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Kevin Trapp ist jetzt auch Unternehmer.
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Kevin Trapp ist jetzt auch Unternehmer.

Eintracht-Torhüter

Kevin Trapp: „Als Unternehmer kann ich meinen eigenen Horizont erweitern“

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Kevin Trapp trinkt schon lange keine Kuhmilch mehr. Der Torhüter der Frankfurter Eintracht und der Nationalmannschaft hat nun eine eigene Hafermilch in der Supermarkt gebracht. Warum er nun auch Unternehmer ist, erzählt er im Interview.

Kevin Trapp ist ein Kaffee-Enthusiast. Zu Hause und im Frankfurter Waldstadion hat der 30-Jährige jeweils eine Siebträger-Maschine aufgestellt. „Bereits um 9.30 Uhr habe ich eine Overdose, also vier, fünf Espressi und einen Cappuccino intus“, erzählt der Torhüter der Frankfurter Eintracht und der Nationalmannschaft und lacht. Er sitzt im Konferenzraum eines Hotels im Frankfurter Westend und trinkt während des Interviews am frühen Abend dann auch noch einen Cortado und einen Espresso. Überdreht ist er aber keineswegs, sondern erzählt gut gelaunt und gelassen, warum er neben seiner Fußballkarriere nun auch Unternehmer ist. Mit Freunden hat er gerade eine eigene Hafermilch auf den Markt gebracht.

Herr Trapp, mussten Sie schon Autogramme auf die Milchtüte geben?

Auf der Packung musste ich noch nicht unterschreiben. Aber ich konnte tatsächlich den Moment kaum erwarten, bis endlich unsere Milch im Regal steht. In der ersten Woche, als die Hafermilch in den Handel kam, ging ich in den Supermarkt und die Kartons standen noch auf dem Boden. Da habe ich angefangen, die Kartons auszupacken und die Hafermilch selbst ins Regal einzuräumen (lacht). Als ein Kunde vorbeilief und sich eine Packung nahm, musste ich anfangen zu schmunzeln. Der Mann erkannte mich und wir haben dann ein Foto zusammen gemacht, natürlich mit korrektem Abstand.

Eintracht-Keeper Kevin Trapp betritt komplett neue Welt

Wie sehr unterscheidet sich das Unternehmersein vom Fußballerleben?

Es ist das erste Mal, dass ich etwas verkaufen muss. In der Vergangenheit war es normalerweise umgekehrt, da kam ein Verein auf mich zu und sagte: „Willst du es bei uns probieren?“ Jetzt musste ich sagen: „Probier’ mal bitte.“ Ehrlich gesagt war ich, als die Gespräche im Rewe-Hauptquartier liefen, sehr nervös. Zudem sehe ich, was alles dahinter steckt: die Organisation, die administrativen Sachen, das Design, rechtliche Themen, die ganzen Testphasen der Milch. Klar haben meine Geschäftspartner und ich ein Team, das uns unterstützt. Aber mich interessiert das auch alles unheimlich. Jetzt als Unternehmer kann ich meinen Horizont erweitern. Es ist eine komplett neue und spannende Welt für mich. Ich lerne jeden Tag dazu.

Auf der Milch steht weder Ihr Name noch ist ein Foto von Ihnen drauf. Warum?

Der Fokus sollte nicht auf mir liegen. Alle haben einen Teil dazu beigetragen – und wir wollten das Produkt für sich sprechen lassen.

Eintracht-Keeper Kevin Trapp: Die Idee entstand im Lockdown

Wie kamen Sie überhaupt darauf, eine eigene Hafermilch rauszubringen?

Die Idee entstand im ersten Lockdown. Meine Geschäftspartner sind Freunde, die in Frankfurt mehrere Gastronomien betreiben. Sie merkten, dass die Nachfrage nach Milchalternativen immer höher wurde. Irgendwann hatten sie Lieferschwierigkeiten mit der Hafermilch, die sie bislang hatten. Wir unterhielten uns und dann kam der Gedanke auf: „Warum machen wir eigentlich nicht unser eigenes Produkt?“ Ich selbst achte sehr auf meine Ernährung. Ich bin kein Vegetarier, aber ich esse viel weniger Fleisch als früher und verzichte fast komplett auf Käse. Und ich trinke schon seit fast vier Jahren keine Kuhmilch mehr.

Haben Sie diese nicht vertragen?

Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich mich jedes Mal sehr aufgebläht gefühlt habe und sehr träge war, wenn ich Cappuccino mit klassischer Milch trank. Die Mannschaftsärzte sagten, ich solle mal Alternativen ausprobieren. Ich habe dann verschiedene Sachen durchprobiert. Mandelmilch im Kaffee hat mir nicht geschmeckt, Kokosmilch schmeckt sehr eigen im Kaffee, Soja ist nicht so gesund. Hafermilch fand ich geschmacklich am besten. Aber man kann sie normalerweise nicht so gut aufschäumen. Genau das war uns bei unserer Milch aber besonders wichtig, dass man sie gut im Kaffee aufschäumen kann.

Eintracht-Keeper Kevin Trapp zeigt Barista-Fähigkeiten

Hatten Sie irgendwann beim Durchprobieren eine Overdose an Hafermilch?

Bei der Blindverkostung schon. Da haben die Baristas verschiedene Sorten an Hafermilch in Cappuccini gemischt – und wir sollten unser Produkt rausschmecken. Irgendwann hatten wir innerhalb von einer halben Stunde acht Cappuccini getrunken. Das war etwas zu viel. (lacht)

Auf Instagram zeigen Sie gerne Ihre Barista-Fähigkeiten. Wann haben Sie diese gelernt?

Als ich 2015 zu Paris Saint-Germain gewechselt bin, gab es in der Nähe, wo ich lebte, nur diese Vollautomaten-Kaffees. Irgendwann habe ich mir dann eine Siebträgermaschine angeschafft und wollte dann auch diese Latte Art können. Ich habe mir auf Youtube ein paar Videos angeschaut und nach ein bisschen Probieren hat es irgendwann geklappt. So gut wie ein Barista bin ich nicht, aber eine Tulpe oder ein Herz auf dem Cappuccino – das geht schon.

Sie sind im Saarland geboren und aufgewachsen. Hatten Ihre Eltern auch schon damals mal vegetarisch gekocht für Sie?

Nicht wirklich. Ich komme ja vom Land. Im Dorf gibt es mehr Kühe als Einwohner (lacht). Das heißt, ich bin dementsprechend mit viel Fleisch und Milch vom Bauern aufgewachsen. Im Saarland ist Grillen auch heute noch gang und gäbe.

Eintracht-Keeper Kevin Trapp hatte schwierigen Start: „Ich glaube, ich mache es nicht“

Apropos Kindheit: Wie war es für Sie, als 14-Jähriger von Zuhause auszuziehen und dann aufs Sportinternat zu gehen, um in der Jugendmannschaft des 1. FC Kaiserslautern zu spielen?

Das war überhaupt nicht einfach für mich. In unserem 1.000-Einwohner-Dorf kannte jeder jeden. Immer, wenn ich auf die Straße gegangen bin, war da ein Freund, der auch gerade draußen war. Ich erinnere mich an den Moment, als ich mit meinem damaligen besten Freund durchs Dorf gelaufen bin und ich ihm erzählte, dass ich die Möglichkeit habe, zum 1. FC Kaiserslautern zu wechseln und dort aufs Sportinternat zu gehen. Und ich sagte zu ihm: „Ich glaube, ich mache es nicht. Ich will nicht weg.“ Dann sagte er zu mir: „Diese Chance kriegst du nur einmal, mache es und wenn es nicht funktioniert, kannst du immer noch zurückkommen.“ Dies war der Moment, als ich mich entschieden habe, zu gehen. Das war für meine Eltern nicht einfach. Ich bin der Älteste von vier Kindern. Und ich war der erste, der von Zuhause ausgezogen ist. Und das mit 14. Und dann war alles neu für mich: neue Freunde, neue Schule und plötzlich lebte ich in einer Stadt. Für mich war Kaiserslautern eine Großstadt. Ich erinnere mich, wie ich einmal in den Bus stieg und komplett in die falsche Richtung fuhr. Ich wusste nicht mehr, wo ich überhaupt bin. Kaiserslautern war anfangs wie ein Dschungel für mich.

Sind Sie dadurch schneller erwachsen geworden?

Ich glaube, dass ich viel von der Selbstständigkeit, die ich heute habe, damals gelernt habe. Klar wurde mir im Internat auch geholfen, da waren Erzieher und Betreuer. Aber es wurde gleichzeitig viel Wert drauf gelegt, dass man sehr selbstständig ist. Es gab eine Kantine für die Hauptmahlzeiten, aber ansonsten ging ich selbst für mich einkaufen und lernte auch früh, meine eigene Wäsche zu machen.

Zur Person

Kevin Trapp wurde 1990 in Merzig im Saarland als Ältester von vier Kindern geboren. Mit 14 Jahren zog er allein nach Kaiserslautern und besuchte dort das Sportinternat. Er spielte zunächst in der Jugendabteilung des 1. FC Kaiserslautern, später in der ersten Bundesliga des Vereins.

Der Torhüter wechselte 2012 zu Eintracht Frankfurt. 2015 bis 2018 spielte er bei Paris St. Germain, mit denen er dreimal französischer Meister wurde. Im Sommer 2018 kehrte er zu Eintracht Frankfurt zurück. Er ist zudem Torhüter der Deutschen Nationalmannschaft. Der 30-Jährige ist Mitbegründer der Hafermilch-Marke Oatmølk. Seit 2018 ist er mit dem brasilianischen Top-Model Izabel Goulart (36) verlobt. rose

Eintracht-Keeper Kevin Trapp: „Supertraurig, dass wir noch immer über Rassismus reden müssen“

Haben Sie noch Freunde aus der Schulzeit? Oder haben Sie nur noch Fußballer-Freunde?

Klar gibt es Freundschaften in der Mannschaft. Aber wenn derjenige wechselt, wird der Kontakt auch weniger. Aus der Zeit im Internat habe ich noch einen Freund. Ansonsten habe ich einen Zirkel aus fünf, sechs Freunden, die ich fast alle aus meiner Zeit in Kaiserslautern kenne. Ein paar von ihnen sind berufsbedingt auch nach Frankfurt gezogen. Das sind alles keine Fußballer. In Frankfurt habe ich 2018 die Jungs, die jetzt meine Geschäftspartner sind, in ihrem Café kennengelernt. Wir sprachen nie über Fußball, sondern über Kaffee, verschiedene Interessen und Lifestyle. Das war sehr angenehm, weil es etwas anderes war. Irgendwann haben wir uns besser kennengelernt und daraus ist eine Freundschaft entstanden.

Vor kurzem trugen Sie und Ihre Eintracht-Kollegen ein Jahr nach dem Attentat in Hanau zum Gedenken Trainingsjacken mit den Gesichtern und Namen der Opfer darauf. Wie sehr hat Sie persönlich die Tat bewegt?

Das Hanauer Attentat ist deshalb so schlimm, weil die Tat von Rassismus getrieben war. Ich persönlich finde es zudem supertraurig, dass wir 2021 noch immer über Rassismus reden und Kampagnen machen müssen, weil Menschen aus rassistischen Motiven andere umbringen. In den USA müssen Leute immer noch auf die Straße gehen, weil Menschen wie George Floyd von Polizisten getötet werden. Ich verstehe das nicht. Events wie Konzerte oder Fußballspiele bringen Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern zusammen. Alle haben nur ein gemeinsames Ziel: Die Mannschaft anzufeuern, dem Musiker zuhören, sich darauf gemeinsam zu freuen. Ich erinnere mich, wie 2019 bei einem Länderspiel der Nationalmannschaft in Wolfsburg ein paar Zuschauer rassistische Sprüche in Richtung zweier Teamkollegen reingebrüllt haben. Das sind so Momente, in denen ich denke: „Das kann nicht wahr sein – das darf nicht wahr sein. Was soll das?“ Die Religion oder Hautfarbe eines Menschen hat keine Rolle zu spielen.

Eintracht-Keeper Kevin Trapp hasst Streitereien

In einem Interview sagten Sie kürzlich, dass Sie versuchen, Dinge, die über Sie als Torwart geschrieben werden, wenn möglich gar nicht zu lesen. Warum?

Es werden so viele Dinge geschrieben, die oft nicht stimmen und reine Spekulationen sind. Und nach einem Spiel weiß ich am besten, was ich gut oder falsch gemacht habe. Ich konzentriere mich lieber auf mich selbst, als Energie darauf zu verschwenden, was andere Leute über mich sagen.

Das mussten Sie aber auch erst lernen, sich solche Berichte nicht zu Herzen zu nehmen, oder?

Ja, das war ein Prozess. Denn ich bin jemand, der versucht, jeden glücklich zu machen. Und natürlich ist es nicht schön, wenn jemand denkt, du bist nicht gut genug. Ich hasse diskutieren und Streitereien. Das heißt aber nicht, dass ich Konflikten generell ausweiche. Wenn es einen Streitpunkt gibt, suche ich aber nach einer Lösung, anstatt tagelang über das Problem zu reden.

SGE-Torhüter Kevin Trapp kann auch Klavierspielen

Sie haben im vergangenen Jahr ein neues Talent an sich entdeckt: das Klavierspielen. Wie kamen Sie auf das Klavier?

Ich finde Klavier wunderschön und höre es mir gerne an. Im ersten Lockdown im März 2020, als wir keinen Fußball spielen durften und ich morgens aufstand und nicht wusste, was ich machen sollte, habe ich mir das Stück „Una Mattina“ von Ludovico Einaudi aus dem Film „Ziemlich beste Freunde“ selbst beigebracht. Dazu habe ich mir auf Youtube ein Tutorial angeschaut und irgendwann wusste ich, welche Tasten, ich wann drücken musste. Ich kann nicht die ganzen sechs Minuten, aber habe den Hauptteil des Stücks hinbekommen. Am Ende hatte ich ein Lächeln im Gesicht, weil es wirklich geklappt hat. Ich habe dann auch ein paar neue Stücke angefangen zu üben, aber schnell gemerkt, ich komme da allein nicht mehr weiter. Ich würde gerne Klavierstunden nehmen, wenn das irgendwann nach der Pandemie wieder geht.

Was viele nicht wissen ist, dass Sie auch ein Talent für Sprachen haben. Sie sprechen neben Englisch und Französisch auch Portugiesisch und Spanisch …

Ja. In meiner Pariser Mannschaft gab es viele Brasilianer, die sich einen Spaß erlaubten und mir zuerst „Straßenportugiesisch“ beigebracht haben. Das kam zu Hause bei meiner brasilianischen Verlobten Izabel nicht besonders gut an (lacht). Sie hat mir dann aber geholfen, die Sprache richtig zu lernen. Spanisch spreche ich nicht so gut wie Portugiesisch oder Französisch, aber ich kann mich unterhalten. Mit meinem früheren Eintracht-Kollegen David Abraham, der Argentinier ist, habe ich eigentlich nur Spanisch gesprochen. Italienisch steht noch auf meiner To-Do-Liste.

Es gibt auch Sachen, die SGE-Keeper Trapp gar nicht kann

Welches Talent würden Sie sich aussuchen, wenn Sie die Wahl bekämen?

Es gibt zwei Dinge, für die ich absolut kein Talent habe: Kochen und Singen. Einer der peinlichsten Momente in meinem Leben war, als ich in Paris zum Einstand vor der Mannschaft singen musste.

Ein Lied zum Einstand?

Ja, jeder neue Spieler muss dieses Ritual hinter sich bringen. Am Anfang wird dir gesagt: „Bereite schon mal ein Lied vor.“ Aber das Fiese ist, man weiß nicht, wann es passiert. Bei mir waren schon sechs Wochen rum und ich dachte. „Okay, die haben das vergessen.“ Dann waren wir im Trainingslager in New York. Und ich sitze beim Abendessen und denke an nichts Böses und auf einmal klingeln alle mit den Gabeln gegen die Gläser. Und da wusste ich: „Shit, jetzt muss ich singen.“ Es waren 50 Leute im Raum, ich musste mich auf den Stuhl stellen und bekam eine Flasche Wasser als Mikro in die Hand gedrückt. Es gab Buhrufe von vorne bis hinten, da fühlst du dich schlecht und ich wollte nur noch von diesem Stuhl runter. Ich erinnere mich nicht mehr genau, welches Lied ich sang. Ich glaube, irgendwas von Cro. Also, wenn mir jemand ein Talent geben könnte, würde ich das Singen nehmen, weil man – egal in welcher Situation – für gute Stimmung sorgen kann. Obwohl ich mit dem, was ich gerade mache, auch nicht unzufrieden bin (lacht).

Interview: Kathrin Rosendorff

Erst kürzlich sprach Eintracht-Torwart Kevin Trapp in der Dokumentation der Filmemacherin Martina Peukert über Krisen und Glück.

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