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„Ich geh’ als Couch und bleib’ zu Hause.“
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„Ich geh’ als Couch und bleib’ zu Hause.“

Karneval

Ja, da simmer dabei!

  • VonAnne Vogd
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Ach du Schande: Heute, am 11. 11., beginnt die närrische Zeit. Die einen gehen in Deckung, die anderen blühen erst richtig auf. So wie Kabarettistin und Karnevalistin Anne Vogd

Ich sitze gerade im ICE von Frankfurt nach Köln. Mit mir im Großraumwagen 150 Leute, also ungefähr so viele wie am Rosenmontag in einer 20 Quadratmeter großen Kölner Eckkneipe. Das heißt: Nicht ich sitze da, sondern ein feierfreudiges Wesen in einem schwarzgelben Hummel-Deluxe-Plüschkostüm, das so üppig geschnitten ist, dass die Höhner noch mit drunterpassten. Ich seh’ aus wie die Biene Maja auf Cortison – aber zum Schunkeln ist das Ding perfekt.

Nun hat diese Narrenzeit ja verschiedene Namen: Karneval, Fasnacht oder „Hau ab mit der Scheiße“, wie mein Mann immer meint. Aber gut: Jeder Jeck ist anders, wie die Rheinländer sagen.

Die Fasnacht gehört für mich genauso zur deutschen Kultur wie die Lüneburger Heide, die Birkenstocksandale oder die Mülltrennung. Ich finde es völlig normal, wenn an Rosenmontag in einer Kölner Bäckerei ein Schild an der Tür hängt: „Weiberfasnacht und Rosenmontag sind wir dicht. Der Laden auch.“

Ein Rheinländer ist lustig, zwei sind Karneval

Außerdem unterscheiden wir Karnevalfans uns ja gar nicht mal so sehr vom Rest der Republik. Wir sind doch alle gern an der frischen Luft und unter Leuten – egal ob beim Castortransport, bei Stuttgart 21 oder am Rosenmontag. Hauptsache „der Zoch kütt“.

Heute ist ein Tag, an dem in Hamburg nichts passiert, was nicht auch am 12.11. oder am 13.11. geschehen könnte. Hamburg halt – das Mekka für alle Schunkelwirtschaftsflüchtlinge, das gelobte Land, in dem man als kostümiert gilt, wenn man was anderes als Marineblau trägt. Ich wollte mal einen Hanseaten mit zu einer Karnevalssitzung nehmen. Sein Kommentar: „Ich geh’ als Couch und bleib’ zu Hause.“

Was habbe mir es da gut in unseren hessischen Weltmetropölchen. Auch hier heißt es seit heute: „Fastnacht is loading.“ Nicht ganz so verrückt wie im Rheinland, wo sich eine ganze Region willenlos in ein verrücktes Miteinander katapultiert. Aber auch wir hessischen Jecken können uns sehen lassen. Das närrische Amüsemang ist Ausdruck eines Wir-Gefühls, Lachen ein soziales Schmiermittel. Ein Rheinländer ist lustig, zwei sind Karneval, sagt der Kölner. Blödsinn ist einfach schöner, wenn er in Gemeinschaft passiert. Das Passwort fürs Leben heißt Humor. „Ja, da simmer dabei“ und bei „Drinks e ejne met“ auch. Jedenfalls bin ich noch nie durstig von einer Sitzung nach Hause gekommen. Am 11. 11. 2019 musste ich mir sogar ein Taxi nehmen. Ich hab’s aber am nächsten Tag wieder zurückgebracht.

Also Achtung, liebe Norddeutsche: Karneval kann Spuren von Lebensfreude enthalten. Denkt mal drüber nach. Oder besser: Feiert mal ’ne Nacht drüber!

Bützchen, Eure Anne

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