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Dem Schauspieler Kevin Spacey drohen fünf Jahre Haft.

#MeToo

Kevin Spacey drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis

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Hollywood-Star Kevin Spacey muss sich wegen des Vorwurfs sexueller Übergriffe erstmals vor Gericht verantworten. Dem Schauspieler drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Es war still geworden um Kevin Spacey in den vergangenen Monaten, nachdem der Star der Kult-Serie „House of Cards“ im Herbst 2017 in die Fänge der #MeToo-Bewegung geraten war. Mit jeder neuen der mittlerweile mehr als 30 Anschuldigungen sexueller Übergriffigkeit, die gegen Spacey an die Öffentlichkeit drangen, zog er sich mehr zurück.

Kurz vor Weihnachten war er jedoch in seiner vertrauten Rolle als zutiefst machiavellistischer Politiker Frank Underwood wieder da – und das, obwohl Serienproduzent Netflix ihn sofort nach dem Auftauchen der ersten Beschuldigungen vor die Tür gesetzt hatte. Spacey alias Underwood stand mit Weihnachtsschürze in seiner Küche, um sich via Youtube seinem Publikum ins Gedächtnis zu rufen und ihm mit drohendem Unterton einzuflüstern, dass es ihn doch gewiss nicht ohne genaue Kenntnis der Fakten vorverurteilen würde.

Ab Montag nun hat das Publikum die Gelegenheit, sich ein genaues Bild zu machen, Spacey muss sich vor einem Gericht in Massachussetts verantworten. 

Mutmaßlicher Übergriff auf Ferieninsel 2016  

Zur Anklage kommt vor dem Gericht auf der Ferieninsel Nantucket der Fall eines 18 Jahre alten Mannes, den Spacey 2016 angegriffen haben soll. Nach Aussagen der Mutter soll Spacey ihrem Sohn bei einer Party Drink um Drink eingeflößt haben, um ihm dann in die Hose zu greifen. Der Junge flüchtete, als Spacey die Toilette aufsuchte.

Es ist nicht die erste Klage gegen Spacey, der laut Aussagen von Dutzenden von Opfern seit rund 30 Jahren ein Muster der sexuellen Belästigung an den Tag legt. Im vergangenen Sommer wurde er bereits in Los Angeles angezeigt, weil er Mitte der 80er Jahre versucht haben soll, einen damals 14 Jahre alten Darsteller während einer Theaterproduktion am Broadway zu vergewaltigen. Die Klage wurde jedoch wegen Verjährung fallen gelassen.

Zahlreiche Zeugen wollen aussagen 

Der Prozess in Massachussetts dürfte für Spacey jedoch weniger glimpflich vorüber ziehen. Neben der Mutter des Opfers und dessen Großmutter werden Zeugen auftreten, die in dem Restaurant die Vorgänge beobachtet haben. Spacey drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Doch selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass Spacey bei dem Verfahren auf Nantucket ungeschoren davon kommt, sind seine Schwierigkeiten nicht zu Ende. So ermittelt in England Scotland Yard gegen ihn wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung eines 23 Jahren alten Schauspielers in Spaceys Londoner Wohnung im Jahr 2017. 

Allmählich kommt es zu Prozessen gegen Hollywood-Größen 

Der Prozess gegen Spacey ist das dritte große Gerichtsverfahren gegen eine Hollywood-Größe in der #MeToo-Ära. Im September wurde der Serienstar Bill Cosby zu drei bis zehn Jahren Haft verurteilt. Das Verfahren gegen den Produzenten Harvey Weinstein, dessen Fall als erstes Hollywood aufgerüttelt hatte, läuft derzeit in New York.

Auch weitere Entertainer müssen sich mit den Folgen ihres Verhaltens auseinandersetzen. Der ehemalige Chef des TV Senders „CBS“, Les Moonves, büßte wegen den Vorwürfen der sexuellen Belästigung seine Ablösung von 120 Millionen Dollar ein und erwartet ebenfalls noch mögliche Klagen. Auch Charlie Rose und Matt Lauer, die beide ihren Job verloren haben, müssen noch mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Der Komiker Louis CK verlor seine Fernsehverträge und hat weiterhin Schwierigkeiten, neue Engagements zu finden.

Es scheint so, als hätten die Aufräumarbeiten im Unterhaltungs-Business gerade erst begonnen. So sagte Schauspieler Ethan Hawke jüngst in einem Interview: „Es steht eine ganze Generation unter Anklage. Wenn eine Revolution im Denken einsetzt, dann wird viel Glas zerbrochen. Aber es ist Glas, das zerbrochen werden muss.“ 

Spacey soll Angestellte immer wieder belästigt haben 

Wenn sich die Anschuldigungen gegen Spacey als wahr herausstellen, dann hat er über Jahrzehnte jene Kultur des Machtmissbrauchs in Hollywood mitgetragen, die mit jedem neuen #MeToo-Fall in der Branche immer deutlicher wird. So berichten mindestens acht Quellen, dass Spacey während der Produktion von „House of Cards“ konstant Angestellte und Untergebene belästigt hat. Gleiches wird von seiner Zeit als Direktor des Old Vic Theater in London berichtet.

Die Zeiten, in denen Hollywood derartiges Betragen stillschweigend toleriert, scheinen vorbei zu sein. Ungeachtet des Ausgangs des Prozesses dürfte ein Comeback von Spacey ausgeschlossen sein. Nicht nur Netflix reagierte schnell und entschlossen auf die Anschuldigungen. Auch Sony, Produzent des Films, an dem Spacey zum Zeitpunkt der ersten Beschuldigungen arbeitete, ersetzte ihn ohne zu zögern. Der letzte Film, in dem er mitwirkte, „Billionaire Boys Club“, fand praktisch kein Publikum. In den ersten drei Tagen wurden insgesamt 287 Dollar eingespielt.

Die #MeToo-Revolution in Hollywood wird indes mit dem Fall Kevin Spacey ganz gewiss nicht zu Ende sein. So ergab jüngst eine Umfrage der „Writers Guild of America“ – der Berufsvereinigung der Drehbuchschreiber – dass 64 Prozent der Frauen im Unterhaltungsgeschäft eine Form der sexuellen Belästigung erlebt haben. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Namen weiterer Täter an die Öffentlichkeit kommen. #MeToo hat in Hollywood gerade erst begonnen.

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