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Hübsch gemacht: Wer sich in diesem frisch sanierten Bad erfrischen kann hat’s gut – und gehört zu nur wenigen Glücklichen.

Kaputte Schwimmbäder 

Kein Geld: Etliche Schwimmbäder sind marode

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An heißen Sommertagen ins kühle Nass – in vielen Städten ist das nicht  möglich. Trotzdem unterstützt der Bund nur jedes sechste marode Schwimmbad.

Fast 60 Prozent der Zehnjährigen können laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 nicht sicher schwimmen. Das liegt daran, dass viele an ihrem Wohnort kein Schwimmbad mehr haben. Trotzdem hat der Bund nur Beihilfen zur Sanierung von 67 kommunalen Schwimmbädern zugesagt – und kommt damit nur einem kleinen Anteil der gestellten Anträge nach. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) vorliegt.

Die Angaben beziehen sich auf das Programm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ des Bundes. Demnach hatten 400 Städte und Gemeinden Anträge auf Förderung gestellt, nur 16 Prozent davon wurden vom Haushaltsausschuss bewilligt. Die Initiative wurde ins Leben gerufen, um Kommunen mit ihren Sporteinrichtungen finanziell unter die Arme zu greifen. Im vergangenen Jahr wurden mit dem gleichen Programm zwölf Schwimmbäder mit 33,2 Millionen Euro gefördert.

Viel zu wenig finanzielle Unterstützung 

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte, sagte dem RND: „Nicht einmal ein Fünftel der Anträge von Kommunen, die beim Bund Mittel zur Sanierung ihrer Schwimmbäder und Sportanlagen beantragen, ist erfolgreich.“ Das zeige, dass der Bedarf an finanzieller Hilfe in den Kommunen, die ihre Schwimmbäder und Sportanlagen sanieren müssen, riesig sei, so Korte. „Vor diesem Hintergrund ist das Hilfsprogramm des Bundes zur Sportstättensanierung ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Bund und Länder dürften die Kommunen mit dem Sanierungsbedarf bei der öffentlichen Infrastruktur nicht alleine lassen, fordert Korte. Wer kommunale Infrastruktur aufgebe, nehme der Politik ihren Gebrauchswert und schade der Demokratie. „Das Gegenteil wäre nötig“, so der Politiker. „Ein Investitionsprogramm in lebenswerte Nachbarschaften, das Kommunen gerade im Osten wieder in die Lage versetzt, positive Entscheidungen für ihre Einwohnerinnen und Einwohner zu treffen.“

Schwimmen wird verlernt, warnt die DLRG

Auch die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) fordert in einer Petition den Erhalt der kommunalen Schwimmbäder. Im vergangenen Jahr wurden 4500 Schwimmprüfungen weniger abgenommen als im Vorjahr. Die Möglichkeiten, Schwimmen zu lernen, gingen in vielen Städten verloren. Schwimmkurse haben häufig sehr lange Wartezeiten, schon jetzt hätte jeder vierte Grundschüler an seiner Schule gar keinen Schwimmunterricht.

Die DLRG-Helfer beobachten, dass das viele Menschen aber nicht davon abhält, in Badeseen und Freibäder zu gehen. Die Petition, die einen deutschlandweiten Masterplan zur Bäder-Erhaltung fordert, haben bereits 100 000 Menschen unterschrieben.

Die Schwimmbäder in Hessen

Das Land Hessen unterstützt seine Kommunen beim Erhalt der Schwimmbäder, obwohl es zugleich betont, dass die Finanzierung eigentlich Sache der Kommunen sei. Mit dem Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramm (SWIM) vergibt Hessen bis 2023 insgesamt 50 Millionen Euro. Um in den Genuss einer Förderung zu kommen, mussten sich die Kommunen bis Frühjahr bewerben.

Die Resonanz war riesig, es gab Anträge für 160 Investitionsmaßnahmen – vom Bau eines neuen Beckens bis hin zum elektronischen Kassensystem. Anträge, die lebenserhaltenden Maßnahmen dienen oder Wasserflächen schaffen, haben indes Vorrang, hieß es aus dem Vergabegremium.

Der Landessportbund gibt an, dass es in Hessen aktuell noch 378 Bäder. 220 Frei, 103 Hallen, 33 Kombibäder sowie 22 Thermen. (ote) 

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