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Kartenspiel „Scout“: Zirkus mit Zahlenwerten

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Von: Hunter & Melli

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Die Spieleexpert:innen Johannes Jaeger und Melanie I. stellen regelmäßig Gesellschaftsspiele in der FR vor.
Die Spielekritik-Serie von Hunter & Melli: Die Spieleexpert:innen Johannes Jaeger und Melanie I. stellen regelmäßig Gesellschaftsspiele in der FR vor. © Roland Weihrauch/dpa

Es gibt viele Karten-Stichspiele, doch „Scout“ hat ein paar originelle Regeln - und steht auf der Liste der Nominierungen zum Spiel des Jahres 2022.

Wie der Verlag das Spiel beschreibt: Plötzlich wird dir die Rolle des Zirkusdirektors anvertraut! Du und deine Artisten müssen glänzen und eine bessere Show auf die Beine stellen als eure Rivalen. Wenn euch eine Attraktion fehlt, musst du Artisten scouten, die eine entsprechende Darbietung leisten können! Manchmal reicht es, einen einzigen Artisten zur Truppe hinzuzufügen, der die anderen motiviert und eure ganze Show unschlagbar macht. Egal ob du mit dem alten Team dein Bestes versuchst oder wartest, bis du die perfekte Truppe neu zusammengestellt hast: Wenn dein Plan aufgeht, gibt es nichts Besseres! Schnelle Entscheidungen sind in diesem Spiel alles!

Rezension von Hunter und Melli: Die Brettspielwelt schaut zur Mitte des Jahres auf die Nominierungen der Jury für das Spiel des Jahres. In den Kategorien Kinderspiel, Kennerspiel und Spiel des Jahres möchten sie der breiten Öffentlichkeit herausragende Spiele des Jahrgangs mit der Auszeichnung nahelegen, um auch Nichtspielerinnen und -spielern einen leichten Einstieg mit schönem Spielerlebnis zu bieten.

Durch die Nominierung zum Spiel des Jahres ihres Kartenspiels „Scout“ hat es der japanische Verlag Oink Games in die öffentliche Aufmerksamkeit geschafft. In ihrer typischen, auffällig kleinen Schachtel steckt ein originelles Stichspiel mit neuem Kniff.

SCOUT

Spieleautor: Kei Kajino

Verlag: Oink Games

Altersempfehlung: ab 9 Jahren

Spieleranzahl: 2–5 Spieler:innen

Spielzeit: 20 Min.

Preis: ca. 18,00 €

Die Spieleexperten Johannes Jaeger und Melanie I. stellen regelmäßig Gesellschaftsspiele in der FR vor. Videorezensionen aller hier vorgestellten Spiele (und weiterer) gibt es auf: www.hunter-brettspiele.de und https://www.youtube.com/c/HunterFriendsBrettspiele

In die Rolle von Zirkusdirektor:innen schlüpfend lassen die Spielerinnen und Spieler eine Gruppe von Artistinnen und Artisten auftreten. Sie erhalten ihre Artist:innen als Karten auf die Hand. Diese tragen jeweils zwei Zahlenwerte, von denen eine kopfüber geschrieben steht. Die Reihenfolge der Karten auf der Hand darf dabei nicht verändert werden. Nur die Ausrichtung der gesamten Kartenhand darf zu Spielbeginn gewählt werden, indem sie auch auf den Kopf gedreht werden kann. Denn Gültigkeit haben nur diejenigen Zahlen auf den Karten, welche in korrekter Ausrichtung lesbar stehen.

Um eine gute Show zu liefern, müssen entweder Artistengruppen gleicher oder aufsteigender Zahlenwerte aus der Hand ausgespielt werden. Gleichzeitig muss unsere Show diejenige des Vorspielers überbieten: Mehr Artistinnen und Artisten schlagen eine Show mit weniger Artist:innen, Artist:innen gleicher Zahl schlagen Artist:innen aufeinanderfolgender Zahlen, und zuletzt ist die Artistengruppe mit der größeren Zahl die Stärkere. Die so übertroffenen Karten der vorherigen Spielerin oder des vorherigen Spielers werden in Punkte umgewandelt.

Wenn wir keine geeignete Gruppe auf der Hand haben, können wir, statt Karten auszuspielen, nach neuen Artistinnen und Artisten Ausschau halten: Aus den gelegten Karten von Mitspieler:innen kann eine der äußeren Karten in die eigene Kartenhand frei und sogar kopfüber einsortiert werden. Bezahlt wird der oder die Mitspieler:in mit einem Punkt. So wird die ausliegende Artistengruppe kleiner und leichter schlagbar. Wenn man jedoch eine derart starke Gruppe gelegt hat, die keiner der Mitspielenden übertreffen kann, gewinnt man die Runde. Die anderen Spielerinnen und Spieler bekommen Minuspunkte für übrige Karten auf der Hand. Alternativ gewinnt man die Runde, indem man seine gesamte Kartenhand ausspielt. Anschließend wird neu ausgeteilt, bis jeder einmal Startspieler:in gewesen ist. Es gewinnt der oder die Spieler:in mit den meisten Punkten.

Mit seinen zugänglichen Regeln spricht „Scout“ die ganze Familie an. Dass die Kartenhand nicht sortiert werden darf, bringt eine erfrischende Herausforderung in ein an sich simples Spiel. Taktisch klug muss so die Ausrichtung der Karten gewählt werden und – wie der Name schon sagt – vorausschauend nach neuen Karten „gescoutet“ werden. So wird aus der anfänglich glückslastigen Starthand ein clever arrangiertes Blatt.

„Scout“ ist ein weiteres, gelungenes Beispiel für die unerschöpfliche Kreativität der Spielautorinnen und -autoren. Obwohl es bereits unzählige Kartenspiele mit Zahlenkarten und Stichmechanismen gibt, fühlt sich Scout neu und unverbraucht an und sorgt für lang anhaltenden Spielspaß. Nur das leicht aufgesetzte Thema und der recht sportliche Preis für die kleine Schachtel trüben ein bisschen die Freude.

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