Adventskalender

Kein Schock vor lauter Spielregeln

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FR-Adventskalender 8.12.: Wir haben unsere Kolleginnen und Kollegen gefragt, was sie unter der Tanne gerne spielen ? und was es rund um Brett und Würfel zu erzählen gibt. Unser Adventskalender.

Die einfachsten Spiele sind doch immer die schönsten. Kein langer Aufbau von Spielfeld und Figuren, keine zeitraubende Regelkunde, kein markerschütterndes Fluchen, wenn von 826 894 Bestandteilen genau das entscheidende fehlt.

Stattdessen: drei Würfel, ein Becher. Pro Mitspieler. Und dann würfeln. Jede Eins wird rausgelegt, drei Runden maximal. Wer anfängt, gibt die genaue Zahl der Durchgänge vor. Ziel ist ein Schock. Der besteht aus zwei Einsen. Die dritte Augenwahl ergibt den Wert des Schockes: Schock Zwei, Schock Drei, und so weiter. Höchster Wert: Drei Einsen. Schock Aus. Wer keinen schafft, kann sich mit Straßen (Achtung: nicht zusammengewürfelt!), Generälen (drei gleiche Werte) oder Hausnummer (niedrigster Wurf: 221) retten. Zwar gibt es auch noch ein paar Spezialregeln, aber die lernt man schon kennen, wenn man es einmal spielt.

Viel wichtiger ist, wo man das Ganze spielt. Das geht natürlich prima an Weihnachten. Vater, Mutter, Kind, sie alle sitzen im Wohnzimmer zusammen. Das Essen schmort im Ofen, im Hintergrund dudelt die Weihnachtsmusik – und am Tisch werden sich erbitterte Duelle geliefert. Inklusive aller Spezialregeln, denn die Teilnehmer sind jahrelange Schock-Profis. Schock drei verliert gegen den Schock Fünf, gewinnt aber gegen den in einem Wurf erreichten Schock Zwei.

Von Profis auch Schock Doof genannt. Oder – je nach Gegend – Borussen-Schock. Nächste Runde: Straße aus Drei, Vier und Fünf, Schock Sechs und eine läppische Hausnummer vom Vater. Der beginnt den nächsten Durchgang, würfelt zwei Fünfen und eine Sechs – und lässt diese stehen. „70 verliert nicht!“, heißt es dazu siegesgewiss vom Profi. Spezialregeln eben. Und tatsächlich: Es ist zumindest nicht der schlechteste Wurf in dieser Runde. Danach: Alle würfeln blind. Heißt: Die Becher bleiben verdeckt, dafür verdoppelt sich der Wert.

Welcher Wert denn eigentlich? Gewinnt in einer Runde der Wurf mit dem Schock Drei, bekommt der Verlierer drei Deckel. Bei einem Schock Vier sind es vier davon, und so weiter. Bei Straßen zwei, bei Generälen drei, bei Hausnummer einer, bei Schock Aus alle. 13 gibt es, wer sie sein Eigen nennt, bekommt die sogenannte erste Hälfte. Wer irgendwann beide Hälften hat, hat verloren. Diese eben erwähnten Deckel und Hälften können metallene oder artifizielle Scheiben eines professionellen Schockbestecks (kann man gerne googeln, das gibt es wirklich!) sein oder eben profane Bierdeckel.

Die kommen besonders da gerne zum Einsatz, wo das Spiel vermutlich seinen Ursprung hat und wo es landauf, landab zur – zumindest westfälischen – Folklore gehört: in der Kneipe. Da gibt es dann natürlich auch nach jeder Runde einen Schnaps oder ein Bier auf Kosten des Verlierers. Auch mal ganz nett. Aber vielleicht nicht unbedingt an Weihnachten.

Würfel hat jeder zu Hause. Professionelles „Schockbesteck“ gibt’s online ab circa 15 Euro.

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