichend zu erfüllen.

China

Ein Koloss mit schlechtem Ruf

  • vonFabian Kretschmer
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In Teilen Chinas regnet es so stark wie seit 70 Jahren nicht mehr, ganze Landstriche stehen unter Wasser. Viele Menschen fragen nun, ob die Drei-Schluchten-Talsperre die Fluten genügend abfedern kann.

Es sind alarmierende Meldungen, die aus der 18-Millionen-Metropole Chongqing an die Öffentlichkeit dringen. Im Qijiang-Bezirk haben sintflutartige Regenfälle den Jangtse-Fluss auf fünf Meter über die Hochwasserschutzlinie anschwellen lassen. Noch nie seit Aufzeichnung der Daten wurde ein so hoher Wert gemessen.

Laut offiziellen Schätzungen mussten bereits mehr als hunderttausend Anwohnerinnen und Anwohnern ihre Häuser verlassen. Überschwemmungen während der frühen Sommermonate sind in Südchina zwar die Regel, während der Regenzeit halten monsunartige Niederschläge oftmals über Wochen an. Doch in diesem Jahr sind es die schlimmsten seit 70 Jahren.

Ganze Provinzen im südlichen Teil des Landes sind weitflächig von Fluten betroffen. Fast zwei Drittel der gesamten Volksrepublik leiden unter massiven Regenfällen. Laut den lokalen Behörden dürfte sich die Lage zuspitzen. Für die Provinzen Guizhou und Guangxi sind weiterhin starke Monsunregen angekündigt.

Die Zahlen lesen sich tatsächlich erschütternd: Mehr als elf Millionen Menschen sind laut Regierungszahlen direkt von den Fluten betroffen, insgesamt wurden bereits über 860 000 Hektar Farmland zerstört. Der finanzielle Schaden beläuft sich demnach auf über 24 Milliarden Yuan, was umgerechnet etwa drei Milliarden Euro entspricht.

Beinahe 40 Menschen sind durch Regenfälle und Hochwasser bereits umgekommen oder gelten als vermisst. Die Naturkatastrophe richtet ihren Fokus indes auch auf die Drei-Schluchten-Talsperre in der Provinz Hubei.

Diese wurde eigentlich errichtet, um die alljährlichen Fluten abzufedern. Schließlich sind allein im 20. Jahrhundert rund drei Millionen Menschen in den Fluten des Jangtse umgekommen. Der beachtliche Bau aber wird durchaus ambivalent wahrgenommen.

Der vielleicht größte Damm der Welt ist einerseits ein logistisches Meisterwerk. Allein der Bau zog sich von 1994 an über zwölf Jahre hin, die Dimensionen der Talsperre sind gigantisch. Über 2300 Meter lang und 185 Meter hoch ist er, 32 Turbinen generieren laut Schätzungen 100 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.

Doch das Infrastrukturprojekt wurde von Beginn an auch von Skandalen, von Korruption und Missmanagement überschattet. Rund zwei Millionen Anwohnerinnen und Anwohner mussten zunächst umgesiedelt werden, zudem gab es bereits vor der Konstruktion deutliche Sicherheitsbedenken. Nach der Fertigstellung traten dann mehr als hundert Risse bis zu drei Meter tief in der 115 Meter dicken Mauer auf.

Später stellte sich heraus, dass minderwertige Materialien für den Bau verwendet wurden. Dutzende Regierungsbeamte und -beamtinnen wurden verurteilt. Nun deutet sich an, dass die Hochwasserschutzmaßnahmen des Damms ohnehin eingeschränkt sind.

Trotz der gigantischen Talsperre kommt es schließlich immer wieder zu massiven Überschwemmungen. Taiwanesische Medien berichten zudem von Gerüchten, dass der Damm möglicherweise vor einem Kollaps steht. Dieser hätte katastrophale Folgen. 400 Millionen Chinesinnen und Chinesen leben flussabwärts des Hochwasserdamms.

Chinesische Staatsmedien weisen dies jedoch entschieden zurück. „Manche westliche Medien haben Anschuldigungen hochgespielt, demnach der Damm zu kollabieren drohe“, schreibt etwa die parteitreue Zeitung „Global Times“. Dabei handele es sich jedoch nur um typische Verunglimpfungen ausländischer Medien. Tatsächlich sei es ganz normal, dass in den regenreichen Sommermonaten Wassermassen abgelassen werden müssten.

Das Reservoir sei laut Expertinnen und Experten der Regierung jedoch nicht in Gefahr. Die Empirie gibt dieser Aussage recht. Vorhersagen über einen Zusammenbruch der Drei-Schluchten-Talsperre kursieren bereits seit zehn Jahren, bislang ist keine der Prognosen davon eingetreten.

Sicher ist jedoch, dass die verstärkten Regenfälle auch eine Folge des sich zuspitzenden Klimawandels sind. Laut einer Studie der US-amerikanischen Yale University haben die Niederschlagsmengen während der Sommermonate im Flusseinzugsgebiet des Jangtse in den vergangenen 20 Jahren deutlich zugenommen.

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