+
Gemeinsam trinken ist geselliger - und bevor der Pub im Dorf verschwindet, tun sich Australier eben auch als Betreiber desselben gern zusammen.

Australien

Die Kneipe bleibt im Dorf

Wie australische Bürger ihre Pubs retten.

Mit nur 39 Menschen ist in Nandaly nicht gerade viel los. Zu behaupten, in dem australischen Ort würden abends die Bürgersteige hochgeklappt, wäre fast noch eine Untertreibung. Vor allem seit der Besitzer des einzigen Pubs im Ort starb, war die Angst groß, dass die Gemeinde aussterben würde.

„Er hat direkt ein Loch hinterlassen, und die Stadt fühlte sich leer und ein bisschen verloren an“, sagte Dione McGarry, eine Bewohnerin des Ortes, dem australischen Sender ABC, der das Dorf besuchte. Ohne Kneipe fehlte den Bewohnern ein sozialer Treffpunkt. In dem Pub waren die Menschen schließlich nicht nur zum Feierabendbier zusammengekommen. Dort hatten sich auch Müttergruppen, der Tennisclub und die Feuerwehr getroffen.

17 Menschen betreiben eine Kneipe gemeinsam

Die Bürger von Nandaly machten aus ihrer Not schließlich eine Tugend und kauften das Lokal gemeinsam. Nach der Renovierung eröffnete die Kneipe pünktlich zu Weihnachten. „Ich bin begeistert, wie sehr die Einheimischen mitgemacht haben“, sagt Terry Kylie, einer der Bürger und Mitbesitzer des Pubs. Das Dorf will ihn künftig gemeinsam betreiben. Mehrere Dorfbewohner arbeiten an der Bar, und auch eine Unterkunft für Reisende ist geplant.

Nandaly ist übrigens kein Einzelfall: Die Idee, sich als Gruppe zusammenzuschließen und Pubs aufzukaufen, verbreitet sich zurzeit in ganz Australien. Das kleine Örtchen Sea Lake beispielsweise hat neuerdings eine Kneipe, die 17 Besitzer gemeinsam betreiben. In Apsley haben 23 Farmer ihre Kneipe gekauft, das Boolarra Community Hotel im Örtchen Boolarra gehört sogar mehr als 100 Menschen gemeinsam.

ABC bezeichnet das Phänomen gar als „Revolution“. Von den Gemeinschaftspubs profitieren vor allem kleine Ortschaften im Zentrum des Landes, aus dem hauptsächlich die jungen Menschen wegziehen, weil sie wenig Perspektiven für sich sehen. Dank der gemeinsamen Kneipen bewahren sich die Dorfbewohner immerhin ihren Treffpunkt. Ganz nebenbei können sie darauf mit einem Bier anstoßen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion