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Kein Adeliger: Von der Cannabis-Legalisierung in Südafrika profitiert er trotzdem. Das Bild entstand bei einer Demonstration für die Legalisierung von Cannabis 2016 in Cape Town.

Südafrika

Der König und die Kiffer

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Vor einigen Monaten wurde Cannabis in Südafrika teilweise legalisiert. Das freut nicht nur die Konsumenten: Der oberste Zulu will am grünen Goldrausch mitverdienen.

Zulu-König Goodwill Zwelithini, der sich wie jeder anständige blaublütige Herrscher mit „His Royal Highness“ anreden lässt, macht seinem Titel alle Ehre. Der traditionelle Führer der größten Bevölkerungsgruppe Südafrikas forderte seine Untertanen jüngst auf, den grünen Goldrausch, der mit der teilweisen Legalisierung von Marihuana das Kap der Guten Hoffnung erfasst hat, nicht spurlos an sich vorüberziehen zu lassen: „Wir wissen, wie man Cannabis anbaut“, sprach der Monarch: „Wir sollten die Pflanze zu unserem wirtschaftlichen Wachstum nutzen.“

Der 71-jährige Chef-Zulu ging auch gleich mit leuchtendem Beispiel voran: Dem königlichen Ingonyama-Trust, der den kollektiven Landbesitz der Zulus verwaltet, will er 150 Millionen Rand, fast neun Millionen Euro, und 75 Hektar Ackerfläche zur Verfügung stellen, um die boomende Hanfpflanze anzubauen. Auf diese Weise könnten mindestens 3000 Zulus als Pflanzer, Verarbeiter oder auch Marketing-Experten gut bezahlte Arbeit finden, sagt Gerard Naudé, Geschäftsführer von „Go Life International“, der mit dem königlichen Trust ein – excuse the pun – „Joint Venture“ eingehen will. „Schließlich wissen die Menschen hier schon seit Jahrzehnten bestens, wie man Cannabis anbaut.“

Tatsächlich weisen etablierte Marihuana-Marken wie „Durban Poison“ darauf hin, dass die um die Hafenstadt herum gelegene KwaZulu-Natal-Provinz schon seit langem zur Hochburg des Dagga-Anbaus gehört, wie die Südafrikaner das Rauschmittel nennen. Hier wird ein Großteil der 2000 Tonnen schweren jährlichen Hanfernte des Landes eingefahren.

Während Verstöße gegen das Dagga-Verbot von den einstigen weißen Herrschern des Landes noch strikt verfolgt wurden, entspannte sich die Lage nach dem Ende der Apartheid vor 25 Jahren: Zwelithinis Pendant beim Thembu-Volk, König Buyelekhaya Dalindyebo, räumte bereits vor acht Jahren öffentlich ein, die Wirkstoffe der „heiligen Pflanze“ regelmäßig zu sich zu nehmen. Erst im September hob Südafrikas Oberstes Gericht das Dagga-Verbot auf – allerdings nur zum privaten Konsum. Kiffen in der Öffentlichkeit und der Handel mit Dagga sind noch immer verboten.

Zulu-König Goodwill Zwelithini hat eine Einnahmequelle entdeckt.

Allerdings ist der Gesetzgeber damit beschäftigt, Produktion und Marihuana-Handel zumindest für medizinische Zwecke freizugeben, weswegen der weltweite grüne Goldrausch nun auch Südafrika erwischt hat. Selbst hochrangige Politiker wie der Premierminister der Ostkap-Provinz, Lubabalo Mabuyane, riefen ihre Landsleute auf, „ihre Köpfe aus dem Sand“ zu ziehen und die Gelegenheit beim Schopf zu packen: Vom Dagga-Anbau seien „Milliarden an Profiten, gute Beschäftigungszahlen und anständige Steuereinkünfte“ zu erwarten, befand er.

Schon heute wird der südafrikanische Cannabis-Markt auf 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt. Den Rang hat dem afrikanischen Wirtschaftsriesen allerdings ausgerechnet sein bettelarmer Zwergstaat-Nachbar Lesotho abgelaufen. Das konstitutionelle Königreich legalisierte schon vor zwei Jahren den Hanfanbau: Der Bergstaat mit dem verlässlichen Regen, der strahlenden Sonne und den fruchtbaren Böden gilt als eine der besten Hanfregionen der Welt, Interessenten aus Industrienationen rennen der Regierung in Maseru die Türen ein.

Für Lizenzen zum Cannabis-Anbau kann das Königreich deshalb Summen von 40 000 US-Dollar im ersten und weiteren 10 000 Dollar für jedes weitere Jahr verlangen: Beträge, die sich keiner der heimischen Bergbauern leisten kann. Das Geschäft mit der Heil- oder Unheilpflanze machen wieder einmal ausländische Konzerne. Dasselbe Problem in anderen afrikanischen Staaten wie in Simbabwe, Malawi oder Uganda.

Obwohl der Marihuana-Konsum in den meisten dieser Staaten noch immer verboten ist, vergeben deren Regierungen bereits Lizenzen an ausländische Pharmakonzerne für saftige Gebühren. Kanadische und deutsche Unternehmen hätten in Uganda allein in diesem Juni Verträge zur Marihuana-Lieferung in mehrstelliger Millionenhöhe abgeschlossen, meldet die dortige Tageszeitung „Daily Monitor“: Die begehrten Blütenstände von „Uganda Gold“ gingen im Wert von 100 Millionen Dollar nach Kanada und für 58 Millionen Euro nach Deutschland.

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