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Erfolgstrio: Heather Thomas, Lee Majors und Douglas Barr im Jahr 1981, als die Serie „The Fall Guy“ in den USA startete. imago images
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Erfolgstrio: Heather Thomas, Lee Majors und Douglas Barr im Jahr 1981, als die Serie „The Fall Guy“ in den USA startete.

Kultserie

Karren und Zigarren

  • Boris Halva
    VonBoris Halva
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Heute vor 40 Jahren wurde die erste Folge von „Ein Colt für alle Fälle“ ausgestrahlt. Kein Grund, sentimental zu werden. Oder?

Nichts gegen das Kind im Manne – aber es hat schon seinen tieferen Sinn, dass die meisten Pläne und Wünsche irgendwo auf dem langen Weg ins Erwachsenenleben auf der Strecke bleiben. Denn hätten alle Jungs in den Achtzigerjahren ihrem damals einzig wahren TV-Helden nachgeeifert, gäbe es heute zwischen Flensburg und München vermutlich 82 000 arbeitslose Stuntmänner im besten Alter, die mit Cowboyhut in ihrer Gartenbadewanne sitzen, Zigarre paffend ihr dachsfelldichtes Brusthaar kraulen – und darauf warten, dass das Telefon klingelt.

Vielleicht träumte der ein oder andere dieser namenlosen Stuntmänner im besten Alter auch davon, dass eines Tages eine Blondine im Bikini durch die Tür hereingestürmt kommt und ihn aus der Wanne zerrt, weil er da draußen wirklich ganz dringend gebraucht wird …

Ganz sicher ist: Wenn auf einer Party der Titelsong von „Ein Colt für alle Fälle“ gespielt wird, können fast alle Anwesenden die Melodie vom „Unknown Stuntman“ mitsingen, während vor ihrem inneren Auge ein golden-braun lackierter GMC-Pickup mit chromblitzendem Rammschutz durch die Lüfte fliegt. 40 Jahre ist das her, aber manches hat sich eben so tief eingebrannt, dass offensichtlich selbst die Zeit mit ihrem Zahn da mal so gar nichts wegnagen kann.

Den Song hatte Lee Majors, der in der Rolle des Colt Seavers endgültig in die Liga der erfolgreichsten TV-Stars der Achtzigerjahre aufgestiegen war, übrigens selbst eingesungen, oder besser: ins Mikro gegrummelt. Ein Fakt, der sicher nicht wenige Jungs tief beeindruckte: Colt, also: Lee Majors, konnte also nicht nur springen, er konnte auch singen!

Ironisch? Naja…

Der Text hatte auf jeden Fall mehr Zunder als Majors’ Stimme, erzählt der fiktive Stuntman doch darin von seinen amourösen Verbandelungen mit Hollywoodstars wie Bo Derek oder auch Farrah Fawcett (mit der er tatsächlich von 1973 bis 1982 verheiratet war). Dass es sein ohrwurmiges Chauvi-Stuntman-Lied in den deutschen Charts dennoch bis auf Platz 11 schaffte, war aus Majors’ Sicht wohl weniger seinem Charisma zu verdanken, sondern eher – wie er einmal selbstironisch sagte – ein Zeichen dafür, dass die „da drüben einfach wenig Ahnung von Musik“ haben.

Dass der heute 82-jährige Majors stets mit einem Augenzwinkern über Colt Seavers spricht, ist für manche untrüglicher Beleg dafür, dass die Vorabendserie, die heute vor 40 Jahren zum ersten Mal in den USA ausgestrahlt wurde, unbedingt als ironisches Format zu sehen sei. Colt-Erfinder Glen A. Larson habe schon damals mit Klischees gespielt und alles ziemlich überzeichnet: Die Bösewichte waren immer eher einfältig, echte Kerle wie Colt eher wortkarg, schöne Frauen wie Jody (Colts Kollegin, gespielt von Heather Thomas) eher naiv, häufig eher leicht bekleidet, leicht zu beeindrucken und sowieso wurden sie immer ganz schwach, wenn einer wie Colt auftauchte.

Von daher ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass manche dem Format eher kritisch gegenüberstehen und sagen, Colt Seavers alias Lee Majors sei ein Macho vor dem Herrn gewesen und sämtliche Folgen der fünf Staffeln, die zwischen 1981 und 1986 produziert und ausgestrahlt wurden, seien kein Kult, sondern ein immerwährendes Aufwärmen eines eher schlichten Plots: Ein Stuntman geht zwischen seinen Filmprojekten auf Ganovenjagd, weil ihn eine gute Bekannte darum bittet. Diese Bekannte hatte den Halunken, die kurz vor dem Gerichtstermin abgetaucht sind, nämlich die Kaution vorgestreckt, und wollte ihr Geld gerne bald wiedersehen. Und der notorisch klamme Colt konnte die Extra-Kohle auch immer gut gebrauchen. Immer mit dabei: Colts Cousin Howie, gespielt von Douglas Barr (heute 72 und weithin respektierter Regisseur und Produzent), und eben Stuntfrau Jody Banks alias Heather Thomas (heute 64, zwischendurch leider dem Kokain verfallen, inzwischen aber drüber weg und mit einem Medienanwalt verheiratet).

Vermutlich der einzige Kerl, der immer in der Wanne sitzt … imago images

Hach ja … Schön war’s. Und auch wenn Colt heute vermutlich den wenigsten Männern in den besten Jahren einen guten Rat geben könnte: Lee Majors kann. Anders als Colt Seavers zieht er es vor, seine Zeit nicht in der Wanne zu verplempern: Er steht weiterhin vor der Kamera. Wobei nicht nur leicht sentimentale Autoren wie auf „maennersache.de“ anlässlich des 80. Geburtstags von Majors zugaben, dass die Bewunderung mit jeder weiteren Staffel vom coolen Colt und dem lustigen Howie allmählich auf die heiße Jody überging, bis dann, nachdem die Serie abgedreht und aus dem deutschen Vorabendprogramm verschwunden war, vom einstigen Traum, einmal so wie Colt von Häusern zu springen und mit dem Auto durch die Luft zu fliegen, nur noch die leise Ahnung der Melodie vom „Unknown Stuntman“ übrigblieb. Und die Lust, hin und wieder in der Wanne eine Zigarre zu paffen.

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