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Geparkte Autos in der Leipziger Innenstadt sind eingeschneit. Starke Schneefälle führen zu erheblichen Behinderungen im Verkehr.
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Geparkte Autos in der Leipziger Innenstadt sind eingeschneit. Starke Schneefälle führen zu erheblichen Behinderungen im Verkehr.

Wintereinbruch

Klimawandel: „Das Wetter ist chaotisch und wird es bleiben“

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Aktuell schwer vorstellbar: Auch 2021 wird wohl ein extrem warmes Jahr werden. Doch Klimaforscher Mojib Latif rechnet nicht mit Maßnahmen aus Deutschland.

Professor Latif, überrascht Sie der Winter, den wir gerade erleben?

Nein, ganz und gar nicht. Das Wetter ist chaotisch und wird es auch in Zukunft bleiben. Kurzfristige Ausreißer nach oben oder unten sind immer möglich. Das ist völlig normal.

Viele Menschen hätten solche Schneemengen und solchen Frost nach den letzten milden Wintern nicht mehr erwartet …

In der Tat häufen sich in den letzten Jahrzehnten die milden Winter mit wenig Frost und Schnee. Das sind deutliche Anzeichen dafür, dass die Auswirkungen der globalen Erwärmung auch in Deutschland schon längst zu spüren sind.

Klimawandel: Temperaturen werden weiter steigen

Also ein Winter, wie er auch in einem erwärmten Weltklima vorkommen kann? Oder gibt es Anzeichen für Veränderungen in den atmosphärischen Strömungen?

Klar ist auf jeden Fall, dass die Temperaturen in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen und kalte Winter noch seltener werden. Unklar ist, wie sich die Erwärmung, insbesondere in der Arktis, wo sie am stärksten ist, auf die Luftströmungen auswirken werden. Wir beobachten in den letzten Jahren, dass Großwetterlagen etwas länger andauern. Wenn sich dieser Trend fortsetzen würde, hätte das gravierende Folgen auch für das Auftreten von Extremwetterlagen – allein schon, weil sie länger anhalten würden.

Zur Person

Mojib Latif ist Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und an der Universität Kiel, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Klima-Konsortiums und Präsident der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. jw

Klimawandel sorgt auf lange Sicht für weniger Schnee im Flachland

Wie wird das die Winter künftig beeinflussen? Wie entwickelt sich die Schneewahrscheinlickeit?

Gerade der Schnee reagiert äußerst empfindlich auf eine Erwärmung, weil er nur fällt, wenn die Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes liegen. Schon kleine Temperaturanstiege können deswegen aus Schnee Regen werden lassen. Die Tendenz zu weniger Schnee im Flachland und in mittleren Lagen wird sich fortsetzen, in dem Maße, wie sich die Erde weiter erwärmt.

Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte nach einem noch härteren Wintereinbruch in den USA 2019 ironisch gesagt: „Es wäre nicht schlecht, jetzt gerade mal wieder etwas von der guten alten Erderwärmung zu haben.“ Wieso ist generell die Kenntnis über die meteorologischen Zusammenhänge so gering?

Es ist nicht leicht für Laien, den menschlichen Klimaeinfluss vor dem Hintergrund der starken natürlichen Variabilität zu erkennen. Noch ist die globale Erwärmung relativ gering, weswegen sich bisher das Wettergeschehen nur leicht, wenngleich spürbar verschoben hat. Man sieht die Verschiebung gerade bei den Extremen. So nehmen Frosttage deutlich ab und heiße Tage mit Höchsttemperaturen von 30 Grad und darüber stark zu.

In Deutschland 2021 keine großartigen Maßnahmen gegen Klimawandel zu erwarten

Das Jahr 2020 war global gleichauf mit 2016 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Was ist Ihre Prognose für 2021?

Das Jahr 2021 wird zu warm werden, wahrscheinlich wird es sogar zu den „Top Ten“ seit Beginn der Beobachtungen gehören. Ob es einen neuen Rekord gibt, ist schwer zu sagen. Es sieht aber nicht danach aus, weil im Moment das Klimaphänomen La Niña im tropischen Pazifik mit seinem kühlenden Einfluss die globale Erwärmung überlagert.

Klimaforscher Mojib Latif. Imago images

Und was erwarten Sie von der Klimapolitik im zweiten Corona-Jahr?

Leider wenig. Der Druck durch die Pandemie ist so groß, dass jetzt überall auf der Welt in erster Linie nur kurzfristig gedacht wird. Bei uns in Deutschland haben wir zudem ein Superwahljahr und im Herbst die Bundestagswahl. Da dürften jetzt keine tiefgreifenden Maßnahmen zu erwarten sein. (Interview: Joachim Wille)

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