Satt und gesund: Den Luchsen scheint es in deutschen Wäldern an nichts zu fehlen. epd
+
Satt und gesund: Den Luchsen scheint es in deutschen Wäldern an nichts zu fehlen. 

Luchse

Kein Grund für Katzenjammer

Expertinnen und Experten sind zufrieden: Die Luchs-Population in Deutschland entwickelt sich gut. Vor allem im Harz fühlen sich die schönen Tiere auch 20 Jahre nach der ersten Freisetzung noch wohl.

Es werden immer mehr: 20 Jahre nach der ersten Auswilderung von Luchsen im Harz hat sich der Bestand der Raubkatzen in dem Mittelgebirge nach Angaben der Nationalparkverwaltung gut entwickelt. Um genetisch gesund zu bleiben, müssten sich die Harzer Luchse aber auf Dauer mit Luchsen an anderen Orten mischen, sagte der Luchsexperte des Nationalparks, Ole Anders, auf Anfrage. Der diplomierte Forstwirt betreut das Luchsprojekt bereits seit dem Jahr 2000.

„Wir haben hier inzwischen eine sehr vitale Luchspopulation“, sagt Anders. Die genaue Zahl lasse sich zwar nur schätzen, im gesamten Harz hätten jedoch Luchse mit Wildkameras fotografiert worden können. „Demnach haben wir hier etwa 55 selbstständige Luchse – also Luchse, die nicht mehr hinter ihrer Mutter herlaufen“, erläuterte der Experte. „Dazu kommen ungefähr 35 Jungtiere, insgesamt sind rund 90 Luchse im Harz unterwegs.“

Anders als im Bayerischen Wald, wo Luchse trotz strengen Verbotes gejagt und die Kadaver teils Umweltschützerinnen und Umweltschützern vor die Tür gelegt werden, gebe es im Harz kaum noch Akzeptanzprobleme.

„Anfangs gab es schon Befürchtungen“, räumt Anders ein. „Wir haben damals viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht und kamen uns vor wie Wanderprediger, die von Veranstaltung zu Veranstaltung gezogen sind.“ Heute lasse sich aber sagen: „Der Luchs hat hier eine sehr hohe Akzeptanz, ist schon fast ein Maskottchen für die Region“.

Inzwischen kämen sogar Touristinnen und Touristen eigens für den Luchs in Harz, erzählt der Experte. Etliche Luchse haben Ole Anders zufolge das Mittelgebirge in den vergangenen Jahren allerdings verlassen und andere Reviere besetzt.

Es seien schon Luchse in mehreren Bundesländern nachgewiesen worden, im Solling und im Westerhöfer Wald in Niedersachsen auch „reproduzierende Tiere“. Größere Vorkommen gibt es außer im Harz noch im Bayerischen Wald und seit kurzem auch im Pfälzer Wald.

Langfristig müsse es gelingen, diese Populationen miteinander zu vernetzen, betont Anders. Sonst drohe eine genetische Schwächung. Zwar seien die Harzer Luchse noch gesund, es gebe keine akute Gefahr. „Aber klar, mit jeder Generation nimmt die genetische Diversität ab. Und deshalb brauchen wir auf lange Sicht die Vernetzung.“

Um diese zu erreichen, müssten sich Luchse fest zwischen den drei bestehenden Territorien ansiedeln. „Das würde aber großen, auch politischen Vorlauf benötigen und erscheint als kurzfristige Lösung deshalb fraglich“, sagte Anders.

„Die andere Möglichkeit ist, dass die Tiere das auf ihren eigenen Pfoten realisieren. Und durch Tierkorridore über die Bundesstraßen und Autobahnen geleitet werden.“ Außerdem brauche es zusammenhängende Waldgebiete. „Der Luchs braucht und sucht den Wald“, sagt Anders. (Reimar Paul, epd)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare