Rassismus und Polizeigewalt in den USA

Tödliche Schüsse bei Protesten in Kenosha: Fox-News-Moderator verteidigt Teenager-Schützen

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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Schüsse eines Polizisten auf einen Schwarzen sorgen in den USA für neue Unruhen. Dann werden bei Protesten zwei Menschen getötet. Ein Fox-News-Moderator rechtfertigt die Tat.

  • Die Wut in Kenosha ist groß: Wieder richtet sich Polizeigewalt in den USA gegen einen Schwarzen
  • Bei Protesten kommt es zu Unruhen - die dritte Nacht endet tödlich
  • Rund zwei Monate vor den US-Wahlen präsentiert sich Donald Trump als starker Mann und sendet die Nationalgarde in die Stadt

Kenosha – Die USA entwickeln sich immer mehr zum Pulverfass. Schon der Tod von George Floyd hatte im Frühsommer das gesamte Land aufgewühlt. Und jetzt, knapp drei Monate später, nimmt der Streit über Rassismus und Polizeigewalt erneut an Schärfe und Lautstärke zu, die Menschen gehen wieder auf die Straße, der gesamte US-Sport kam aus Protest zum Stillstand. Grund sind die Schüsse eines Polizisten in den Rücken eines Schwarzen.

Polizeigewalt in den USA: Polizisten schießen Jacob Blake in den Rücken

Auf einem Video des Polizeieinsatzes ist zu sehen, wie der 29-jährige Jacob Blake sich zunächst um sein Auto bewegt, während zwei Polizisten ihm mit gezogenen Waffen folgen. Eine davon ist direkt auf seinen Rücken gerichtet. Blake öffnet die Fahrertür und beugt sich hinein, unmittelbar danach fallen sieben Schüsse. In dem Auto befanden sich die Kinder Blakes im Alter von drei, fünf und acht Jahren. Blake liegt mit zahlreichen Organverletzungen im Krankenhaus, nach Angaben seiner Familie ist er von der Hüfte abwärts gelähmt.

Der Polizeieinsatz sorgte wieder für zahlreiche Proteste, was Donald Trump dazu veranlasste, die Nationalgarde nach Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin zu schicken. Der US-Präsident erklärte, er werde „Plünderungen, Brandstiftung, Gewalt und Gesetzlosigkeit auf amerikanischen Straßen nicht tolerieren“. Deswegen sollten Sicherheitskräfte des Bundes für „Recht und Ordnung“ sorgen. „Law and Order“ ist eines der großen Themen von Donald Trump bei den US-Wahlen 2020.

Die Polizei in Kenosha ist in Alarmbereitschaft.

Polizei nimmt 17-Jährigen wegen tödlicher Schüsse bei Protesten in Kenosha fest

Tatsächlich hatte es in der Stadt neben friedlichen Protesten auch Unruhen mit brennenden Gebäuden und Autos gegeben. Danach habe er Angebote bekommen, bewaffnete Bürger für Patrouillen zu verpflichten, sagte Sheriff David Beth. „Ich sagte: Oh verdammt, nein“, betonte Beth. „Und das, was vergangene Nacht passiert ist, zeigt perfekt, warum ich das nicht machen würde.“

Am Rande der Proteste waren nämlich zwei Menschen getötet und einer verletzt worden. Im benachbarten Staat Illinois nahm die Polizei einen 17-Jährigen als Verdächtigen fest. Der Polizeichef von Kenosha, Daniel Miskinis, sagte, man sei dabei, festzustellen, ob der 17-Jährige der Schütze aus dem Video sei. Der Teenager trat auf seinen - inzwischen zum Teil gelöschten - Accounts in sozialen Medien der Website „Buzzfeed“ zufolge als Unterstützer der Polizei und von Donald Trump in Erscheinung.

Polizeigewalt in den USA: Fox-News-Moderator rechtfertigt Schüsse von Kenosha

Tucker Carlson ist der rechte Rechtsaußen bei Fox News.

Die Verhaftung rief auch einen alten Trump-Freund auf den Plan. Fox-News-Moderator Tucker Carlson verteidigte in seiner Sendung in der Nacht auf Donnerstag den 17-Jährigen und erklärte seinen Zuschauern, dass der Jugendliche lediglich beschlossen habe, Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten: „Sind wir wirklich überrascht, dass diese Plünderungen und Brandstiftungen zum Mord geführt haben?“ Jeder könne sehen, was in Kenosha geschehe: „Hier herrscht Anarchie, die Behörden haben die Stadt aufgegeben“, wütete Carlson. „Die Verantwortlichen haben sich geweigert, dem Gesetz Geltung zu verschaffen. Sie sahen einfach zu, wie Kenosha brannte. “

Die Reaktionen auf Carlsons Rede folgten prompt. Vor allem auf Twitter forderten zahlreiche Menschen unter dem Hashtag #FireTuckerCarlson den Rausschmiss des Fox-News-Moderators. „Ein unschuldiger Schwarzer wird von der Polizei getötet und Tucker Carlson nennt ihn einen Schläger. Ein schuldiger Weißer ermordet zwei Menschen und Tucker Carlson nennt ihn einen Patrioten“, twitterte der CNN-Kommentator Keith Boykin.

Polizeigewalt in den USA: Biden verspricht Familie von Jacob Blake Gerechtigkeit

Unterdessen rief der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden zur Ruhe auf. „Gegen Brutalität zu protestieren ist ein Recht und absolut notwendig“, sagte der frühere Vizepräsident. „Aber Gemeinden niederzubrennen ist kein Protest, sondern unnötige Gewalt.“ Menschenleben würden in Gefahr gebracht und Geschäfte zerstört. „Das ist falsch.“ Biden verwies auf Blakes Mutter Julia Jackson, die die Gewalt verurteilt und zu friedlichen Protesten aufgerufen hat.

Zudem erklärte Joe Biden in einer Videobotschaft, mit Blakes Familie gesprochen und ihr „Gerechtigkeit“ versprochen zu haben. „Was ich in dem Video (von den Polizeischüssen) gesehen habe, widert mich an.“ Wieder einmal sei ein Schwarzer am hellichten Tag von Polizisten niedergeschossen worden. Donald Trump möchte mit einem Besuch in Kenosha „Liebe und Respekt" im Land steigern. Viele befürchten jedoch weitere Ausschreitungen. (Christian Stör)

Rubriklistenbild: © Brandon Bell

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