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Xavier Naidoo und Kool Savas haben mit dem Song "Wo sind" heftige Kritik auf sich gezogen.

Xavas-Anzeige wegen Volksverhetzung

Keine Ermittlungen gegen Xavier Naidoo

Xavier Naidoo hat seinen umstrittenen Song "Wo sind" verteidigt, in dem er das Thema Kindesmissbrauch mit harschen Worten thematisiert. Die Jugendorganisation der Linken hatte Anzeige eingereicht, ermittelt wird aber offenbar nicht.

Von Sabine Lorenz

Nach dem großen Wirbel um einige heftig formulierte Textzeilen hat sich Soul-Sänger Xavier Naidoo jetzt selbst zu Wort gemeldet. Naidoo und Kool Savas, der mit bürgerlichem Namen Sava? Yurderi heißt, veröffentlichten auf Naidoos Facebook-Seite am Donnerstagmorgen einen langen Text. Naidoo erklärt darin, in dem Text zum Song "Wo sind" rufe er nicht zur Gewalt auf. Vielmehr sollte der Song "das nötige Licht" auf Verbrechen gegen Kinder - Pädophilie, Kindesmissbrauch, rituelle Kindsmorde - lenken, "zum Schutz der Betroffenen (...), denen dies widerfährt und widerfahren ist". Unter anderem hatte ihm ein Fan vor einem Konzert den Fall eines Ritualmordes an einem Baby geschildert - das habe ihn beschäftigt. Jetzt wolle er erreichen, "dass nie wieder Kinder auf diese furchtbare Weise ums Leben kommen."

Immer wieder setzte sich Naidoo mit der Thematik auseinander, verarbeitete das auch in mehreren Liedern ("Wenn ich schon Kinder hätte", "Sie verdienen einen besonderen Schutz"). Auch mit seinem Song "Wo sind" wollte Naidoo auf das Tabu-Thema aufmerksam machen. Und Aufmerksamkeit hat er bekommen, wenn auch anders als geplant: Die Jugendorganisation ['solid] der Linkspartei hat gleich bei drei Staatsanwaltschaften Klage gegen Xavier Naidoo und Kool Savas eingereicht, weil sie den Text als Aufruf zur schweren Körperverletzung, Totschlag und Volksverhetzung versteht.

"Da komme ich an eine Grenze"

In dem - von ihm geschriebenen - Lied singt Xavier Naidoo unter anderem "Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann f*** ich euch in den A***, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten." Wieso ausgerechnet der bekennende Christ Naidoo so harte Worte wählt, erklärt der Sänger so: Er habe, kurz bevor er den Text geschrieben habe, eine Dokumentation auf NDR gesehen, die sich unter anderem mit rituellem Kindesmissbrauch beschäftigt. "Ich habe, da ich selbst im Alter von acht Jahren in die Hände eines pädophilen Mannes geraten bin, in gewisser Hinsicht Verständnis für deren tragisches Schicksal, da sie Triebtäter sind. Und gegen ihren Trieb nichts ausrichten können. Im vorliegenden Fall von Ritualmorden an Babys oder Kindern komme ich an eine Grenze, an der man aktiv etwas tun möchte, und selbst zur Bestie wird, um sich einer menschlichen Bestie entgegen zu stellen."

Der Ruf im Refrain - "Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?" - gelte "natürlich (...) unseren aktuellen Führern, Politikern und Verantwortlichen in Medien, Polizei, Verfassungs- und sogar Staatsschutz. Es ist mir unverständlich, wie man das falsch interpretieren kann." schreibt Naidoo.

Savas: Keine negative Absicht

Auch Rapper Kool Savas äußerte sich zu den Vorwürfen gegen ihn und seinen Kollegen Naidoo. "Ich möchte klar stellen, dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen, oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen. Ich hatte auch nie den Eindruck, dass die Textzeilen von Xavier falsch verstanden werden könnten. Unsere Absicht war nie eine negative. Was künstlerisch versucht wurde, war es, die Verzweiflung und die Wut zum Ausdruck zu bringen, die ein Mensch genau in der Sekunde empfindet, in der er erfährt, dass ein Kind missbraucht wurde." heißt es in der Erklärung.

Außerdem betonten die beiden Musiker, keine Verachtung oder negativen Gefühle gegenüber Homosexuellen zu pflegen und bekundeten ihren großen Respekt gegenüber allen Schwulen und Lesben weltweit. Hintergrund war der, dass sich auch die Anti-Diskriminierungsorganisation qweer.NRW an der Anzeige beteiligt hatte.

Mannheimer Staatsanwaltschaft ermittelt nicht

Die Linksjugend hatte Anzeige bei den Staatsanwaltschaften Mannheim, Berlin und Hannover eingereicht. Wie Spiegel Online berichtet, wird es aber dennoch kein förmliches Verfahren gegen die Musiker geben. "Es ist kein Anfangsverdacht auf eine strafbare Handlung gegeben", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Spiegel Online. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft erfülle der Liedtext nicht den "Tatbestand der Aufforderung zu Straftaten". Auch der Vorwurf der Volksverhetzung sei nicht gerechtfertigt, heißt es. Entgegen der Anklage der Linksjugend, dass in dem Lied Homosexuelle "mit Satanisten" und "Pädophilen" gleichgestellt würden, "habe die Prüfung des Textes unter der gebotenen Beachtung des Grundrechts der Meinungs- und Kunstfreiheit keinen Anfangsverdacht der Volksverhetzung begründen können", so Spiegel.

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