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„Wir vergessen nie“: Martins Ankunft im Kloster 2012 wurde von massiven Protesten begleitet.

Fall Dutroux Belgien

Kein Platz für Dutroux-Komplizin

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Der neue Roman über die Ex-Frau des Kindermörders Dutroux wühlt ganz Belgien auf. Derzeit ist sie auf der Suche nach einem neuen Wohnort, nachdem sie 2012 vorzeitig aus der Haft freigelassen wurde.

Jetzt trifft der Fluch schon die Literatur. In Gent gab die Buchhandlung „Het Paard van Troje“ – das trojanische Pferd – nun einen Ausschluss bekannt. „Die Frau, die den Hunden zu essen gab,“ das jüngste Werk der renommierten belgischen Autorin Kristien Hemmerechts, werde nicht ins Sortiment aufgenommen, teilte die Buchhandlung mit.

Das liegt nicht allein an den zurückhaltenden Kritiken auf den Literaturseiten der belgischen Zeitungen, sondern auch an der Geschichte. Die handelt zwar von einer fiktiven Frau namens Odette. Aber die erkennt jeder in Belgien wieder. Die Frau, die den Hunden zu essen gab, gibt es nämlich wirklich. Es ist die 54-jährige Michelle Martin, die ehemalige Frau und ehemalige Komplizin des Kindermörders Marc Dutroux. Der 57-Jährige hatte in den 90er Jahren in Belgien sechs Mädchen entführt, missbraucht und vier von ihnen umgebracht.

Dutroux’ Fall beschäftigt in diesen Tagen wieder mal die Justiz. Es muss befunden werden, es geht um juristische Feinheiten für den möglichen Fall einer vorzeitigen Haftentlassung. Die war zwar erst im Vorjahr abgelehnt worden. Aber die Strafsache wühlt das Land noch immer auf. So wie Kristien Hemmerechts’ Buch. Als Dutroux nämlich in den 90er Jahren wegen Drogendelikten im Gefängnis saß, sollte sich seine Frau um zwei Kinder in Dutroux’ Geiselhaft kümmern.

Michelle Martin sorgte zwar für die Hunde, nicht aber für die entführten Kinder im Keller. Die Mädchen Julie und Mélissa verhungerten. In der Vorwoche nun war ein Brief von Dutroux an Jean-Dennis Lejeune bekanntgeworden, den Vater von Julie.

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder spinnt in dem 44 Seiten langen Pamphlet allerlei Verschwörungstheorien, er stilisiert sich selbst zum Opfer und benennt mögliche Entlastungszeugen. Die allerdings sind sämtlich verstorben. „Dutroux ist ein Psychopath und ein Psychopath hat keine Empathie für andere Menschen, sondern nur für sich. Er will Aufsehen erregen, um vorzeitig frei zu kommen“, klagte Paul Marchal, der Vater eines anderen Dutroux-Opfers. Dutroux wurde 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Vorjahr hatte er einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung gestellt, aber vergebens. Rein juristisch kann er diesen Antrag jährlich wiederholen. Michelle Martin, die 2012 nach 16 Jahren Haft vorzeitig frei kam, plagen derweil andere Probleme.

Lebenslang auf der Flucht

Sie hatte in einem Klarissen-Kloster in Malonne Aufnahme gefunden, das aber wird nun aufgelöst. Martin muss sich nach einer neuen Unterkunft umsehen. Anfang des Jahres klopfte sie in Italien bei der evangelikalen Vereinigung „Cristo è Riposta“ an – Christus ist die Antwort.

Die kümmert sich in einer Art Zeltstadt in der Toskana um ehemalige Kriminelle. Doch sorgte die mögliche Ankunft von Michelle Martin für zu viel Wirbel. „Selbst wenn sie Zuflucht bei Mönchen in Tibet sucht oder nach Nordkorea zieht, wird sie verfolgt“, hatte der kanadische Prediger Paul Schafer von „Christus ist die Antwort“ damals erklärt.

„Diese Frau muss sich wieder in die Gesellschaft integrieren, aber es wird ihr keine Minute Ruhe gegönnt“, hatte Schafer geklagt, selbst aber einen Besuch von Michelle Martin abgelehnt. Belgien kommt im Fall Marc Dutroux nicht zur Ruhe.

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