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Studie

Klimawandel: Starkregen in Deutschland häufiger – „extremere Ereignisse“ erwartet

  • Tim Vincent Dicke
    VonTim Vincent Dicke
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Der Klimawandel verändert die Art der Schauer in Deutschland. Laut einer neuen Studie wird es zukünftig heftigeren Starkregen geben.

Offenbach – Zukünftig wird es nicht mehr so lange regnen – dafür umso heftiger. Einer Studie zufolge wird sich die Art der Niederschläge in Deutschland von großflächigem Dauerregen hin zu kleinräumigem Starkregen verändern. Grund dafür sind steigende Temperaturen. Dieser Starkregen werde für sich gesehen jedoch deutlich größere Flächen treffen und intensiver ausfallen als bisher, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Donnerstag (26.08.2021) in Offenbach bei der Vorstellung der Studie „Risiko Starkregen für Bevölkerungsschutz und Stadtentwicklung“.

Für die Studie arbeitete der DWD mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), dem Technischen Hilfswerk (THW) und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zusammen. Demnach deuteten Klimaprojektionen darauf hin, dass sich die Zahl der Extremwettereignisse durch den Klimawandel erhöhen und intensivieren könnten.

Klimawandel in Deutschland: „Starkregen kann jeden treffen“

Als Grundlage wurden die Niederschlagsdaten der Wetterstationen seit 2001 ausgewertet. Dadurch entstand ein Katalog extremer Niederschläge in Deutschland. Dabei stellte sich heraus, dass der Niederschlag in wärmeren Regionen häufiger als kleinräumiger Starkregen fällt und weniger in Form eines Dauerregens über mehrere Stunden oder Tage. Extreme Starkregen von kurzer Dauer, wie beispielsweise Gewitter, könnten deutlich größer und stärker werden. Das führe über die Dauer und die größere Fläche zu einem erhöhten Gesamtniederschlag und zu potenziell größeren Schäden.

„Starkregen kann jeden treffen“, warnte Tobias Fuchs vom DWD. Dennoch hänge die konkrete Gefahr von Faktoren wie der Topografie und der Flächenversiegelung ab. Einsatzorte der Feuerwehren liegen laut Studie deutlich häufiger in Senken sowie in dicht besiedelten Gebieten, in denen viele Flächen versiegelt sind.

Für die Kommunen wird der Starkregen zu einer großen Herausforderung.

Schutz vor Starkregen: Umbau wird teuer

Die Behörden forderten, die Erfassung der Einsatzdaten weiterzuentwickeln. So fehle eine Datenbasis für ein flächendeckendes und organisationenübergreifendes Lagebild, dass die Einsatzbelastung bei Starkregen abbildet. Eine Mehrbelastung der Einsatzkräfte des Bevölkerungsschutzsystems müsse sichtbar gemacht werden.

Zudem wurde eine Begrenzung des Temperaturanstiegs gefordert, der die extremen Niederschläge verstärkt. „Zugleich müssen wir durch Anpassungsmaßnahmen eine Infrastruktur aufbauen, die die Schadenswirkung von Starkregenereignissen, insbesondere in urbanen Regionen, abfedern kann“, sagte Fuchs. Städte müssten nach Ansicht von BBSR-Präsident Peter Jakubowski „kompakt, klimagerecht und wassersensibel umgebaut werden, damit möglichst viel Niederschlag versickern kann und Starkregen besser aufgehalten wird“.

Dieser Umbau sei teuer und brauche viel Zeit. Deswegen müsse über zusätzliche Förderungen diskutiert werden. „Die klimagerechte Stadt braucht Stadtgrün und den Schutz von Freiräumen durch kompakte Bebauung“, sagte Jakubowski. Auch unter Bebauungsdruck müsse mehr Wohnraum auf weniger Grundfläche entstehen.

Mehr Starkregen aufgrund des Klimawandels: Hauseigentümer gefordert

Grundstückseigentümer:innen seien in der Pflicht, ihre bestehenden Gebäude vor Extremwetter-Folgen zu schützen. Außenwände könnten verstärkt, Bodenplatten verankert werden, sagte Jakubowski. Der Finanzbedarf sei immens. „Angesichts des Anpassungsdrucks halte ich es für überlegenswert, über Fördermöglichkeiten solcher Anpassungsmaßnahmen nachzudenken.“

Freiraum müsse vor Bebauung geschützt werden. „Entsiegeln ist die Kernaufgabe, der sich die Stadtplanung und -entwicklung widmen muss“, sagte Jakubowski. Mehr Grün sei eine Investition, um sich vor Folgen des Extremwetters zu schützen und zugleich eine Investition in Lebensqualität in den Städten. „Kommunen müssen sich auf extremere Ereignisse einstellen“, so der BBSR-Präsident.

Die Hochwasserkatastrophe, die vor allem in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen Mitte Juli zu schweren Verwüstungen und mehr als 180 Toten führte, sei ein extrem seltenes Ereignis gewesen, erklärte der DWD. Vorstand Fuchs sagte, die hier verbreitet gemessenen Niederschlagsmengen träten statistisch betrachtet alle 100 Jahre oder seltener auf. Hinzu seien die sehr lange Dauer von 48 Stunden und die enorme Größe des Regengebiets von 43.000 Quadratkilometern gekommen. Zusammengefasst lägen die Werte etwas oberhalb der Niederschläge, die im Jahr 2002 zum Elbehochwasser geführt hätten. (tvd/AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © Bodo Marks/dpa

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