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Virologe Stöhr: Neue Booster-Empfehlung der Stiko macht „in diesem Jahr besonders Sinn“

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Von: Patrick Huljina

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Die Stiko will ihre Empfehlung für eine zweite Booster-Impfung auf alle Personen ab 60 Jahren ausweiten. Virologe Klaus Stöhr hält das für sinnvoll.

München - Die Ständige Impfkommission will offenbar ihre Impfempfehlung für einen zweiten Booster gegen das Coronavirus ausweiten. Das berichtete die Bild am Montag (15. August) unter Berufung auf einen vertraulichen Entwurf. Demnach soll die Stiko die zweite Auffrischimpfung künftig auch für alle Menschen ab 60 Jahren empfehlen.

Dem Bericht zufolge sei die Bedingung dafür, dass die erste Booster-Impfung oder die letzte Corona-Infektion mindestens sechs Monate her sei. Nur in Einzelfällen könne der Abstand auf vier Monate reduziert werden. Bislang galt die Stiko-Empfehlung für den zweiten Booster nur für Menschen ab 70 Jahren, Menschen in Pflegeeinrichtungen, Menschen mit Immunschwäche und erhöhtem Risiko für schwere Covid-19-Verläufe ab fünf Jahren sowie Beschäftigten in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen.

Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr.
Virologe Klaus Stöhr äußerte sich gegenüber Merkur.de von IPPEN.MEDIA zu den Berichten über die neue Booster-Empfehlung der Stiko. (Archivbild) © Sven Hoppe/dpa

Virologe Stöhr: Neue Booster-Empfehlung der Stiko macht „in diesem Jahr besonders Sinn“

Der Epidemiologe und Virologe Klaus Stöhr äußerte sich gegenüber Merkur.de von IPPEN.MEDIA zu den Berichten über die neue Booster-Empfehlung der Stiko. „Bedenkt man, dass circa 99 Prozent der Todesfälle bei Über-50-Jährigen und 90 Prozent bei Über-60-Jährigen auftraten, macht es Sinn, in diesem Herbst dieser Altersgruppe nochmals eine Auffrischungsimpfung vor der Hauptsaison der Atemwegserkrankung, dem Winter, anzubieten“, erklärte Stöhr. Gleiches gelte für die Influenza.

„In diesem Jahr macht das besonders Sinn, weil sicherlich noch nicht alle Personen mindestens eine, besser jedoch mehrere Male, eine natürliche Immunität nach einer Corona-Infektion aufbauen konnten“, fügte der Experte hinzu. „Ob die Auswirkungen der SARS-CoV-2-Infektion im nächsten Winter nochmals eine Impfung der Über-60-Jährigen in der Abwägung der Vor- und Nachteile vernünftig erscheinen lassen, müssen wir im nächsten Jahr sehen“, so Stöhr.

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Die EU-Behörden ECDC und EMA hatten die Mitgliedsstaaten bereits Anfang Juli dazu aufgerufen, eine zweite Booster-Impfung ab 60 Jahren anzubieten. Damals hatte sich Stöhr gegen eine sofortige Auffrischung ausgesprochen, um eine Verpuffung der Wirkung bis zum Herbst zu vermeiden.

Neue Booster-Empfehlung der Stiko: Lauterbach dankt – Ulrichs hält sie für „überfällig“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte einen zweiten Booster für breitere Bevölkerungsgruppen schon wiederholt ins Gespräch gebracht. Via Twitter schrieb er zu den Berichten über die neue Empfehlung: „Dank an die Stiko, dass jetzt die Empfehlung der vierten Impfung für die Ü60-Gruppe kommt.“ Dies sei ein „wichtiger Schritt“ in die richtige Richtung. Menschen über 60 sollten nicht auf den angepassten Omikron-Impfstoff warten, betonte er in seinem Tweet. „Jetzt ist das Risiko schon da. Vorhandene Impfstoffe schützen vor schwerem Verlauf“, so Lauterbach.

Der Berliner Epidemiologe und Hochschul-Professor Timo Ulrichs hält den Entwurf der neuen Stiko-Empfehlung für „überfällig“. Gegenüber Merkur.de von IPPEN.MEDIA betonte er, dass sie nicht weit genug gehe: „Die Datenlage ist eindeutig, was die Schutzwirkung von Auffrischimpfungen auch bei Jüngeren angeht.“ Laut dem Experten sollte die Stiko auch weitere Altersgruppen miteinbeziehen, um mit Blick auf den Herbst und Winter das „Risiko für die Entwicklung von Long Covid“ zu senken. (ph)

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