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Meerestemperaturen steigen stark – Laut Forschenden „besorgniserregend und beunruhigend“

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Die Temperatur der Meere ist so hoch wie noch nie, das bereitet Klimaforschenden Sorgen, denn die Auswirkungen sind auch an Land extrem.

Frankfurt – Die Folgen der Erderwärmung bekommen viele Menschen bereits zu spüren, auch in Europa. In diesem Jahr gab es den ersten Waldbrand in Spanien bereits im März, währenddessen ist der Gardasee in Italien so niedrig, wie noch nie vorher. Doch genauso extrem wie an Land sind die Temperaturen im Wasser – mit fast 21 Grad Celsius Durchschnittstemperatur sind die Ozeane so warm wie nie zuvor. Das hat drastische Folgen.

Durchschnittliche MeerestemperaturDatum
21 Grad CelsiusApril 2023
20 Grad CelsiusApril 1985

Forschende sind über die steigenden Meerestemperaturen besorgt: „besorgniserregend und beunruhigend“

Ein Grad mehr oder weniger mag nach kaum einem Unterschied klingen, doch bereits ein Anstieg um 0,1 Grad im Ozean entspricht einer gigantischen Energiemenge, ordnet Anders Levermann, Wissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), die Meerestemperatur ein. „Die Wärmekapazität des Wassers ist sehr viel höher als die der Luft oder des Landes“, ergänzt er. „Man kann daran sehen, dass wir selbst innerhalb der globalen Erwärmung so weit außerhalb der normalen Schwankungen sind, dass das besorgniserregend und beunruhigend ist.“

Mit extremen Folgen. Bei einer Erwärmung weichen viele Fische in kühlere Meeresregionen aus oder es kommt sogar zum Fischsterben, wie in Spanien im Jahr 2021. Dadurch kommt es zu einer Verschiebung der Artenzusammensetzung. Das wiederum hat Folgen für die ganze Nahrungskette, erklärt Thorsten Reusch, Biologe am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. In wärmerem Wasser werden viele Fische zudem kleiner, am schlechtesten vertragen jedoch Korallen die hohen Temperaturen. Ab 30 Grad Celsius beginnen sie auszubleichen und sterben ab. Die Folgen der steigenden Meerestemperatur beschränkt sich jedoch nicht aufs Wasser.

Steigende Meerestemperaturen besorgt Forschende – Wetterextreme auch an Land

Die Wassertemperatur wirkt sich auch auf das Land aus, denn die Ozeane dienen als Wärmepuffer und Energielieferant der Atmosphäre, erklärt Levermann. „Wenn diese Energie frei wird, gibt es häufiger und intensivere Extreme.“ So können beispielsweise Taifune und Hurrikans entstehen. „Aber es geht auch um Starkregen, denn eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf halten. Dadurch werden Überschwemmungen verstärkt, auch in unseren Breiten.“ Für den Wissenschaftler sind die Ozeane, die rund 70 Prozent der Erde bedecken, wie eine gigantische Klimaanlage. „Und die läuft gerade warm.“

Ein Auto im Hochwasser
Die steigenden Meerestemperaturen können auch zu Extremwetter wie Überschwemmungen an Land führen. (Symbolbild) © Stefan Sauer/dpa

Reusch betrachtet die steigenden Meerestemperaturen ebenfalls mit großer Sorge. „Wenn wir wie jetzt von einem höheren Niveau aus starten, haben wir natürlich auch ein höheres Risiko, uns im Sommer auf der Nordhalbkugel neue Extremwerte einzufangen.“ Das bedeutet auch höhere Temperaturen in Regionen der Meere, die noch von Eis bedeckt sind. Wenn dieses Eis schmilzt, steigt wiederum der Meerespegel und bedroht das Land, deshalb beschäftigt sich auch die UN-Ozeankonferenz mit den steigenden Meerestemperaturen. Die Meere und ihre Bewohner haben nicht nur mit steigenden Temperaturen zu kämpfen, mehrere Studien warnen auch vor einer Flut an Plastikmüll im Meer.

Meerestemperaturen steigen und Forschende sind besorgt – auch wegen des Treibhauseffekts

Doch auch fernab des Wetters sind Meere und Ozeane sehr wichtig, denn sie gehören zu den größten Kohlenstoffsenken der Erde und dämpfen massiv den Treibhauseffekt ab – zumindest noch. „Bisher verschwanden 30 Prozent des menschengemachten Kohlendioxids über die sogenannte biologische Kohlenstoffpumpe in der Tiefsee. Das wird durch die Erwärmung abgeschwächt“, erklärte Reusch. Mit der aktuell gemessenen Erwärmung betritt die Menschheit auch laut Levermann unbekanntes Territorium.

Angesichts dieser Lage muten einige Äußerungen fragwürdig an – auf die Frage nach der Verantwortung des Menschen gegenüber Klima und nachfolgenden Generationen beispielsweise sagte ein Millionär im ZDF „Nach mit die Sintflut, ich habe keine Kinder.“ (kiba/dpa)

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