Die Hauptutensilien dieses Spiels sind ein leeres Blatt Papier und ein Stift.
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Die Hauptutensilien dieses Spiels sind ein leeres Blatt Papier und ein Stift.

Der Kartograph

Kleine Bäumchen, hübsche Seen, fiese Monster

Auf Expedition im Auftrag der Königin: „Der Kartograph“ ist ein Spiel der Kategorie Flip & Write für bis zu 100 Spieler. Eine Spielerezension von Hunter & Cron.

Die Hauptutensilien dieses Spiels sind ein leeres Blatt Papier und ein Stift. Ein leeres Blatt Papier? Nein, nicht ganz, denn bereits ein paar Berge, alte Ruinen in Form zerfallener Säulen und sogar eine tiefe Schlucht bilden die karge, zu erkundende Königslandschaft. Sie bildet den Ausgangspunkt für unzählige, ereignisreiche Erkundungstouren die man als Kartograph der Königin in diesem gehobenen Familienspiel vollbringt.

Die Beschreibung verspricht große Abenteuer: Ein Jahr lang, durch alle vier Jahreszeiten, sollen Kartographen das Königreich durchstreifen, um neue Gebiete, Dörfer und Landschaften zu entdecken. Natürlich lauern auf einer Expedition unzählige Gefahren und so muss man sich gegen gefährliche Monster zur Wehr setzen, um die besonders geschätzten Ländereien der Königin ausfindig zu machen.

Doch wie findet man die Ländereien? Hier kommt die Kategorie des Spiels zum Tragen: Flip & Write. Müsste man nach den Exit- und Detektiv-Spielen der vergangenen Jahre einen neuen Trend ausmachen, es wären Spiele in denen etwas gewürfelt (auch Roll & Write genannt) oder eine Karte aufdeckt wird und das Ergebnis mit einem Stift auf einem Zettel eingezeichnet wird. So haben wir bei „Railroad Inc.“ ein komplexes Schienennetz gebaut, bei „Welcome to…“ eine ganze Stadtsiedlung konstruiert und bei „Ganz schön clever“ eher in Kniffel-Manier unterschiedliche Augenzahlen festgehalten um schließlich Siegpunkte zu erlangen.

Ebenso funktioniert „Der Kartograph“. Wir spielen uns in mehreren Runden durch die vier Jahreszeiten. In jeder Runde wird eine Karte aufgedeckt, die zwei Informationen offenbart: die Ausmaße der neu entdeckten Landschaft, in Form eines Tetris-Plättchens, ebenso wie den Landschafts-Typ: es gibt Wald, Dorf, Acker, Wasser und natürlich Monster.

Jetzt beginnt das lustige einzeichnen! Wenn jeder Spieler in jedes einzelne Feld seiner Karte die Landschaft in Form eines kleinen Bäumchens oder einen kleinen See einzeichnet, oder vielleicht gar mit unterschiedlich farbigen Stiften den kargen leeren Zettel zum Leben erweckt, hat es etwas magisches. Hier gelingt es dem Spiel in seine Welt zu versinken und man freut sich richtig darüber sein eigenes Königreich wachsen und gedeihen zu sehen. Und keine Sorge, künstlerische Zeichentalente sind nicht vonnöten – glaubt uns, wir sprechen aus Erfahrung!

Aber Vorsicht! Erkundungen können natürlich auch tückisch sein! So entdeckt man nicht immer ein schönes Dorf oder einen kühlen See, manchmal wird man auch in einen Hinterhalt gelockt und böse Kreaturen lauern auf einen. Diese Monster sind das Salz in der Suppe! Denn jetzt zeichnet man nicht selbst, sondern ein Mitspieler darf die häßlichen Monsterfratzen in das penibel kartographierte Gebiet einzeichnen. Eine wunderbare Interaktion mit den Mitspielern, denn obwohl dieser Angriff einem im wahrsten Sinne einen ganz schönen Strich durch die Rechnung machen kann, fühlt sich niemand wirklich benachteiligt, schließlich geben alle Spieler die Karte an den Nachbarn weiter und somit sind alle Spieler am Tisch gleichermaßen von der Attacke betroffen.

„Der Kartograph“ ist ein wirklich großartiges Spiel und wurde von der Jury „Spiel des Jahres“ neben zwei anderen Titel zum „Kennerspiel des Jahres“ nominiert. Es bietet mit übersichtlichem Material und schnell erlernten Regeln eine wirkliche tolle Spieltiefe und versteht es in seinen Bann zu ziehen und phantastisches, kurzweiliges Spielvergnügen zu bieten.

Wer dann noch tiefer eintauchen möchte, für den verrät der Untertitel des Spiels noch mehr: Das „Roll Player“-Universum. „Der Kartograph“ hat erstmal nichts mit dem ebenfalls bei Pegasus Spiele erschienen „Roll Player“-Würfelspiel zu tun. Dort entwickelt man mit Würfeln einen Rollenspielcharakter und gibt ihm unterschiedliche Stärken. Eine Ankündigung seitens des Verlages lässt jedoch vermuten, dass sich gerade ein Spiel in der Entwicklung befindet, dass diese beiden Spiele zusammenführt. Vielleicht kann man also bald mit dem selbst entwickelten Charakter des einen Spiels in den erkundeten „Kartograph“-Gebieten des anderen Spiels umherziehen. Was es aber genau sein wird und wann es dazu kommt, bleibt Teil der vorfreudigen Erwartung und lässt somit noch viel Zeit für unzählige weitere „Kartograph“-Partien!

Bis in zwei Wochen und viel Spaß beim Spielen wünschen eure Hunter & Cron.

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