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Den Forschenden zufolge sterben acht Millionen Menschen weltweit im Jahr infolge von Luftverschmutzung. Besonders betroffen ist China. AFP
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Den Forschenden zufolge sterben acht Millionen Menschen weltweit im Jahr infolge von Luftverschmutzung. Besonders betroffen ist China. AFP

Studie über Luftverschmutzung

Kleine Killer

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Die Folgen der Verbrennung von Kohle und Erdöl sind offenbar verheerender als angenommen. Einer Studie zufolge sollen Schadstoffe in der Luft weltweit für jeden fünften Todesfall verantwortlich sein.

Luftverschmutzung durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle und Erdöl ist ein Killer – sie verkürzt die Lebenserwartung vieler Menschen weltweit. Das haben Studien in der Vergangenheit immer wieder gezeigt. Das Risiko vorzeitiger Todesfälle durch die so entstehenden Partikelemissionen in der Luft ist aber offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Eine neue Untersuchung zeigt, dass weltweit pro Jahr mehr als acht Millionen Menschen daran sterben. Das heißt: Etwa jeder fünfte Todesfall geht auf das Konto vom Kohle & Co.

Am stärksten betroffen sind laut der Studie Indien und China, wo die Kohleverbrennung eine sehr große Rolle spielt. Die beiden Länder haben die höchsten Todesraten durch Luftverschmutzung. Aber auch Europa und Nordamerika sind Schwerpunkte. In Deutschland gibt es jährlich knapp 200 000 vorzeitige Todesfälle durch verschmutzte Luft, das entspricht rund 22 Prozent der Gesamtzahl. Besonders betroffen sind das Ruhrgebiet, Berlin, Frankfurt und Hamburg.

Erarbeitet wurde die Studie von der renommierten US-amerikanischen Harvard University in Zusammenarbeit mit drei britischen Universitäten (Birmingham, Leicester, University College London), veröffentlicht am Dienstag in der Zeitschrift „Environmental Research“.

Diese neuen hohen Zahlen überraschen. Denn frühere Studien kamen zu weitaus niedrigeren Hochrechnungen. So bezifferte die jüngste internationale „Global Burden of Disease Study“, die als größte und umfassendste Studie zu den Ursachen der Sterblichkeit weltweit gilt, die Gesamtzahl der Todesfälle durch Feinstaub in der Außenluft auf 4,2 Millionen Menschen jährlich – und zwar einschließlich des Rauchs von Waldbränden und vom Abbrennen von Feldern in der Landwirtschaft.

So stellt sich die Frage: Wie kommen die Wissenschaftler:innen auf eine so hohe Zahl von Todesfällen allein durch fossile Brennstoffe? 2018 waren es nach ihren Daten rund 8,7 Millionen.

Die Expertinnen und Experten entwickelten ein neues Modell zur Risikobewertung der Luftverschmutzung, das die Schwachstellen bisheriger Berechnungen behebt. Denn obwohl seit Jahrzehnten bekannt ist, dass Feinstaub gefährlich ist, habe es bisher nur wenige epidemiologische Studien gegeben, die die Gesundheitsfolgen von sehr starker Luftverschmutzung analysierten, wie sie in China oder Indien vorkommt. In früheren Studien seien die bekannten Daten zum Passivrauchen in Innenräumen genutzt worden, um die Folgen der hohen Werte im Freien abzuschätzen. „Neuere Untersuchungen aus Asien haben jedoch gezeigt, dass dieser Ansatz das Risiko bei hohen Konzentrationen der Außenluftverschmutzung erheblich unterschätzt“, erläutern die Forschenden.

Die Studie nutzt ein in Harvard entwickeltes globales 3-D-Modell der Atmosphärenchemie, dessen Ergebnisse anhand von Luftmessungen sowie flugzeug- und satellitengestützten Beobachtungen auf der ganzen Welt überprüft worden seien. Anstatt Durchschnittswerte zu nutzen, die große Regionen betreffen, habe man möglichst genau kartiert, „was die Menschen einatmen“, so die Forscher:innen.

Damit konnte nun auch gezeigt werden, dass Luftreinhaltemaßnahmen tatsächlich positive Folgen haben. Beispiel China: Nachdem die Regierung in Peking unter anderem besonders schmutzige Industriebetriebe und Kohlemeiler stilllegte, konnte man das laut der Studie sogar in den globalen Zahlen ablesen. 2012 hätten die Feinstaub-Toten noch 21,5 Prozent der gesamten Todesfälle ausgemacht, 2018 seien es „nur“ noch 18 Prozent gewesen.

Harvard-Professor Joel Schwartz kommentiert: „Wenn wir über die Gefahren der Verbrennung fossiler Brennstoffe diskutieren, geschieht dies oft im Kontext von CO2 und Klimawandel, und wir übersehen die potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen der Schadstoffe, die zusammen mit den Treibhausgasen emittiert werden.“ Er hoffe, dass die neue Studie nun Politiker:innen noch klarer mache, welche Vorteile der Übergang zu alternativen Energiequellen bringe.

Kohlekraftwerk Weisweiler: Deutschland verzeichnet laut der Studie jährlich 200 000 vorzeitige Todesfälle durch verschmutzte Luft. AFP

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