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Geborgen: Siegfried und Roy feiern Weihnachten 1999 im Kreise ihrer Lieben.

Roy Horn

König der Tiger

Mit Magie und mäjestätischen Tieren verzauberten „Siegfried & Roy“ die Menschen. Nun ist Roy Horn, der 2003 den Angriff eines Tigers knapp überlebte, an Covid-19 gestorben.

Seine Ärzte nannten es „ein Wunder“, dass Roy Horn die schweren Verletzungen nach dem Angriff seines weißen Tigers Mantecore überhaupt überlebt hatte. Im Mirage-Hotel in Las Vegas hatte der Dompteur und Magier am 3. Oktober 2003 in seinen 59. Geburtstag hineingefeiert. Wenige Stunden später lag der dunkelhaarige Zauberer bei der abendlichen „Siegfried & Roy“-Show lebensgefährlich verletzt auf der Bühne. Nach schwerem Blutverlust, Schlaganfällen und einer Gehirnoperation hatte er sich nie mehr ganz erholt. Sein langjähriger Partner Siegfried Fischbacher wurde zum Betreuer.

Nun hat ihn die Lungenkrankheit Covid-19 das Leben gekostet. Horn starb am Freitag (Ortszeit) in Las Vegas an den Folgen einer Coronavirus-Infektion, wie Sprecher Dave Kirvin sagte. Er wurde 75 Jahre alt. „Heute hat die Welt einen der Großen der Magie verloren, aber ich habe meinen besten Freund verloren“, sagte Fischbacher (80) in einer Mitteilung. „Schon bei unserer ersten Begegnung wusste ich, dass Roy und ich zusammen die Welt verändern würden. Es hätte keinen Siegfried ohne Roy und keinen Roy ohne Siegfried gegeben.“

Gefeiert: Siegfried und Roy während einer Show in Las Vegas.

Der tragische Unfall 2003 hatte die vielfach preisgekrönten „Meister des Unmöglichen“ in den vorzeitigen Ruhestand gezwungen, es war das abrupte Aus für das gefeierte Magier-Duo, das in der US-amerikanischen Casino-Stadt mit seinen Illusionen und Tier-Tricks über Jahrzehnte Millionen Fans begeistert hatte. Roy Horn war nach dem Unfall halbseitig gelähmt.

Der Entertainer lernte langsam wieder gehen, wenn auch schleppend und auf einen Stock gestützt. Bei seltenen öffentlichen Auftritten war er auch im Rollstuhl zu sehen. Im Mai 2019 hatte das Duo noch Siegfrieds Münchner Heimat und den Tegernsee besucht. Horn machte dort eine Stammzellentherapie mit Eigenblut. „Wir hoffen, dass er sich durch die Therapie wieder besser bewegen kann“, sagte Fischbacher damals der „Bild“-Zeitung.

Doch außerhalb seines Domizils in Las Vegas wurde Horn in den letzten Jahren immer seltener gesehen. Ausnahmen waren der traditionelle Fassanstich zum Oktoberfest im Hofbräuhaus der Casino-Stadt oder ein Besuch bei den exotischen Großkatzen im „Secret-Garden“-Gehege des Mirage-Kasinos, das längst zur Touristenattraktion geworden ist. Auf Facebook postete Horn für seine Fans gelegentlich Fotos von ihrem Alterssitz „Little Bavaria“ am Stadtrand von Las Vegas, einem riesigen Anwesen mit zahlreichen Raubkatzen und anderen Tieren.

Seine Liebe zu exotischen Tieren hatte der am 3. Oktober 1944 in Nordenham bei Bremen geborene Uwe Ludwig Horn schon früh entdeckt. In den Nachkriegsjahren flüchtete er in eine Tier-Traumwelt. Ein Gepard namens „Chico“ im Bremer Zoo wurde zu seinem besten Freund. Nach dem Abbruch der Schule heuerte er als Steward auf einem Kreuzfahrtschiff an, wo er Fischbacher traf.

Gefunden: Die beiden begegneten sich Anfang der Sechzigerjahre.

Zusammen tingelten sie mit Zauber- und Tiertricks durch kleinere Theater, bis ihnen in den Sechzigerjahren in Monaco der internationale Durchbruch gelang. 1967 kamen sie erstmals nach Las Vegas, ab 1970 waren sie dort drei Jahre im „Stardust“ zu sehen. 1988 handelten sie mit dem Mirage-Hotel den bis dahin schwersten Millionen-Deal in der Geschichte der Casino-Stadt aus. Mit einem explosiven Mix aus Zauberei und exotischen Tieren, darunter seltenen weißen Tigern, hielt das Duo von 1989 bis 2003 Millionen Fans in Atem.

Roys Liebe zu den Wildkatzen war ungebrochen, auch nach dem Angriff von Mantecore. Er gab dem weißen Tiger keine Schuld – im Gegenteil. Nach dem Tod der Raubkatze im Jahr 2014 schrieb der Dompteur auf Facebook, sein „geliebter 17 Jahre alter weißer Tiger, Freund und Bruder“ sei gestorben. „Er war es, der mich in Sicherheit gezogen hat, nachdem mir auf der Bühne wegen schwachen Blutdrucks schwindlig geworden war. Er hat mich da rausgeholt, so dass mir die Notärzte helfen konnten.“ Mantecore habe ihm nur zur Hilfe kommen und ihn wegtragen wollen, beteuerte er in Interviews.

Mit einem letzten Zaubertrick hatte sich das Duo im März 2009 endgültig vom Showbusiness verabschiedet. Nur zehn Minuten dauerte die magische Show bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Hotel-Casino Bellagio.

Mit schleppenden Schritten trat Horn in einem schwarzen Umhang und einer Maske vor dem Gesicht auf die Bühne. Der weiß gekleidete Fischbacher betrat einen von zwei leeren Glaskäfigen, die verhängt wurden. Als Horn die Tücher wegzog, befand sich der Tiger Mantecore an seiner Stelle in dem Behälter, Fischbacher saß im anderen Käfig. Am Ende zogen Siegfried und Roy ihre Masken ab, winkten ins Publikum und warfen Handküsse. Große Abschiedsworte gab es nicht.

Nachdem sich die Nachricht von Roy Horns Tod verbreitet hatte, zollten am Wochenende Fans und Showgrößen gleichermaßen dem Verstorbenen ihren Respekt und ihre Bewunderung. Der Illusionist David Copperfield würdigte ihn in der Nacht auf Samstag auf Twitter als „wunderbaren Künstler“ und „Legende“. Er habe nicht nur für die Unterhaltung, sondern auch für die Gesellschaft viel getan. Hollywood-Star Arnold Schwarzenegger zeigte sich ebenfalls betroffen. „Ich habe Roys Magie und seine Stunts geliebt. Ich kann nicht glauben, dass er nicht mehr da ist“, schrieb er auf Twitter.

Las Vegas verabschiedet sich von Roy. 

Auch aus der Politik kamen Trauerbekundungen. Die Bürgermeisterin von Las Vegas, Carolyn Goodman, sagte, „Siegfried & Roy“ stünden für das, was Las Vegas als Unterhaltungsmetropole der Welt ausmache. Das Duo habe eine mehr als spektakuläre Show geboten. „Wir sind am Boden zerstört über den Verlust von Roy, eines einzigartigen Entertainers und lieben Freundes.“

Siegfried Fischbacher bedankte sich am Wochenende für die Anteilnahme: „Roy war sein ganzes Leben lang ein Kämpfer, auch in diesen letzten Tagen“, erklärte Fischbacher – und dankte den Ärzten und Krankenschwestern im Mountain View Hospital. Sie hätten „heldenhaft gegen das heimtückische Virus“ gekämpft, „das am Ende Roy das Leben nahm.“ (Barbara Munker, dpa)

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