Adventskalender

Kein Kinderspiel

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FR-Adventskalender, 10.12.: Kein Kinderspiel wartet hinter Türchen Nummer zehn im etwas anderen Adventskalender der FR.

Tatort Schweden. Ein Bootshaus irgendwo in der Einöde, der kalte See wirft sanfte Wellen an die felsigen Ufer. Hell scheint der Mond durch das schwarze Geäst der wiegenden Bäume, schrill schreit ein Vogel irgendwo in der düsteren Ferne. 

Zehn mehr oder weniger gut befreundete Gestalten sitzen schweigend im Bootshaus, kühle Blicke werden durch den Raum geworfen, kein Wort durchbricht das Schweigen. Plötzlich zücken alle zehn ihre Waffen und deuten auf ihr auserkorenes Opfer. Willkommen bei „Cash’n’Guns“ – dem Spiel, bei dem endlich nach Herzenslust auf Menschen gezielt werden darf!

Das ist natürlich nichts für schwache Nerven: Was Mutti schon immer gepredigt hat, was das pazifistische Herz eigentlich verbietet – bei „Cash’n’Guns“ wird’s plötzlich zum politisch unkorrekten Spielspaß. Ausgerüstet mit einer Schusswaffe aus Schaumstoff geht es für die Spieler im Grunde darum, reichlich Beute zu ergattern. Geld, Diamanten, Machtpositionen – alles was glänzt, glitzert und gierig macht, ist auf hübsche Spielkarten gedruckt.

Noch bevor es ans Eingemachte geht, wählt jeder Spieler verdeckt, ob seine Waffe in der nächsten Runde tatsächlich geladen ist, oder nicht – „Bang“ oder „Click“ heißen die Karten Dann wird runtergezählt – und schließlich zielen alle Spieler auf einen anderen Mitspieler ihrer Wahl. Das ist ziemlich bösartig – macht aber höllisch Spaß. 

Je später der Abend, je deftiger die Drinks, je blutrünstiger die Runde – desto aggressiver gestaltet sich auch der Spielverlauf von „Cash’n’Guns“. Und das Aggression ein ziemlich potentes Mittel für einen lustigen Spieleabend ist, wird jeder bestätigen, der schon mal bei einer Partie „Activity“ eben nicht mit der begriffsstutzigen Tante ein Team bilden musste.

Wie dem auch sei: Die ganze Runde hat ihre Waffen aufeinander gerichtet – und wieder wird runtergezählt. Dann kommt es auf den Mut und das Pokerface der Spieler an: Entweder sie stellen sich dem möglichen Schuss und bleiben so im Spiel – oder sie ziehen sich aus der Runde zurück und verspielen die Chance auf Beute. Die, also Geldscheine, Diamanten und so weiter, bekommt aber nur, wer von einem „echten“ Schuss verschont wurde. Getroffene müssen sich statt mit Beutekarten mit einer sogenannten Wundenkarte begnügen – bei drei davon segnet der Spieler endgültig das Zeitige und scheidet aus.

Natürlich gibt es noch allerhand Sonderregeln und –positionen, das Spiel aber bleibt ziemlich simpel. Sein Reiz ergebt sich tatsächlich hauptsächlich aus dem Tabubruch: Mit Spielzeugwaffen auf Menschen zielen – das macht man nicht! Außer eben bei „Cash’n’Guns“.

Warum der Verlag das Spiel trotzdem für Kinder ab zehn Jahren empfiehlt, bleibt wohl sein dürsteres Geheimnis. Tatsächlich bietet sich „Cash’n’Guns“ für erwachsene Gruppen an, die den Abend im besten Fall mit reichlich Alkohol untermauern. Kommt unterm Weihnachtsbaum gut – oder eben im Schwedenurlaub mit Freunden.

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