Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frankreich erlaubt die künstliche Befruchtung für lesbische und alleinstehende Frauen.
+
Frankreich erlaubt die künstliche Befruchtung für lesbische und alleinstehende Frauen.

Künstliche Befruchtung

Revolution in Frankreich: Kinder für alle

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
    schließen

Frankreich erlaubt künstliche Befruchtung für lesbische und alleinstehende Frauen.

Paris - In einem waren sich Befürworter:innen und Gegner:innen einig: Das Bioethik-Gesetz bewirkt in Frankreich eine gesellschaftliche Revolution. Erstmals erhalten Frauen die Möglichkeit, ihren Kinderwunsch auch ohne einen sichtbaren Vater zu erfüllen. Die französische Nationalversammlung hat die Neuerung am Dienstag (30.06.2021) abgesegnet. Verdrängt von Fußball-EM und Regionalwahlen ging das seit zwei Jahren umstrittene Gesetz mit klarer Mehrheit durch: 326 Abgeordnete stimmten dafür, 115 dagegen, bei 42 Enthaltungen.

Frauen- und LGBT-Verbände kündigten an, dass noch 2021 erste Befruchtungen stattfinden sollen. Familienminister Adrien Taquet von der Mittepartei „La République en marche“ sprach von einem „sehr schönen Moment der Demokratie“. Andere Vertreter:innen der Macron-Partei würdigten einen „zivilisatorischen Fortschritt“.

Frankreich: Konservative befürchten Verlust der väterlichen Autorität

Gegnerinnen und Gegner der Vorlage beklagen ihrerseits einen „zivilisatorischen Bruch“. Julien Ravier von der konservativen Partei „Les Républicains“ erklärte, Frankreich werde „Kinder ohne Vater zulassen“. Das sei nicht nur ein ethisches, sondern auch gesellschaftspolitisches Problem in Zeiten, da überall der Verlust der väterlichen oder elterlichen Autorität bedauert werde. Die rechte Abgeordnete Emmanuelle Ménard sprach von einer „moralischen Wasserscheide“, es werde Neugeborenen der natürliche Schutz durch ein Elternpaar entzogen.

Die französische Bischofskonferenz hatte die Vorlage zwar abgelehnt, offiziell beteiligte sie sich aber nicht an einer Gegendemonstration 2019. Die Nationale Ärzteakademie befürchtete „Risiken für die psychologische Entwicklung und die Entfaltung des Kindes“. Der Nationale Ethikrat Frankreichs hatte die Neuerung abgesegnet. Er argumentierte, die Gesellschaft habe sich entwickelt, was es erlaube, zahllosen Frauen ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Auch sehalb war in Frankreich laut einer Umfrage eine klare Mehrheit von 67 Prozent der Menschen für die Verallgemeinerung der künstlichen Befruchtung, die bisher nur auf medizinische Indikation hin zugelassen war.

Anonymität der Samenspender aufgehoben

Um der verbreiteten Kritik an der „Umgehung“ der männlichen Rolle zu begegnen, beschloss das Parlament, die Anonymität der Samenspender aufzuheben. Bei Volljährigkeit können die Kinder die Identität ihres biologischen Erzeugers erfahren. Der Mutter bleibt sie ebenso lange verborgen.

Reaktionen auf das Gesetz machen klar, dass die Debatte in Frankreich keineswegs zu Ende ist. Der Abgeordnete Bastien Lachaud von der Linkspartei der „Unbeugsamen“ sprach von einem „Etappensieg“. Nun gehe es darum, auf dem Weg der Gleichheit weiterzugehen. Damit spielte auf die Leihmutterschaft an, die in Frankreich ein ausgesprochenes Reizthema ist und verboten bleibt. Nur sie könnte aber Männer und Frauen gleichstellen und den Kinderwunsch homosexueller Männer erfüllen. Die Debatte in Frankreich könnte auch eine Vorreiterfunktion für andere europäische Länder haben. Wie etwa in Italien bleibt die künstliche Befruchtung für lesbische oder alleinstehende Frauen in Deutschland untersagt. (Stefan Brändle)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare