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Julia Peresild reist als erste Schauspielerin zur ISS.
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Julia Peresild reist als erste Schauspielerin zur ISS.

Raumfahrt

Kino im Kosmos

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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Rund 60 Jahre nach Juri Gagarins Erstflug gewinnt Russland mal wieder ein Weltraumwettrennen gegen die USA. Roskosmos schickt die erste Spielfilm-Crew ins All

Zum Start der Rakete „Sojus MS-19“ hatte Roskosmos sogar Elon Musk eingeladen. „Jetzt müssen wir darauf warten“, heißt es auf dem Roskosmos-Portal, „wie er auf die schon klassische russische Frage antwortet: ,Wie finden Sie das, Elon Musk?“

Russlands staatliche Raumfahrtgesellschaft frohlockt: Am Dienstag hat man mit „MS-19“ die erste professionelle Filmcrew ins All geschossen. Die Schauspielerin Julia Peresild und der Regisseur Klim Schipenko flogen mit dem Kosmonauten Anton Schkaplerow zur Internationalen Raumstation ISS. Und damit gewinnt Russland gut 60 Jahre nach Juri Gagarins kosmischen Erstflug endlich mal wieder ein Weltraumwettrennen gegen die USA.

Tom Cruise startet später

Im Mai 2020 hatte die NASA verlauten lassen, man wolle Tom Cruise in einer Raumfähre Elon Musks auf die ISS befördern, um dort Science Fiction zu drehen. Aber die USA zauderten, ein für Anfang 2022 geplanter Termin ist inzwischen geplatzt. Während Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin das russische Filmprojekt mit dem programmatischen Namen „Herausforderung“ persönlich bei Wladimir Putin durchdrückte und als Produzent des Films einstieg. „Ich selbst habe mehrere Drehbuchfassungen korrigiert“, zitiert ihn die Agentur RIA Nowosti.

Roskosmos hat im Gegensatz zu Musk kein mehrfach verwendbares Raumschiff am Start, deshalb opferte Rogosin für „Herausforderung“ eine der drei für 2021 gebauten Sojus-Raketen. Zwei ihrer planmäßigen Besatzungsmitglieder, seit über einem Jahr im Training für ihren wissenschaftlichen Einsatz auf der ISS, wurden gestrichen. Dafür müssen zwei andere Kosmonauten, die eigentlich mit der MS-20-Raumkapsel auf die Erde zurückkehren sollten, ein halbes Jahr länger Dienst im All tun.

Mehrere Raumfahrer kritisierten das Projekt. Auch wegen seiner Kosten. Nach Angaben des Wirtschaftsportals „bell.io“ kosten Bau und Start der Sojus-Rakete knapp 53 Millionen Dollar, zwei NASA-Piloten hätten für einen Sitzplatz darin 110 Millionen Dollar bezahlen müssen. Der Ausflug der Filmcrew kostet Russlands Steuerzahlerinnen und Steuerzahler also etwa das Dreifache dessen, was die erfolgreichsten russischen Kinostreifen bisher eingespielt haben.

„Diese Mittelverschleuderung ließe sich noch entschuldigen, wenn der Film eines von vielen realen Projekten wäre, wenn wir uns gleichzeitig der Sonnenoberfläche näherten und den Mars erforschten“, räsoniert der Kosmonaut Fjodor Jurtschichin gegenüber der Zeitung „Nowaja Gaseta“. „Aber was bringt das Projekt ,Herausforderung‘ der Wissenschaft?“ Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte dagegen, es sei großartig, die vaterländischen Errungenschaften im Kosmos zu popularisieren.

Auf zum Dreh: Anton Schkaplerow (vorne), Julia Peresild und Klim Schipenko.

Mangels professioneller Schauspielerinnen und Schauspieler werden auf der ISS russische Kosmonauten die raumfahrenden Nebenrollen mimen. Auch Hauptdarstellerin Peresild spielt in gewisser Weise sich selbst: Sie und Regisseur Schipenko bereiteten sich in einem Crashkurs von drei Monaten auf den Flug ins All vor. Peresilds Heldin aber ist eine Herzchirurgin, die nur einen Monat zum Raumfahrttraining hat, bevor sie einen von kosmischen Trümmern verletzten Kosmonauten mit einer Operation in der Schwerelosigkeit retten soll ...

Russische Raumfahrer versprechen den Filmleuten, sie würden in der ISS angesichts des fantastischen Blicks auf den Erdball zuerst in Euphorie verfallen. Dann aber drohten ihnen infolge der Schwerelosigkeit Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Übelkeit. Und es bleibt abzuwarten, wie stark die Symptome dieser Adaptionsphase die Filmarbeiten beeinträchtigen werden. „Woher wisst Ihr“, fragt der Kosmonaut Michail Kornijenko einen Reporter, „dass sie dort nicht zehn Tage lang kotzen werden?“

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