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„Good News“ vom Klimawandel: Weniger Hurrikane zu verzeichnen

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Von: Joachim Wille

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September 2019: Hurrikan „Dorian“ vor Florida. NOAA/ZUMA Wire/dpa
September 2019: Hurrikan „Dorian“ vor Florida. © GOES-16-Satellit/NOAA/dpa

Die globale Erwärmung senkt die Häufigkeit von Tropenstürmen. Dafür fallen sie umso heftiger aus.

Florida - Der Klimawandel verstärkt die Wetterextreme. Es treten mehr Dürren, aber auch mehr Überschwemmungen auf, deren Intensität zudem zunimmt. Doch nicht immer trifft diese Regel zu. So hat die Zahl der Hurrikane und anderer Stürme in den Tropen sogar abgenommen, wie ein internationales Forschungsteam jetzt in einer Studie zeigte. Durchweg positiv ist die Entwicklung nicht: Die Intensität der Stürme nahm zu – und dürfte sich weiter verstärken.

Laut der Untersuchung sind die tropischen Wirbelstürme seit Beginn der Industrialisierung und damit der Erhöhung des Treibhausgas-Anteils in der Atmosphäre seltener geworden. Konkret: Die Häufigkeit pro Jahr hat um 13 Prozent abgenommen, wenn man die Periode von 1850 bis 1900, in der die Erwärmung noch minimal war, mit der Periode von 1901 bis 2010 vergleicht. Von 1950 an verstärkte sich die Abnahme, sie beträgt dann sogar 23 Prozent. Dieser Trend fand sich in den meisten Ozeanen der Welt. Eine Ausnahme bildet der Nordatlantik, wo die Anzahl der Stürme zunahm.

Klimawandel: Weniger Schauer und Gewitter als früher

Hurrikane, Taifune oder Zyklone richten oft große Schäden an, wenn sie auf Küsten treffen. Sie beziehen ihre Energie aus der feuchtwarmen Luft über tropischen Meeren. Sie bilden sich nur, wenn bestimmte Bedingungen herrschen, die aus einer Ansammlung von Gewittern jene riesigen, wirbelnden Wärmekraftmaschinen machen. Die Klimaveränderungen lassen diese Bedingungen offenbar seltener eintreten. Wenn sie aber da sind und Wirbelstürme auftreten, fallen diese wegen der höheren Wasser- und Lufttemperaturen dann stärker aus.

Das Team um den australischen Atmosphärenwissenschaftler Savin Chand von der Federation University in Ballarat, Bundesstaat Victoria, erklärt den Rückgang der Häufigkeit in der in „Nature Climate Change“ erschienenen Arbeit mit zwei Veränderungen in der Erdatmosphäre. Danach haben sich zwei wichtige Zirkulationssysteme abgeschwächt, die Hadley-Zirkulation und die Walker-Zirkulation, zudem seien die Luftschichten in mittlerer Höhe dort trockener geworden. Dadurch gebe es in den Tropen heute insgesamt weniger Schauer und Gewitter als früher.

Klimawandel: Wärmeres Wasser als Treiber

Im Nordatlantik hingegen nahm die Häufigkeit in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zu, nachdem sie in der ersten Hälfte im Gleichklang mit der Situation in den anderen Weltmeeren abgenommen hatte. Chand und sein Team sehen als mögliche Ursache, dass die Wassertemperaturen in dieser Region in den letzten Jahrzehnten überdurchschnittlich gestiegen sind, was Wirbelstürme dort stark begünstigte und andere, eher bremsende Faktoren überlagere. Allerdings könnte es auch mit einer besseren Erkennung von Stürmen zusammenhängen.

Die Klimaforschung versuchen seit Jahrzehnten, die Auswirkungen des Klimawandels auf tropische Wirbelstürme klarzustellen, da dies Auswirkungen auf die Zerstörungen und die Opferzahlen haben kann. Klimamodelle ließen zwar erwarten, dass die Zahl der Stürme abnehmen würde, doch das konnte wegen schlechter Datenlage nicht bestätigt werden. Satelliten liefern detaillierte Daten zu tropischen Wirbelstürmen erst seit den 1970er Jahren. Das reicht zur Feststellung von Langfristtrends nicht aus.

Klimawandel: Wirbelstürme nicht weniger bedrohlich

Das Chand-Team stützte sich auf eine einheitliche Messgröße, den Luftdruck in der Nähe der Meeresoberfläche. Es entwickelte mit einer sogenannten Re-Analyse einen einheitlichen Datensatz für die Zeit zwischen 1850 und 2010. „Das bringt uns nahe an das heran, wie die Beobachtung ausgesehen hätte“, erläutert der Studienleiter. Chand sagte, der Rückgang der Häufigkeit sei einerseits „good news“. Es bedeute jedoch nicht, dass Wirbelstürme, wenn sie denn entstehen, weniger bedrohlich würden.

Es sei vielmehr wahrscheinlich, dass ihre Intensität zunimmt. Die Stürme, die sich bilden, bezögen mehr Energie aus der sich erwärmenden Atmosphäre. „Deshalb werden sie intensiver“, sagte er. „Das Klima verändert sich, und der Mensch ist die Hauptursache.“ Daher sei es sehr wichtig, den Einfluss des Klimawandel auf alle Extremwetter-Ereignisse zu analysieren. Es handelt sich bei der neuen Studie um eine „sehr interessante und wichtige Arbeit“, kommentierte der Christopher Landsea vom Hurrikan-Zentrum der US-Wetterbehörde NOAA, der nicht an der Studie beteiligt war. Dem Indodienst „Carbon Brief“ sagte er: „Die Feststellung, dass die Zahl der tropischen Stürme und Hurrikane aufgrund der anthropogenen globalen Erwärmung weltweit ab- und nicht zunimmt, mag für Außenstehende eine Überraschung sein.“ Für Expert:innen sei es nicht so. „Dieses Ergebnis wurde seit einigen Jahrzehnten vorhergesagt.“ (Joachim Wille)

Link zum Artikel: https://www.nature.com/articles/s41558-022-01388-4

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