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Stamford Bridge in London: Pläne für einen umfassenden Umbau der Spielstätte liegen nun auf Eis.
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Stamford Bridge in London: Pläne für einen umfassenden Umbau der Spielstätte liegen nun auf Eis.

London

Kein Visum, kein Stadion

  • Sebastian Borger
    VonSebastian Borger
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London geht härter gegen russische Oligarchen vor. Prompt legt der FC Chelsea seine Pläne für ein neues Fußballstadion auf Eis.

Neigt sich die Lovestory zwischen zwielichtigen russischen Oligarchen und London dem Ende zu? Nach jahrelangem Zögern lässt Großbritannien seiner feindseligen Rhetorik gegenüber Russlands Präsident Wladimir Putin und dessen Kumpanen nun Taten folgen. Ausgerechnet einem der wichtigsten Investoren in London, dem Multimilliardär Roman Abramowitsch, verweigerte das Innenministerium so lange ein Arbeitsvisum, bis der 51-Jährige den Antrag genervt zurückzog. Leidtragende sind die Fans des FC Chelsea: Wegen des „derzeit unfreundlichen Investitionsklimas“ legte der von Abramowitsch finanzierte West-Londoner Club den Plan auf Eis, ein als „Kathedrale des Fußballs“ gepriesenes neues Stadion zu bauen.

Seit dem Nervengift-Anschlag auf den Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter in Salisbury im März und der folgenden Ausweisung von Dutzenden russischer Diplomaten, darunter viele Spione, musste sich Premierministerin Theresa May viel Kritik anhören: London mache großen Radau, rücke aber nicht den Tausenden schwerreicher Geschäftsleute und deren Familien zu Leibe, die es sich auf der Insel gutgehen ließen. „Ein Großteil der russischen Superreichen besteht aus Kriminellen“, glaubt der Hedgefonds-Manager Bill Browder, der erst vor wenigen Tagen aufgrund eines russischen Auslieferungsbegehrens in Spanien kurzzeitig in Gewahrsam genommen wurde.

„Eine ganz schlechte Nachricht“

Weil die parlamentarische Opposition und die Medien Druck machten, änderte die konservative Regierung nach dem Anschlag von Salisbury ihre Haltung zu härteren Finanzsanktionen gegen prominente Oligarchen. Sie bedient sich dazu des sogenannten Investorenvisums. Es ermöglicht all jenen, die mindestens zwei Millionen Pfund (2,28 Millionen Euro) in die Hand nehmen, Arbeitsaufenthalte von bis zu drei Jahren und vier Monaten. Abramowitsch ist der erste prominente Fall eines Altbewerbers, dem die Visumserneuerung erschwert wurde. Die Sache sei eine „ganz schlechte Nachricht“, gab der prominente Immobilienmakler Gary Hersham der Financial Times zu Protokoll: „Das wird meinem Geschäft natürlich schaden.“

Wie in Hershams Branche geht auch unter Anwaltskanzleien, Banken und Privatschulen die Angst vor Gewinneinbußen um, sollten nach Abramowitsch auch andere Russen ihre Präsenz auf der Insel reduzieren. Denn der siebenfache Vater gilt als noch vergleichsweise sauberes Exemplar jener Clique skrupelloser Geschäftsleute, die sich im post-sowjetischen Russland der Ära Jelzin die Taschen vollstopften. „Ich entschied mich dazu, den Mund zu halten und meine Geschäfte zu machen“, hat er 2012 vor dem Londoner High Court ausgesagt.

Auf diese Weise hat er der Sunday Times zufolge ein Vermögen von umgerechnet 10,7 Milliarden Euro zusammengesammelt. Dazu gehört neben fünf Häusern auch die 162,5 Meter lange Superjacht Eclipse (Hersteller: Blohm + Voss, Hamburg). Ende vergangenen Monats erwarb der großzügige Spender jüdischer Wohlfahrtsorganisationen neben der russischen auch die israelische Staatsbürgerschaft; hingegen schlugen Anträge auf Aufenthaltsbewilligungen in der Schweiz zweimal fehl.

Im jetzigen Chelsea-Stadion wurde Abramowitsch zuletzt im März gesichtet, beim siegreichen Pokalfinale im Wembley-Stadion vor zwei Wochen fehlte er. Womöglich geht sein vor 15 Jahren begonnenes Sponsoring des teuren Spielzeugs bald zu Ende. Dann wäre auch das vom Schweizer Architekten-Team Herzog&de Meuron (Olympiastadion Peking, Allianz-Arena München) geplante neue Stadion Makulatur.

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