Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Diktator Kim Jong-un bei einer Parade zum 75. Jahrestag der Arbeiterpartei in Nordkorea. Er bemüht sich sehr, seine Jugend auf der Parteilinie zu behalten. 
+
Diktator Kim Jong-un bei einer Parade zum 75. Jahrestag der Arbeiterpartei in Nordkorea. Er bemüht sich sehr, seine Jugend auf der Parteilinie zu behalten. 

Machthaber

Nordkorea: Kim Jong-un verlangt Gehorsam – Kampf um die Jugend mit Musik, Frisuren und Drohungen

  • VonSebastian Richter
    schließen

Die Jugend in Nordkorea orientiert sich kulturell zunehmend an ausländischen Trends. Machthaber Kim Jong-un bemüht sich, ihnen sein Ziel vor Augen zu halten.

Pjöngjang – Im Kampf gegen die „kriminellen“ Jugendlichen seines Landes hat Nordkoreas Diktator Kim Jong-un eine neue Strategie. Durch Musik, neuer Unterhaltung und sozialistischen Frisuren will er die Jugend in Form bringen. Außerdem will er dadurch „gefährliche Gifte“ für die Staatsideologie ausrotten.

Die Nordkoreanischen Staatsmedien berichteten am Donnerstag (29.04.2021) von einem Zusammentreffen der Jugendliga der Partei am Dienstag in Pjöngjang. Es war die erste große Sitzung seit fünf Jahren. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der Jugendliga, Pak Chol Min, soll laut dem Nachrichtenportal „NK-News“ die Organisation scharf kritisiert haben. Sie habe es nicht geschafft, „antisozialistische und nichtsozialistische Phänomene unter Jugendlichen“ zu bekämpfen. Pak sollte im Verlauf des Kongresses abgewählt werden.

Jugendliga von Nordkorea trifft sich zur Sitzung – Kim Jong-un schickt nur einen Brief

„Wir müssen Korruption und unsachgemäße Ausübung von Macht oder Autorität vollständig verhindern“, so Pak. Dadurch soll „ein revolutionäres Arbeitssystem und eine revolutionäre Ordnung“ errichtet werden. Junge Nordkoreaner sollen in Zukunft eine „bessere Erziehung in Loyalität, Patriotismus, Antiimperialismus und Moral“ erhalten.

Beim letzten Kongress der Jugendliga trat Kim Jong-un persönlich auf, die Sitzung endete mit einer Rede Kims und einer Propagandashow, bei der Tausende Jugendliche mit brennenden Fackeln Parolen skandierten.

Diesmal war er nicht dabei, stattdessen veröffentlichten die Staatsmedien am Freitag einen Brief des Diktators. Kim Jong-un fordert die Jugendliga des Landes dazu auf, gegen in seinen Augen „widerwärtiges, individualistisches und antisozialistisches“ Verhalten vorzugehen. Der Brief sprach von einem Versagen in der Kontrolle der jungen Generation des Landes. Diese müsse zu ideologisch reineren Parteimitgliedern geformt werden. Innerhalb von 15 Jahren können dann alle Nordkoreaner ein „glückliches Leben“ führen.

Kim Jong-un
Geboren8. Januar 1984
GeburtsortPjöngjang, Nordkorea
EhepartnerinRi Sol Ju (verh. 2009)
KinderKim Ju Ae
GeschwisterKim Yo Jong, Kim Jong Nam, Kim Jong Chol, Kim Sol Song

Nordkorea: Kim Jong-un will die Jugend auf Linie halten

„Wenn man sich die jungen Leute ansieht, die in illegale und kriminelle Aktivitäten verwickelt sind, dann sind das junge Leute, die besonders von der Gruppe getrennt sind oder die organisatorische Kontrolle hassen“, sagte Kim laut der Koreanischen Zentralen Nachrichtenagentur (KCNA). „Das gefährliche Gift, das das Wesen des Sozialismus koreanischer Prägung gegenwärtig befleckt, sind die antisozialistischen und nichtsozialistischen Praktiken.“

Der Kampf gegen die Individualisierung ist in Nordkorea gängige Praxis. Das beginnt schon bei der Wahl der Frisur: Oft wählen die Nordkoreaner aus einer Liste von Frisuren, die von der Regierung genehmigt sind. Quasi eine Sicherheitsmaßnahme, um möglichst nicht aus der Reihe zu tanzen. So auch eine Forderung an die Funktionäre in Kims Brief: „Sprache, Frisur und Kleidung der jungen Leute“ sollen genau kontrolliert werden, auf „abnormale Aktivitäten und psychologische Veränderungen“ oder „Räume, in denen exotische Lebensstile eindringen“ soll genau geachtet werden.

Außerdem spielt Propaganda eine wichtige Rolle in der Erziehung der Jugend. Der staatliche Fernsehsender Nordkoreas strahlte vor kurzem zwei Kurzfilme aus, die sich mit Videospielsucht beschäftigten. Die Moral der Filme: Statt sich Hedonismus und Vergnügungen hinzugeben, könne man die Digitalisierung nutzen, um ein besserer Bürger und Mitarbeiter Nordkoreas zu werden.

Nordkorea: Kim Jong-un kritisiert Jugendliga

Statt sich mit ausländischer Popkultur oder Trends zu beschäftigen, soll sich die Jugend lieber auf den Militärdienst oder wissenschaftliche und technische Berufe vorbereiten, so Kim. Dafür soll die Jugendliga die jungen Menschen in Nordkorea ideologisch besser kontrollieren. Zudem sei der Mitgliederschwund in den ländlichen Regionen ein Thema, um das sich die Liga zu kümmern habe.

Auch der Vorsitzende Pak beklagte den fehlenden Enthusiasmus in der Jugendliga, wenn es um staatliche Bauprojekte und die Schwerindustrie gehe. Die Jugendliga solle „für die schnelle Stärkung der nationalen Verteidigung kämpfen“.

Nordkorea und Kim Jong-un

Alle Informationen finden Sie auf unseren Themenseiten: Nordkorea-News und Kim-News.

Jugend in Nordkorea sehnt sich nach ausländischen Medien

Die Corona-Pandemie und die umfangreiche Abriegelung des Landes spielt dieser Doktrin in die Hände. Sokeel Park, südkoreanischer Landesdirektor von „Freiheit in Nordkorea“ sagte, dass jetzt der optimale Zeitpunkt für Kim sei, um gegen illegale ausländische Medien vorzugehen. „Wir glauben, dass der Medienfluss stark zurückgegangen ist, sodass diese Art des Durchgreifens darauf abzielt, das Material, das bereits ins Land gelangt ist und kursiert, zu beseitigen“, so Park. Kim könne dadurch die „Dinge ein wenig verlangsamen“, doch eine vollständige Kontrolle sei „sehr schwierig“. Das Verlangen der Nordkoreaner nach ausländischen Medien sei sehr stark.

Wenn Nordkoreaner mit Musik oder Filmen aus dem Ausland erwischt werden, drohen ihnen hohe Strafen. Dann können sie sich allerdings noch durch Bestechung aus der Situation retten. „Der Preis für Bestechung wird immer höher, aber die Leute wollen das Zeug sehen und finden irgendwie einen Weg“, sagte Jonathan Corrado, ein Direktor für Politik bei The Korea Society, den NK-News.

„Kim Jong-un muss unter unglaublichem Druck stehen“, so Corrado weiter. „Und das macht es umso wichtiger, dafür zu sorgen, dass alle gehorsam sind, sowohl in sozialer Hinsicht als auch in Bezug auf das Verhalten.“ Anfang März verlangte der Diktator bereits von seinen Beamten, dass sie ihm „Veränderungen und Erfolge“ verschaffen. (Sebastian Richter)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare